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Präferenzgerechter Einsatz von Videosprechstunden in der ambulanten ärztlichen Versorgung: ein Discrete Choice Experiment mit Versicherten
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| Published: | September 15, 2023 |
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Einleitung: Vor allem in ländlichen Regionen erschweren Faktoren wie eine geringere Ärztedichte und lange Anfahrtswege eine angemessene ambulante ärztliche Versorgung. Aber auch in städtischen Regionen können lange Wartezeiten zu Versorgungsdefiziten führen. Ein potenziell geeignetes Versorgungsmodell zur Verbesserung der Situation ist der Einsatz von Videosprechstunden (VS). Die vorliegende Befragung GKV-Versicherter ist Teil eines Innovationsfondsprojekts mit dem Titel „Präferenzbasierter Einsatz von Videosprechstunden in städtischen und ländlichen Regionen“ (PräVi, 01VSF20011). Ziel der Befragung ist es, bestehende Barrieren sowie entsprechende Präferenzen für die Nutzung der VS in städtischen und ländlichen Regionen zu identifizieren.
Methodik: Um die Präferenzen zu ermitteln, wird eine Befragung mit einem Discrete-Choice-Experiment (DCE) entwickelt. Zur Fragebogenentwicklung wurden eine systematische Literaturrecherche und Fokusgruppeninterviews durchgeführt, um Hürden zur Nutzung der VS zu identifizieren. Der Fragebogen besteht aus drei Abschnitten: Erfahrungen und Einstellungen zur VS, Präferenzerhebung mittels DCE, soziodemographische und gesundheitsbezogene Daten. Aus den qualitativen Vorarbeiten konnten fünf Attribute mit jeweils drei Leveln für das DCE ermittelt werden (möglicher Zeitraum für die VS; Wartezeit bis zur VS; Wartezeit im digitalen Wartezimmer; Möglichkeit der Arztwahl; maximale Terminzeit). Es wurde ein fraktioniertes faktorielles d-optimales Design mit 16 Choice-Sets unterteilt in zwei Blöcke konzipiert.
Die Verteilung der Befragungsunterlagen erfolgte durch drei teilnehmende gesetzliche Krankenkassen an 33.600 zufällig ausgewählte Versicherte.
Ergebnisse: Der kalkulierte Fragebogen-Rücklauf (10 %) wurde mit ca. 14 % (ca. 4.605 Fragebögen) übertroffen. Obwohl ca. 73 % (n = 3375) der Probanden von der Videosprechstunde gehört haben, haben nur knapp 7 % (n = 302) die Videosprechstunde bisher genutzt. In der Hälfte der Fälle fand die Videosprechstunde bei einem/einer Psychotherapeut/-in, einem/einer Psychiater/-in oder einem/einer Nervenarzt/-ärztin statt, in ca. 44 % der Fälle fand die Videosprechstunde in der hausärztlichen Versorgung statt. Personen, die die Videosprechstunde nicht nutzen, geben als hindernde Faktoren insbesondere die Sorge, dass die Qualität der Versorgung leidet, Bedenken beim Datenschutz sowie die erhöhte Anstrengung bei der Nutzung der Videosprechstunde an.
Die Zielvariable des DCE ist die Entscheidung der Probanden für einen von zwei Stimuli. Je nach Modell werden die Attribute bzw. deren Ausprägungen sowie soziodemographische und gesundheitsbezogene Merkmale der Probanden als erklärende Variablen einbezogen. Ein gemischtes Logit-Modell wird geschätzt. Zur Hauptanalyse soll ein hierarchisches Bayes'sches Modell genutzt werden. Die Analyse der DCE erfolgt derzeit und soll zum Ende des 2. Quartals vorliegen.
Diskussion: Um die ambulante ärztliche Versorgung mit dem Einsatz von Videosprechstunden sinnvoll zu ergänzen und bislang ungenutzte Potenziale zu entfalten, müssen Versicherte diese neue Form der Leistungserbringung akzeptieren. Zur Unterstützung der Implementierung von VS sollte daher eine zielgerichtete Einsatzstrategie, die an den tatsächlichen Präferenzen von Versicherten anknüpft und mögliche Hürden berücksichtigt, entwickelt werden.
Schlussfolgerung: Mit dem Projekt wird ein Beitrag zu einer nutzer- und anbieterorientierten Weiterentwicklung des Videosprechstundeneinsatzes in der GKV geleistet.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass ein positives Ethikvotum vorliegt.
