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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Kompetenzzentrum Medizindidaktik Baden-Württemberg 2001-2005

Projekt Humanmedizin

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GMS Z Med Ausbild 2006;23(1):Doc15

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/journals/zma/2006-23/zma000234.shtml

Eingereicht: 31. Oktober 2005
Veröffentlicht: 17. Februar 2006

© 2006 Lammerding-Köppel.
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Projektbeschreibung

Nicht nur in Baden-Württemberg versuchen die Medizinischen Fakultäten über eine Netzwerkbildung die vorhandenen Ressourcen optimal zur gegenseitigen Unterstützung zu nutzen. Auch auf der anderen Seite der Erdkugel gibt es vergleichbare Tendenzen. In Bandung trafen sich vom 23. - 27. April 2005 die Entscheidungsträger aller medizinischen Fakultäten Indonesiens sowie Vertreter zahlreicher ostasiatischer und asiatischer Universitäten, um am PEPKI-II- Kongress unter dem Titel "Closing the Gap in Medical Education through Network Strengthening towards Globalization" gemeinsame Strategien zu starten. In Baden-Württemberg begann das Kompetenznetz Lehre an den medizinischen Fakultäten 2001 mit Gründung des Kompetenzzentrums Medizindidaktik in Tübingen, danach folgte 2003 in Freiburg das Zentrum für Evaluation, Heidelberg übernahm 2004 das Zentrum für Prüfungen, Ulm baut jetzt in 2005 das Kompetenzzentrum e-learning, und In Mannheim laufen bereits erste Planungen für das Kompetenzzentrum Praktisches Jahr.

Welchen Beitrag konnte bisher das Kompetenzzentrum Medizindidaktik zu diesem Kompetenznetz Lehre liefern? Es wurde ein zweistufiges Curriculum zur medizindidaktischen Qualifizierung entwickelt, das mehrfach von verschiedenen international besetzten Expertenrunden begutachtet wurde. Das Curriculum umfasst

1. das Basis-Curriculum "Medizindidaktische Qualifikation 1" (kurz MQ 1) mit 120 Unterrichtseinheiten (UE) à 45 min, sowie

2. das Aufbau-Curriculum "Medizindidaktische Qualifikation 2" (kurz MQ 2) mit 80 UE.

Gekrönt wird das besondere Engagement der Dozenten und Dozentinnen im Bereich Lehre durch das ministerielle "Baden-Württemberg Zertifikat Hochschullehre mit Schwerpunkt Medizindidaktik".

Das Kooperationsprofil (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]) zeigt das Prinzip der Zusammenarbeit der medizinischen Fakultäten. Das Basis-Curriculum wird hauptsächlich in Tübingen mit Unterstützung externer Ausbilder/innen durchgeführt, aber auch extern vor Ort angeboten. Im Aufbau-Curriculum beteiligen sich je nach Ressourcen alle medizinischen Fakultäten, sei es über ein besonderes Kursangebot, das sie landesweit anbieten wie Freiburg, Ulm und Tübingen, und/oder zumindest über den Einsatz von Trainern und Trainerinnen.

Das Kursangebot hat sich seit 2001 (1 Basiskurs. 1 Aufbaukurs) exponentiell entwickelt, so dass in 2005 insgesamt 10 Basiskurse und 15 Aufbaukurse angeboten werden konnten. Damit scheint derzeit ein Plateau der Nachfrage erreicht. Zusätzlich wurden seit 2003 auch spezielle Auftragsarbeiten übernommen, um darüber zusätzliche Mittel für das Kompetenzzentrum zu erwirtschaften.

Auch die Teilnehmerzahlen haben sich von 2001 bis 2004 rasch entwickelt (siehe Abbildung 2 [Abb. 2]): Bis Ende 2004 nahmen 751 Lehrende an medizindidaktischen Kursen teil. Der Anteil von Lehrenden aus den verschiedenen Universitäten kann aus Abb. 2 entnommen werden. Der sprunghafte Anstieg an Teilnehmern aus Tübingen ist sicherlich auf die Änderung der Habilitationsordnung Ende 2003 zurückzuführen; seitdem gilt der Besuch des Basiskurses als eine Möglichkeit zum Nachweis der didaktischen Qualifizierung. Inzwischen haben insgesamt 44 Lehrende aus Freiburg, Tübingen und Ulm das ministerielle Zertifikat mit Schwerpunkt Medizindidaktik erworben (2003: 10; 2004: 34).

Eine Analyse des Teilnehmerstatus zeigt, dass nach wie vor die primär angestrebte Zielgruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiter durch das Kursangebot erreicht wird. Zusätzlich haben mittlerweile fast einhundert Lehrende aus der Gruppe der Professoren und Privatdozenten an den Kursen teilgenommen.

Welche personellen Ressourcen stehen hinter diesen Zahlen? Alles in allem sind 22 Trainer und Trainerinnen auf Honorarbasis in sehr unterschiedlichem zeitlichem Umfang aktiv. Dazu kommen 1 Leiterin sowie 1 Kraft für Organisation und Sekretariat (beide Vollzeit), sowie etwa 300 HiWi-Stunden monatlich. Unterstützt wird die Arbeit außerdem durch je 1 Programmbeauftragten als Ansprechpartner vor Ort.

Zwangsläufig wird die Frage nach messbaren Ergebnissen und Effekten (Profit) solcher Maßnahmen gestellt. Folgende positive Wirkungen sollen genannt werden:

(1) Im Rahmen der Leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM Lehre) werden die Fakultäten für die Aktivitäten ihrer Lehrenden bei didaktischen Weiterbildungen finanziell honoriert.

(2) Durch die Basiskurse wurden Lehrende zur Weiterqualifizierung motiviert (eigene Angaben bei Spätbefragungen), sei es dass sie die medizindidaktische Aufbaustufe "MQ 2" durchlaufen haben und / oder den MME-Studiengang (Master of Medical Education in Bern oder Deutschland) absolvieren. Nachweislich sind so an jedem der beteiligten Standorte Ressourcenpersonen für die Lehr- und Prüfungsorganisation sowie als Multiplikatoren (Mentoren, Trainer) aktiviert worden.

(3) An Standorten mit regelmäßiger, Personen-bezogener Evaluation kann auch gezeigt werden, dass sich sowohl die Methodik als auch die Qualität der Lehre und Lehrenden ändert.

(4) Es liegen auch schriftliche Mitteilungen von Absolventen vor, dass der Nachweis der medizindidaktischen Zertifikate gewichtig oder sogar ausschlaggebend bei Stellenbesetzungen (auch Leitungspositionen) war.

(5) Auch sind in der Folge der Kurse unterschiedlichste Lehrprojekte entworfen, umgesetzt und zum Teil auch bereits publiziert worden.

(6) Das wohl überzeugendste Zeichen soll als Sechstes genannt werden: die Medizinische Fakultät Tübingen hat zu Beginn dieses Jahres das Kompetenzzentrum Medizindidaktik mit drei Kursräumen sowie Büro- und Serviceräumen im neuen Lehr- und Lerngebäude des Klinikum Schnarrenberg fest institutionalisiert.