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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Interdisziplinäres Schockraum-Management des unfallchirurgischen Patienten: Wie beurteilen die involvierten Mitarbeiter ihre Arbeit?

Vortrag

  • presenting/speaker Thomas Gross - Abt. Traumatologie, Chirurgische Klinik der Universität Basel, Basel, Schweiz; CARCAS Basel, Schweiz
  • F. Amsler - CARCAS Basel, Schweiz
  • I. Montali - Abt. Traumatologie, Chirurgische Klinik der Universität Basel, Basel, Schweiz
  • M. Debelic - Abt. Traumatologie, Chirurgische Klinik der Universität Basel, Basel, Schweiz
  • W. Ummenhofer - Dep. Anästhesie der Universität Basel, Basel, Schweiz
  • R. Huegli - CARCAS Basel, Schweiz; Dep. Radiologie der Universität Basel, Basel, Schweiz

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch0497

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch053.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Gross et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die Selbstbewertung der ‚team performance’ durch die beteiligten Mitarbeiter kann in der Notfallversorgung als wichtiges Qualitätskriterium dienen. Wir interessierten uns für die Hauptkritikpunkte bisheriger Abläufe und allfällige Beurteilungsunterschiede zwischen den beteiligten Disziplinen in der ‚Rea-Phase‘ (= Zeitintervall Schockraum bis Intensivstation) unfallchirurgischer Patienten.

Material und Methoden

Konsekutive anonyme schriftliche Befragung (15 Fragen mit Likert-Skala 1-5) der involvierten klinischen Mitarbeiter eines Zentrumsspitals bei allen unfallchirurgischen Schockraumfällen vom 30.6.02 - 26.7.03 (p<0.05, ANOVA).

Ergebnisse

Bei 145 Schockraumeinsätzen (davon 51% Polytraumata) retournierten 624 Mitarbeitende (53% m, 43% w, 4% ohne Geschlechtsangabe) den Antwortbogen: 27% waren Chirurgen, 23% Anästhesisten, 21% Radiologen, 18% Notfallpflegende, 11% übrige. Deren Beurteilung liess keine Abhängigkeit davon erkennen, ob es sich beim jeweiligen Schockraumeinsatz um ein Polytrauma (ISS>15) handelte oder nicht. Am besten beurteilt wurden die Dimensionen Verantwortlichkeit bzw. Kommunikation (mean 4.5) im je eigenen Fachgebiet, wohingegen das Zeitmanagement (mean 3.8) am schlechtesten eingestuft wurde, gefolgt von der eigenen Zufriedenheit und der Beurteilung der Abläufe im Gesamtteam. Jeder dritte Mitarbeitende sah Verbesserungsmöglichkeiten für die Integration technischer Ressourcen in den täglichen Ablauf. Die Beurteilung der Gesamtbehandlungsqualität (mean 4.0) der jeweiligen Einsätze unterschied sich nur unwesentlich zwischen den Mitarbeitern der einzelnen Fachgebiete: 79% zeigten sich zufrieden (Likert 4-5), 14% unentschieden, 7% unzufrieden (Likert 1-2). Hingegen fanden sich für Detailaspekte signifikante Unterschiede zwischen den Mitarbeitenden der einzelnen Fachgebiete: So stuften Anästhesisten die Kommunikation im Gesamtteam (p<0.001), das Zeitmanagement (p=0.004) und die Abläufe im Gesamtteam (p=0.036) schlechter als ihre chirurgischen Kollegen ein. Radiologen bewerteten die Behandlungsqualität in ihrem eigenen Fachgebiet signifikant höher als Chirurgen und Anästhesisten (p=0.017). Unabhängig vom Fachgebiet stuften Leitende Ärzte und Oberärzte ihre eigene Ausbildung signifikant besser ein als z.B. Assistenzärzte (p<0.001).

Schlussfolgerung

Für die Globalbeurteilung der Qualität chirurgischen Schockraum-Managements scheint die Fachgebietsherkunft bei systematischen Mitarbeiterbefragungen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Spezifische Aspekte mit grossen Verbesserungspotential, wie interdisziplinäre Kommunikation und Zeitmanagement, werden allerdings von einzelnen Fachgruppen sehr unterschiedlich bewertet. Dies sollte in entsprechenden Schulungsprogrammen berücksichtigt werden, und den als ‚Teamleader‘ auftretenden Chirurgen bewusst sein.