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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Entwicklung neuer Kommunikationswege - Einsatz und Nutzen von Foren in der Tiermedizin

Development of new structures - Message boarding: application and use in veterinary medicine

Forschungsarbeit/research article Tiermedizin

  • corresponding author Björn Wilcken - Foren4Vet, Tierarzt, Berlin, Deutschland
  • author Stephan von Berg - Foren4Vet, Tierarzt, Berlin, Deutschland
  • author Nils Baltersee - Foren4Vet, Fachinformatiker, Haltern am See, Deutschland
  • author Thorsten Carl - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, DV- und Internetprojekte, Hannover, Deutschland
  • author Rolf Wagels - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Pferde, Hannover, Deutschland
  • author Jan P. Ehlers - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, eLearning-Beratung, Hannover, Deutschland

GMS Z Med Ausbild 2008;25(4):Doc103

The electronic version of this article is the complete one and can be found online at: http://www.egms.de/en/journals/zma/2008-25/zma000588.shtml

Received: June 11, 2007
Revised: February 2, 2008
Accepted: March 13, 2008
Published: November 17, 2008

© 2008 Wilcken et al.
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Zusammenfassung

Information und Kommunikation der veterinärmedizinischen Berufsgruppe findet heutzutage vielerorts statt, dabei gewinnen webbasierte Medien stetig an Bedeutung. Gleichzeitig nimmt die Bildung von fachlichen und sozialen Netzwerken innerhalb der Veterinärmedizin einen immer größeren Stellenwert ein. Im Jahr 2002 wurde die Diskussionsplattform Foren4Vet gegründet mit dem Ziel, eine Anlaufstelle für Mitglieder dieser Berufsgruppe zu sein und einen Austausch zu ermöglichen. Foren4Vet erfreut sich zunehmenden Interesses und bietet durch Kooperation mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover und dem Ausschuss Tiermedizin der GMA, sowie anderen veterinärmedizinischen Projekten eine einheitliche und übergreifende Forenplattform. In einer Online-Befragung der Nutzer kristallisierte sich die Nachfrage nach solchen Medien in der gesamten Berufsgruppe, insbesondere in der Gruppe der jungen Studierenden. Die Einrichtung geschlossener Bereiche garantiert, dass berufsgruppen- sowie hochschulinterne Informationen nur an authentifizierte Teilnehmer gelangen. Gleichzeitig wird das Forum der steigenden Nachfrage an interdisziplinärer, asynchroner Kommunikation gerecht.

Schlüsselwörter: asynchrone Kommunikation, Netzwerk, peer to peer, Interaktion, CSCL, blended learning, e-Learning

Abstract

The availability of information and communication in german veterinary medicine is widespread and web-based media is a growing factor in this phenomenon. Parallel to this development, social and professional networks are becoming increasingly more important in the profession. The goal of the internet-based message board with the domain name Foren4Vet.de (founded 2002), is to establish a point of contact for professional members, students, and individuals interested in studying veterinary medicine. Today, in cooperation with the School of Veterinary Medicine in Hannover and with the veterinary panel of the Association of Medical Education, Foren4Vet provides an integrative platform for all members of the veterinary medicine profession. An online evaluation of the website showed a high demand for such a platform especially among the younger group of student users. Part of the website offers secure access for authorized members only, ensuring closed-group communication between professional groups and individuals associated with the university. At the same time, the message board supports the increasing demand for asynchronous and interdisciplinary communication.

Keywords: asynchronous communication, community of practice (CoP), peer to peer, interaction, computer-supported cooperative/collaborative learning (CSCL), blended learning, e-learning


Einleitung

Die Bedeutung von Kommunikation innerhalb der modernen Veterinärmedizin ist heute wichtiger denn je. Interdisziplinäre und fach- sowie standortübergreifende Zusammenarbeit und Kooperationen führen zu schnellerem Erfolg und katalysierendem Fortschritt [18].

Die Anzahl der Mitglieder der veterinärmedizinischen Berufsgruppe ist im Vergleich zu anderen naturwissenschaftlichen und medizinischen Berufsgruppen relativ klein und räumlich zusätzlich weit verteilt. Ein hoher Kosten- und Zeitaufwand war bisher unumgänglich, um dieses Manko zu überbrücken [8].

Im Studium ist der direkte Wissens- und Erfahrungsaustausch mit Kommilitonen des eigenen Fachbereichs in der Theorie unkompliziert. Dagegen wird die Kommunikation mit Kollegen nach dem Studium weitaus schwieriger.

In aller Regel findet sie im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen, wie Seminaren, Kongressen und Tagungen, oder aber innerhalb persönlicher Netzwerke statt. Natürlich nimmt auch der Einfluss des Internets als kommunikationsdienliches Medium stetig zu. So wird seit einigen Jahren der Informationsfluss über die herkömmlichen Printmedien (u.a. Bücher und Fachzeitschriften) durch verschiedene Online-Präsenzen, Newsletter, Newsgroups und E-Mail-Verteilern erweitert. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um statische Informationen, die dem Benutzer bereitgestellt werden. Diskussionen zu fachlichen Belangen sind nur im begrenzten Umfang möglich. E-Mail-Verteiler profitieren von der schnellen und weiten Verbreitung ihrer Inhalte, stoßen allerdings schnell vor allem in punkto Übersichtlichkeit an ihre Grenzen [5]. Als Erweiterung der E-Mail bieten die zumeist öffentlichen Newsgroups die Möglichkeit, für einen umgrenzten Themenbereich Textbeiträge auszutauschen. Die automatische chronologische Sortierung der Antworten ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber Mailinglisten [13].

Informationen sind weit im World-Wide-Web verteilt. Somit gestaltet sich die Verbreitung und Beschaffung von Informationen als zeitintensive und aufwändige Angelegenheit [7], die sich nicht mit der Realität des praktischen Alttags vereinbaren lässt

Aus diesem Grund wurde nach einer Möglichkeit gesucht, die veterinärmedizinischen Berufsgruppen interdisziplinär und interprofessionell zueinander zu bringen, die Wege des Informationstransfers zu verkürzen und somit den Austausch effektiver zu gestalten.


Methodik

Im April 2002 wurde in studentischer Eigeninitiative das Internetforum Foren4Vet (http://www.foren4vet.de) gegründet. Anfangs sollten Foren für alle deutschen veterinärmedizinischen Hochschulen den Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden der Veterinärmedizin ermöglichen. Sukzessive wurde eine Erweiterung für alle weiteren Berufsgruppen der Tiermedizin durchgeführt. Foren4Vet gliedert sich in verschiedene Kategorien, die heute ein breites Angebot an verschiedenen Foren umfassen:

  • Studierende der Tiermedizin in Deutschland (Foren für jede Bildungsstätte)
  • Europäische, deutschsprachige Studierende (Wien, Gent/Antwerpen, Budapest, Bern/Zürich)
  • Fachforen rund um die Praxis und den veterinäramtlichen Dienst
  • Geschützte Foren für die einzelnen Berufsgruppen
  • Einbeziehung der Lehrberufe der Veterinärmedizin (Veterinärmedizinische Technische Angestellte, veterinärmedizinische Fachangestellte, Amtliche Fachassistenten)
  • Gesonderte Foren für den Austausch über Lehrinhalte und Prüfungen
  • Interaktives Lehrforum, in dem Tierärzte Studenten anhand von Fallbeispielen die alltägliche Praxis näher bringen
  • Foren für soziale Kontakte und verschiedene Kleinanzeigenbereiche.

„Ein Internetforum (lat. forum, Marktplatz), auch Diskussionsforum, ist ein virtueller Platz zum Austausch und Archivierung von Gedanken und Erfahrungen. Die Kommunikation findet dabei asynchron, das heißt nicht in Echtzeit, statt (http://de.wikipedia.org/wiki/Internetforum).

Das Forum basiert technisch auf der OpenSource Software „phpBB“. BB steht für Bulletin Board und beschreibt – im Gegensatz zu einem klassischen Webforum – die Art und Weise, in der Beiträge sortiert werden. Ein Webforum sortiert Beiträge hierarchisch und chronologisch in einer Baumstruktur. In einem Bulletin Board hingegen werden die Beiträge eines Themas auf einer Seite, bzw. mehreren Folgeseiten vereint [10]. Die Sortierung der Beiträge erfolgt aktivitätsbezogen, d.h. Themen von erhöhtem Interesse und mit starker Beteiligung rücken auf die höchste Position und sind dadurch für den Benutzer schnell einsehbar (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).

Die Darstellung der Inhalte wird über die Programmiersprache PHP sowie mittels einer mySQL-Datenbank-Anbindung realisiert. Dabei wird dynamisch eine Web-Oberfläche generiert, welche plattformunabhängig über alle üblichen Internet-Webbrowser dargestellt werden kann.

Nach einmaliger Registrierung werden jedem Benutzer im Administrationsbereich der Software individuelle Zugangsberechtigungen zugeordnet. Der Benutzer schickt per E-Mail, Fax oder postalisch eine Kopie eines entsprechenden Nachweises an die Betreiber der Forums. Zu den Nachweisen zählen Studentenausweise, Lehrbriefe, Approbationsurkunden, sowie Tierarztausweise. Aufgrund der zunehmenden Größe der Foren und konstant steigenden Benutzerzahlen (siehe Abbildung 2 [Abb. 2]) wurde die Software im wesentlichem durch die dem Hauptforum untergestellten Subforen modifiziert. Die dadurch entstehenden Ebenen des Forums ermöglichen eine kompaktere Präsenz und bessere Strukturierung der verschiedenen Informationen.

Im Hintergrund der Diskussionen wurde eine administrative Ebene geschaffen. Insgesamt 25 Moderatoren, überwiegend aus Mitgliedern der veterinärmedizinischen Berufsgruppen, können in die Diskussionen bestimmter Foren, für die sie die Verantwortung tragen, eingreifen und haben die Rechte, Beiträge zu editieren, zu sperren oder notfalls zu löschen. Teilweise werden Beiträge von den Autoren thematisch falsch eingeordnet. Die Moderatoren müssen dann unterstützend eingreifen, indem sie diese Themen in die vorgesehenen Foren verschieben oder im Zuge der Diskussion aufkommende Themenwechsel neu strukturieren [1]. Die erforderliche Anwesenheit der Moderatoren und deren Beteiligung ist an die Aktivität im jeweiligen Forum geknüpft, entspricht jedoch mindestens einer täglichen Kontrolle.

Für die Koordinierung der Moderatoren stehen für jede Kategorie übergeordnete, so genannte Team-Moderatoren mit beratender Funktion als Bindeglied zwischen Moderation und Administration zur Verfügung. Auf administrativer Ebene werden Zugangsberechtigungen der Benutzer, die strukturelle und technische Weiterentwicklung und Wartung der Plattform sowie die Betreuung und Support der verschiedenen Kategorien und Kooperationsprojekte umgesetzt.

Die Bekanntmachung und Werbung für das Forum erfolgte bislang nur über Aushänge, Verlinkung auf AStA/Fachschaft-Websites, per Mundpropaganda und Vorstellung auf Kongressen (Wilcken B. Tiermedizinischer Informationsaustausch im Umbruch. Qualität der "Neuen" Lehre in der Medizin. Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Münster, 04.-06.11.2005). Im Rahmen der Gründung des hochschulinternen Forums der Tierärztlichen Hochschule Hannover präsentierte sich Foren4Vet mit einen Informationsstand auf dem Hochschulsommerfest 2006 und durch das Engagement mehrerer Studentinnen in Form von Campusführungen und Bücherbesprechung für Studieneinsteiger. Dadurch wurde die Greifbarkeit des Forums verdeutlicht und Berührungsängste, insbesondere bei ungeübten Internet-Nutzern konnten abgebaut werden.

Um mehr über die Nutzerstruktur des Forums zu erfahren, wurde im Januar 2007 eine „Blitz-Befragung“ der Forennutzer durchgeführt. Dazu wurde über einen Zeitraum von 10 Tagen eine Online-Umfrage gut sichtbar als Ankündigung im Forum platziert. Die Befragung und Auswertung wurde mit Hilfe des Angebotes der Internetseite http://www.onlineumfragen.com durchgeführt. Der Fragebogen bestand aus insgesamt 14 Fragen zum allgemeinen Internetverhalten der Benutzer und zu den Gründen der Nutzung von Foren4Vet .

Gefragt wurde zusätzlich nach Geschlechtszugehörigkeit, Alter, Berufsfeld sowie Studienort der Umfragenteilnehmer.


Ergebnisse

Foren4Vet ist das einzige deutschsprachige, berufsgruppenübergreifende, öffentlich zugängliche Angebot zum Informations-Austausch innerhalb der Tiermedizin. In den ersten drei Jahren registrierten sich über 1500 Benutzer. Seit dem Jahr 2005 fand eine starke Expansion statt (siehe Abbildung 2 [Abb. 2]). Die breite Akzeptanz und die stark gestiegenen Benutzerzahlen forderten eine personelle Verstärkung des ehrenamtlich arbeitenden Moderationsteams (siehe Abbildung 3 [Abb. 3]). Foren für weitere europäische Standorte tiermedizinischer Lehre realisierten darüber hinaus erste Schritte in Richtung der grenzüberschreitenden Vernetzung der Berufsgruppe. Es wurden Foren zum Studium an den veterinärmedizinischen Hochschulen in Wien, Budapest und Belgien geschaffen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen der praktischen Administration wurde zum einen die Bedeutung der übergreifenden Nachfrage nach einer gemeinsamen Plattform ersichtlich, zum anderen wurde deutlich, dass die fachspezifische Diskussion und Auseinandersetzungen über Behandlung und Diagnose in fachinternen Bereichen ohne Tierbesitzer stattfinden muss. Die Kategorie „Fachgruppen der Veterinärmedizin“ wurde erweitert und steht nach Einsendung entsprechender Nachweise und anschließender Freischaltung zur Verfügung.

Foren4Vet generiert durch Zusammenarbeit mit verschiedenen Projekten wie der Promovierenden-Vertretung der Tierärztlichen Hochschule Hannover eine kommunikative Ausgangsplattform. Sie ermöglicht solchen Projekten eine höhere Besucherfrequenz und steigert dadurch die Aktivität und Attraktivität der einzelnen Foren [15].

Seit dem Wintersemester 2005 wird Foren4Vet von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover als Forum genutzt. Es wurde dafür ein interner Bereich geschaffen, der nur für Angehörige der Hochschule zugängig ist. Über das hochschuleigene System TiHoStudIS ist zum Wintersemester 2006 eine direkte Koppelung von Registrierung und Legitimation für den Zugang geschlossener Bereiche bei Foren4Vet ermöglicht worden. Seitdem haben sich ca. 700 Studierende und 25 Mitarbeiter freischalten lassen. Neben der Möglichkeit, hochschulinterne Diskussionen zu führen und interne Ankündigungen auch zu kommentieren, wird das Forum für die Begleitung von Lehrveranstaltungen genutzt. Zum einen findet eine Bindung der Teilnehmer am Klinisch-praktischen Jahr an die Kliniken über das Praktikum hinaus statt [19] zum anderen können z.B. Fragen zum Unterricht in der Mikrobiologie in einem eigenen Forum diskutiert werden, das vor allem zur Prüfungszeit genutzt wird. Dass auch eine direkte Einbindung in Lehrveranstaltungen möglich ist, zeigte das CASUS-Wahlpflichtfach. Die Diskussionen zur Fallerstellungen fanden außerhalb der Präsenzveranstaltungen vor allem in einem eigenen, geschlossenen Unterforum statt. Die Anzahl von 395 Beiträgen von 15 Teilnehmern innerhalb eines Semesters zeigt die hohe Akzeptanz dieses Mediums.

Auch der Ausschuss Tiermedizin der GMA (http://www.gesellschaft-medizinische-ausbildung.org) hat ein eigenes Unterforum innerhalb Foren4Vet. Ein öffentlicher Teil informiert alle Interessierten über Aktivitäten und Tagungen, ein geschlossener Teil steht nur den GMA-Mitgliedern zur Ausschussarbeit offen. Für den internen Bereich sind 13 Teilnehmer freigeschaltet. Mit mittlerweile 86 Beiträgen findet hier vor allem die Koordination der Workshops, Veröffentlichungen und Entwicklung des Positionspapiers statt.

An der Online-Befragung nahmen insgesamt 174 Forennutzer teil. In der Umfrage spiegeln sich der prozentual hohe Anteil weiblicher Benutzer (85%), sowie eine vorwiegende Altersverteilung zwischen 18 und 30 Jahre wieder (82 %, siehe Abbildung 4 [Abb. 4]). Die meisten Teilnehmer der Umfrage gaben als Studienstandort Hannover an (26%, siehe Abbildung 5 [Abb. 5]) gefolgt von München (16%), Berlin und Gießen (je 15%).

Die Nutzer des Forums sind vor allem Studierende der vorklinischen (26%, siehe Abbildung 6 [Abb. 6]) und klinischen Semester (21%). Tierärztinnen und Tierärzte entsprechen 17% der Befragten. Die nächst größerer Gruppe sind bereits Studieninteressierte (12%). Auch die Moderatoren sind vor allem Studierende (56%, siehe Abbildung 3 [Abb. 3]) sowie Tierärztinnen und Tierärzte (28%).

Die meisten Nutzer besuchen das Forum täglich (45%), insgesamt 24% mehrmals. Von den wöchentlichen Nutzern (42%) berichteten insgesamt 29% mehrmals wöchentlich das Forum zu besuchen. Lediglich 13% betraten das Forum monatlich oder weniger (siehe Abbildung 7 [Abb. 7]). Hinzugezogene, serverbasierte Daten zeigten dabei eine über den ganzen Tag verteilte starke Forennutzung mit einem Peak in den Abendstunden (siehe Abbildung 8 [Abb. 8]).

Bei der Befragung nach der Nutzung des Forums (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]) kristallisierte sich zum einen das gesteigerte Interesse an Informationen zum Studium (68%) und verwaltungsbezogene Anfragen zu den einzelnen Hochschulen und Lehrveranstaltungen (48%), sowie Fortbildung (31%) heraus. Parallel dazu wurde ein deutlicher Wunsch nach berufseigenen Netzwerken und sozialer Kontakt zu Kollegen und Kommilitonen (43%) postuliert.


Diskussion

Die vorliegende Arbeit hat gezeigt, dass es auch mit einfachen Mitteln und studentischer Initiative möglich ist, eine interdisziplinäre Kommunikationsplattform für ein Themengebiet zu schaffen. Die Einbindung multimedialer Techniken, wie Diskussionsforen, weblogs, Intranetanwendungen in die tiermedizinische Ausbildung sowie die verstärkte Nutzung von digitalen Medien als Informationsquelle und Kommunikationsmedium erscheint heute unerlässlich für die Vorbereitung auf die berufliche Praxis [17].

Mit dem Entschluss, einige Bereiche ausschließlich für Teilnehmer und Absolventen einer staatlich legitimierten veterinärmedizinischen Ausbildungssituation zugänglich zu machen, wurde verdeutlicht, dass Foren4Vet den Fokus auf die Kommunikation innerhalb der eigenen Berufsgruppe legt. Behandlungsmethoden und Therapieansätze gehören zum Beispiel in geschlossene Bereiche, da die Erfahrungen gezeigt haben, dass auch auf Seiten der Tierbesitzer eine rege Nachfrage nach kostenloser Beratung und Ferndiagnosen im Internet besteht. Oft ist nicht nachvollziehbar, inwiefern diese Anfragen losgelöst von der Behandlung durch einen Tierarzt vor Ort gestellt werden oder sogar in der Hoffnung einen Tierarztbesuch zu umgehen formuliert werden. Ein Internetforum sollte im Interesse des Tieres kein Medium für Selbsttherapieversuche darstellen. Im Gegensatz dazu ist der Austausch, die gegenseitige Beratung und Hilfestellung unter Kollegen im Sinne der Interdisziplinarität gewünscht. Erfahrungen sollen geteilt und Fragestellungen zu Diagnose und Therapie kurzfristig und zeitnah durch das Kollegium und Experten beantwortet werden. Darüber hinaus kann eine Diskussion über Behandlungsproblematiken die Reflexion über den eigenen praktischen Alltag stimulieren.

Durch die Integration von Hochschulen und Institutionen des tierärztlichen Alltages kann ein hochwertiges Kommunikationsnetzwerk geknüpft werden, das letztendlich in der Lage ist, organisatorische Strukturen zu entlasten und der Forderung nach Förderung der Interaktivität zwischen den Studierenden und den Universitäten gerecht zu werden. Durch den Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden, Forschungsgruppen und Praktikern wird zudem eine Brücke zwischen derzeitiger Forschung, Ausbildung und der alltäglichen Berufspraxis geschlossen und gleichzeitig fachinterne Netzwerke geschaffen. Auf diesem Weg können wissenschaftliche Informationen in die Praxis gelangen und Erfahrungen aus der Praxis in die Lehre und Forschung einfließen.

In Foren besteht oft die Gefahr, dass durch mangelnde fachliche Kompetenz Beiträge mit geringer Evidenz oder sogar Unwahrheiten unkommentiert verbreitet werden [4]. Diese Gefahr kann durch die Kooperation mit den Bildungsstätten vermindert werden.

Die Umfrage lässt aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und des kurzen Zeitraumes der Umfrage keine statistisch repräsentativen Aussagen zu, die für die Gesamtheit der Forennutzer gelten. Doch zeigen die erhaltenen Antworten das Interesse an neuen Medien. Der hohe Anteil weiblicher Nutzer spiegelt den Anteil an Frauen im Studium und unter den jüngeren Tiermedizinern wider [16]. Eine Nutzung dieser neuen Kommunikationsform zeigte sich hier vor allem in den jüngeren Altersgruppen, was zum großen Teil an der studentischen Ausgangssituation und der Bekanntmachung in den Hochschulen liegt. Durch die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover wird zurzeit angestrebt, die Alumni-Arbeit über Foren4Vet zu betreiben, was vermehrt auch erfahrene Tierärztinnen und Tierärzte auf das Forum aufmerksam machen wird.

Die Befragung nach dem Studienort zeigt auf der einen Seite das übergreifende Interesse einer solchen Kommunikationsplattform in allen veterinärmedizinischen Studienorten, auf der anderen Seite aber auch, dass eine intensive, kollektive Zusammenarbeit an den Hochschulen notwendig ist, um neue Kommunikationsformen bekannt zu machen.

Da Foren4Vet aus einer studentischen Initiative hervorging, stellen Studierende den größten Teil der Nutzer. Trotzdem ist auffällig, wie stark auch die anderen Berufsgruppen hier mittlerweile vertreten sind und dass es für Schüler und Studieninteressierte eine beliebte Informationsquelle ist. Um der Zusammensetzung der Nutzergruppen gerecht zu werden, spiegelt sich dieses Verhältnis auch in der Zusammensetzung der Moderatoren wider.

Die boardeigene Statistik hat gezeigt, dass das Forum den ganzen Tag über genutzt wird, also auch in Studienpausen und während Freistunden. Am Abend zeigt sich eine deutliche Häufung der Forennutzung. Dabei schauen viele Forennutzer mehrmals täglich immer wieder in das Forum auf der Suche nach Neuigkeiten.

Der Erfolg einer einheitlichen webbasierten veterinärmedizinischen Kommunikationsplattform, der sich bisher weitestgehend ohne Werbung in traditionellen veterinärmedizinischen Informationsquellen einstellte, verdeutlicht die breite Akzeptanz innerhalb der Berufsgruppe und das Potenzial eines solchen Mediums. Das bisherige Angebot an Information und deren Zugänglichkeit scheint noch stark erweiterbar. Die Integration weiterer Hochschulen und Institutionen der Veterinärmedizin (beispielsweise Tierärztekammern und Veterinärämter) des In- und Auslandes wird angestrebt, um einen möglichst weit reichende und übergreifende Kommunikation zu ermöglichen.


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