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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Bericht zum Symposium Tag der Lehre 2011 in Mannheim: Ärztliche Kommunikation – mehr als das Patientengespräch

Bericht Humanmedizin

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  • Nicole Deis - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Geschäftsbereich Studium und Lehrentwicklung, Mannheim, Deutschland
  • corresponding author Harald Fritz - Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Geschäftsbereich Studium und Lehrentwicklung, Mannheim, Deutschland

GMS Z Med Ausbild 2012;29(3):Doc40

doi: 10.3205/zma000810, urn:nbn:de:0183-zma0008100

Dieses ist die Originalversion des Artikels.
Die übersetzte Version finden Sie unter: http://www.egms.de/en/journals/zma/2012-29/zma000810.shtml

Eingereicht: 6. Dezember 2011
Überarbeitet: 8. Dezember 2011
Veröffentlicht: 15. Mai 2012

© 2012 Deis et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Kongressbericht

Kommunikation in der medizinischen Ausbildung – das Thema zum diesjährigen Tag der Lehre an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Am 1. Juli waren internationale Experten zum Symposium und der anschließenden Lehrpreisverleihung im Rahmen des Modellstudiengangs MaReCuM eingeladen. Wie bereits in den Vorjahren ist auch in diesem Jahr ein Thema aufgegriffen worden, das für die Lehre in der Fakultät und darüber hinaus von aktuellem Interesse ist: „Ärztliche Kommunikation – mehr als das Patientengespräch“. Das Kommunizieren mit Patienten und Kollegen ist die erste der sogenannten Mannheimer Kernkompetenzen, die im MaReCuM-Modellstudiengang verankert sind. Aktuell werden alle diesbezüglichen Veranstaltungen im Rahmen der Curriculumsentwicklung in ein longitudinales Modul integriert. Wesentliche Bausteine dieses Moduls sind das Simulationspatienten-Programm der Fakultät, das gerade sein fünfjähriges Bestehen gefeiert hat, sowie das 2008 eröffnete Lernkrankenhaus Thesima. Gleichzeitig begann im August die erste Kohorte der Studierenden des Modellstudiengangs MaReCuM mit dem Praktischen Jahr. Anlässe für die Fakultät, auf die vergangenen fünf Jahre zurückzublicken und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Der Tag der Lehre gab die Möglichkeit, einen Überblick über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der Kommunikationsforschung und –lehre zu erlangen und in Diskussionen mit externen internationalen Experten zahlreiche Anregungen für das Curriculum zu sammeln.

In seinem Eröffnungsvortrag beleuchtete Wim Gijselaers (Universität Maastricht, Department of Educational Research and Development) die interprofessionelle Kommunikation in der Medizin. Als entscheidende Faktoren für den Erfolg von Teams identifizierte er neben der wahrgenommenen „psychological safety“ die Wertschätzung von Unterschieden, die Offenheit für neue Ideen und die Zeit, die für Reflektion zur Verfügung steht. Herr Gijselaers berichtete über Studien, die in Krankenhäusern den Zusammenhang zwischen der Anzahl der gemeldeten Fehler und dem in den einzelnen Teams vorherrschenden Führungsstil untersuchten. Die auf den ersten Blick überraschenden Ergebnisse zeigten: je positiver das Teamklima, die Zielvereinbarungen und das Ausmaß an Coaching durch den Chef eingeschätzt wurden, desto mehr Fehler wurden von den Teams gemeldet. Werden in autoritär geführten Teams also weniger Fehler gemacht? Die Kombination aus „psychological safety“ und den anderen genannten Faktoren schaffe in den eher kooperativ geführten Teams ein Klima, in dem ein konstruktiver Umgang mit Fehlern ermöglicht werde, während in autoritär geführten Teams Fehler eher verschwiegen werden. Kommunikation sei entscheidend für das Funktionieren von Teams – und bedeute mehr als miteinander zu reden.

Zur Klärung der Frage nach der Lehr- und Lernbarkeit guter Arzt-Patient-Kommunikation gab Wolf Langewitz (Universitätsspital Basel; European Association of Communication in Health Care, Past President and Executive Committee Member) einen Überblick über die gängigen Lernziele und deren Herkunft. Die medizinische Ausbildung ziele neben der Wissensvermittlung nicht zuletzt auch auf Einstellungen und Haltungen. Doch wie lassen sich Haltungsänderungen erzielen und messen?

Wohlwollendes Interesse und Bescheidenheit als professionelle Haltung sind die Langewitz’schen Ingredienzen für eine gelungene Arzt-Patient-Beziehung. Um diese Haltung zu erreichen, sei es erforderlich, die Studierenden „am eigenen Leib“ spüren zu lassen, dass sich Kommunikation A aus Patientensicht besser anfühlt als Kommunikation B. Ein interner Arbeitsworkshop am Nachmittag bot die Gelegenheit, die Anregungen aus dem Vortrag weiter zu vertiefen und Schlussfolgerungen für das Mannheimer longitudinale Curriculum Kommunikative Kompetenzen zu ziehen.

Eva Eckkrammer (Universität Mannheim, Abteilung Sprach- und Medienwissenschaft) erläuterte in ihrem Vortrag die Auswirkungen von Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden auf die Gesundheit von Migranten und empfahl, transkulturelle Kompetenzen als integralen Bestandteil in die Aus- und Weiterbildung von Medizinern aufzunehmen. Dadurch ließen sich Stereotype abbauen und eine verbesserte medizinische Versorgung von Migranten erzielen. Ihre konkrete Empfehlung an das Gesundheitssystem: Multikulturelle Teams und Dolmetscherdienstleistungen sollten im Klinikkontext als Standard implementiert werden.

Peter Görlich (Ethianum Heidelberg) beleuchtete die Kommunikation von der wirtschaftlichen Seite. Seine Vision, die er im Klinikum Ethianum in Heidelberg verwirklicht hat, ist die lernende Organisation, bei der die Prozessorientierung im Vordergrund steht. Transparente und standardisierte Abläufe sichern die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Patienten gleichermaßen. Klar definierte Kommunikationswege und eine offene und konstruktive Kommunikation aller Beteiligten sind laut Herrn Görlich der Schlüssel zum Erfolg.

Der Vormittag endete mit der Überreichung der medizindidaktischen Zertifikate an die Habilitanden der Fakultät. Die Workshops am Nachmittag boten Gelegenheit, sich auf verschiedenen Ebenen weiter mit dem Thema Ärztliche Kommunikation zu beschäftigen: Herr Prof. Wassermann, Musikdirektor der Uni Heidelberg und Chorleiter des MaReCuM-Chors erarbeitete mit seinen Teilnehmern des Workshops Strategien, um durch bewusst eingesetzte Atemtechnik die Präsenz, Ausstrahlung und Überzeugungskraft zu steigern. Im Workshop „Kommunikation in der medizinischen Ausbildung“ mit Frau Eggensperger, Abteilung Schlüsselkompetenzen der Uni Heidelberg, nutzten externe und interne Teilnehmer die Gelegenheit, sich über drängende Fragen in der kommunikativen Ausbildung an den jeweiligen Standorten auszutauschen und über Strategien für die Weiterentwicklung der Lehre in diesem Bereich zu diskutieren. Der Tag nahm mit der Verteilung der diesjährigen MaReCuM-Lehrpreise an die Lehrenden im Rahmen des studentischen Sommerfestes ein erfolgreiches Ende.


Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass sie keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel haben.