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Corona in Rheinland-Pfalz – Bilanz einer Impfkampagne
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| Published: | September 15, 2023 |
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Einleitung: Nachdem die Coronapandemie in den letzten Jahren unser aller Leben stark beeinflusste, wurden im April 2023 die letzten Schutzmaßnahmen aufgehoben. Maßgeblich verantwortlich für diesen Erfolg war u.a. die rapide Entwicklung von wirksamen, sicheren Impfstoffen. Zur Überwindung der Pandemie war allerdings das Erreichen einer signifikanten Impfquote erforderlich. Damit diese logistische Herausforderung gemeistert werden konnte, wurden staatliche Impfstrukturen geschaffen.
Um die Organisation und Dokumentation effektiv umzusetzen, wurde in Rheinland-Pfalz ein durchgängiges System implementiert, welches von der Terminvergabe, über die Impfung, bis zur freiwilligen Abgabe einer Impfreaktionskarte alle im Impfprozess anfallenden Daten sammelt. Diese Daten wurden in einem tagesaktuellen, zugangsgesicherten Online-Dashboard den Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt. Dadurch konnten datengestützte Entscheidungen für die Impfkampagne und Struktur der Impforganisation getroffen werden.
Methodik: Die in staatlichen Strukturen durchgeführten Impfungen in Rheinland-Pfalz umfassen mehr als 4.200.000 Impfungen. Ab April 2021 begannen die niedergelassenen Ärzte zu impfen, dokumentierten aber in ein KV-eigenes System. Zu diesen stehen lediglich hochaggregierte Daten zur Verfügung. Insgesamt umfasst der Datensatz somit mehr als 9.000.000 Impfungen. Einige Impfungen von betriebsärztlichen Diensten sowie aus Apotheken und einige privatärztlichen Einrichtungen wurden nicht im beschriebenen System dokumentiert. Die Dokumentation der Impfungen erfolgte von einer Vielzahl Personen, teils mit hohem Automatisierungsgrad wie in den Impfzentren und teils mit mehr händischem Aufwand, z.B. in den mobilen Impfteams. Daraus ergeben sich Datenqualitätsprobleme auf Grund derer lediglich <0,5% der Impfungen ausgeschlossen werden mussten. Der letzte in die Analyse eingeschlossene Tag ist der 06.04.2023.
?????Ergebnisse: Die Faktoren und deren Auswirkungen auf den Fortschritt der Impfkampagne wurden analysiert. So wurde beispielsweise die Impfleistung verschiedener Impfangebote (zum Beispiel stationäre vs. mobile Impfungen, staatliche Impfangebote vs. med. Regelversorgung) im Zeitverlauf ermittelt und verglichen. Während der Phase der Priorisierung fanden die 45% der Grundimmunisierungen statt.
Nach einem Abfall der Impfzahlen ab Dezember 2021, erreichten die monatlichen Impfungen in der Phase der Omikron-adaptierten Impfstoffe im Herbst 2022 einen Höhepunkt von ~100.000 Impfungen. Die Auffrischimpfungsquote variiert je nach Landkreis zwischen 54,9% in Kusel und 84,1% in Speyer.
Die maximale Luftlinienentfernung zwischen Wohnort und Impfort beträgt 40 km in RLP.
Ein Hinzuziehen von Daten zur Kostenentwicklung der staatlichen Impfangebote bietet ebenfalls wichtige Implikationen für die effiziente Steuerung künftiger Impfkampagnen. Zur Steigerung der Datenqualität ist es erforderlich bei der Datenerfassung strikte Vorgaben zu implementieren.
?Diskussion: Die ausgewerteten Daten umfassen nur RLP, außerdem sind nur die Daten staatlicher Impfungen feingliedrig untersuchbar. Die parallele Datenerfassung erschwert feingranulare Auswertungen des Impfgeschehens und hindert so die Forschung.
Ein Vergleich mit anderen Bundesländern ist auf Grund fehlender Vernetzung und Datenerhebung nicht möglich. Um in zukünftigen Pandemien Entscheidungen basierend auf möglichst vollständigen Informationen treffen zu können, muss eine Homogenisierung sowohl der Datenerfassung Bundesland-intern, als auch Bundesland-übergreifend angestrebt werden.
Schlussfolgerung: Einzig die strukturierte und umfassende Datenerhebung ermöglichte eine nahezu Echtzeitüberwachung des Impfgeschehens im Lande und sorgte so dafür, dass Entscheidungen stets basierend auf tagesaktuellen Informationen getroffen werden konnten. Des Weiteren konnte so, retrospektiv, die Effektivität und Effizienz der Impfkampagne untersucht werden. Mit den gewonnenen Erkenntnissen kann die Strategie zur Bekämpfung einer zukünftigen Pandemie optimiert werden, um so die Bevölkerung bestmöglich zu schützen.
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die Autoren geben an, dass kein Ethikvotum erforderlich ist.
