gms | German Medical Science

23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

24.09. - 27.09.2024, Potsdam

AgE-health: Webbasierte Hilfe für anhaltende Trauer im höheren Lebensalter. Ergebnisse eines randomisiert-kontrollierten Trials

Meeting Abstract

  • Franziska Welzel - Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Medizinische Fakultät, Universität Leipzig, Deutschland
  • Alexander Pabst - Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Medizinische Fakultät, Universität Leipzig, Deutschland
  • Janine Stein - Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Medizinische Fakultät, Universität Leipzig, Deutschland
  • Steffi G. Riedel-Heller - Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Medizinische Fakultät, Universität Leipzig, Deutschland
  • Margrit Löbner - Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Medizinische Fakultät, Universität Leipzig, Deutschland

23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF). Potsdam, 25.-27.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. Doc24dkvf354

doi: 10.3205/24dkvf354, urn:nbn:de:0183-24dkvf3544

Published: September 10, 2024

© 2024 Welzel et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License. See license information at http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Outline

Text

Hintergrund: Der Verlust einer nahestehenden Bezugsperson ist ein belastendes Lebens-ereignis, insbesondere für ältere Menschen. Internet- und mobilbasierte Interventionen könnten einen wirksamen Behandlungsansatz für langanhaltende Trauersymptome darstellen. Abstract und Studiendurchführung wurden entsprechend der CONSORT Guideline umgesetzt.

Zielsetzung: Ziel der Studie ist die Untersuchung der Wirksamkeit des internet-basierten Selbstmanagementprogramms trauer@ktiv hinsichtlich der Reduktion einer anhaltenden Trauersymptomatik.

Methode: In einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) wurden N=177 Personen nach dem Zufallsprinzip der Interventionsgruppe (IG; Online-Programm trauer@ktiv mit 8 Inhaltsmodulen auf Basis etablierter Prinzipien Kognitiver Verhaltenstherapie, N=87) oder der Kontrollgruppe (KG; Bibliotherapie in Form einer Informationsbroschüre mit 8 Kapiteln, N=90) zugewiesen. Die Daten wurden mittels schriftlicher Fragebögen zu 2 Zeitpunkten erhoben: vor (Baseline/BL) und 4 Monate nach Zugang zur Intervention (Follow-up/FU). Mithilfe von adjustierten Regressionsmodellen mit gemischten Effekten wurden Veränderungen im primären Outcome bezüglich einer anhaltenden Trauersymptomatik mittels PG-13 (Prolonged Grief Inventory) und sekundären Endpunkten im Rahmen einer Intention-to-Treat-Analyse (ITT) untersucht. Das Studienprozedere ist im Detail im Studienprotokoll publiziert [1].

Ergebnisse: Von den N=177 randomisierten Personen konnten N= 170 in die finalen Analysen einbezogen werden. Die Studienpopulation war im Mittel 67,3 Jahre alt und überwiegend weiblich (75,9%). Obwohl sich deskriptiv eine Prä-Post-Reduktion hinsichtlich der anhaltenden Trauersymptomatik zeigte, wies die ITT-Analyse keine signifikanten Unterschiede zwischen IG und KG nach 4 Monaten auf (PG-13, average marginal effect = 0.56, 95%CI: -2.30 – 3.44). Ebenso zeigten sich bei den sekundären Endpunkten (z.B. Depressivität, Selbstwirksamkeit, soziale Isolation) in der ITT-Analyse keine signifikanten Behandlungseffekte nach 4 Monaten. Die große Mehrheit der Personen, die trauer@ktiv ausprobierten, äußerten sich zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Programm (N=63, 92,6%). Mehr als die Hälfte der IG (N=49, 60,5%) absolvierte fünf oder mehr Module des Onlineprogramms.

Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: Trauer@ktiv war bei der Verringerung der anhaltenden Trauersymptomatik bei Menschen mit Verlusterlebnissen ab dem 60. Lebensjahr nicht wirksamer als die Kontrollbedingung. Daher ist trauer@ktiv nicht als eigenständige Behandlung geeignet. Da jedoch die Benutzerfreundlichkeit und Zufriedenheit mit der Anwendung sehr gut waren, könnte das Potenzial der Anwendung in einer Überbrückungshilfe innerhalb eines gestuften und kollaborativen Behandlungsansatzes liegen.

Trialregistrierung: https://drks.de/search/de/trial/DRKS00020595

Förderung: BMBF-Strukturförderung Versorgungsforschung; Projektname: Die Optimierung der Versorgung von Depressionen im Alter: Akzeptanz, Wirksamkeit und Kosteneffektivität des internetbasierten Selbstmanagementprogramms „trauer@ktiv – AgE-health.de“; Fördernummer: 01GY1613


Literatur

1.
Welzel FD, Löbner M, Quittschalle J, Pabst A, Luppa M, Stein J, Riedel-Heller SG. Loss and bereavement in late life (60+): Study protocol for a randomized controlled trial regarding an internet-based self-help intervention. Internet Interv. 2021 Sep 7;26:100451. DOI: 10.1016/j.invent.2021.100451 External link