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Interarterieller Axillaris-Loop als alternativer Zugang für die Dialyse
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Published: | June 15, 2005 |
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Einleitung
Native arteriovenöse Fisteln stellen den Goldstandard für den Dialysezugang dar, gefolgt von arteriovenösen Prothesen-Shunts. Bei Patienten mit fehlenden Zugangswegen oder Hyperflow-bedingten Nekrosen peripher werden Vorhof-Dialysekatheter implantiert, allerdings mit deutlich erhöhter Infektionsgefahr und verkürzter Offenheitsrate. Alternativ kann die Implantation eines interarteriellen Prothesenshunts durchgeführt werden. Zur Untersuchung der Praktikabilität und der Komplikationsrate eines interarteriellen Axillaris-Loops erfolgte bei prospektiver Datenerhebung die Analyse.
Material und Methoden
Zwischen 05/01 und 09/04 erfolgte in Intubationsnarkose bei 19 Patienten (w=14, m=5; Alter 61,1J±29,3; ASA 3,1±0,3) die Interposition eines interarteriellen Shunts (Polytetrafluorethylen n=17, V. saphena magna n=2) im Bereich der A. axillaris unilateral (rechts n=12, links n=5). Die Indikation zur Axillaris-Loop-Anlage bestand im Fehlen eines adäquaten Zugangs (n=14, 73,7%), im Vorhandensein von peripherer Ischämie (n=12, 63,2%) bei Hyperflow-Fistel und zweimal bei Armschwellung sowie in einem Fall bei hyperflowbedingter kardialer Belastung. In allen Fällen waren mehrfache AV-Fisteln u/o. AV-Prothesenshunts vorausgegangen.
Ergebnisse
Die durchschnittliche Op-Zeit betrug 99min±16. Der Blutdruck (mmHg) am ispilateralen Arm zeigte prä- zu postoperativ keinen signifikanten Unterschied (systolisch 128±30 versus 124±30, p=0,69; diastolisch 74±14 versus 69±16; p=0,23), ebensowenig die duplexsonografisch gemessene peak systolic velocity (PSV) prä- zu postoperativ (0,8m/s±0,3 versus 0,6±0,2; p=0,31). In der Anfangsphase der Studie traten bei 4 Patienten (21,1%) eine revisionspflichtige Nachblutung auf, davon in einem Fall mit einer hämatombedingten Thrombosierung des Bypass. Bei 4 Patienten (21,1%) kam es zu einem thrombotischen Verschluß mit durchschnittlich 2,5 Revisionseingriffen. Davon zeigte 1 Patient eine akute Ischämie der betroffenen Extremität bei ipsilateral noch liegender Hyperflow-Fistel. Nur in einem Fall gelang es nicht, eine dauerhafte Offenheit zu erreichen. Eine operationsbezogene Letalität wurde nicht beobachtet bei einer 1J-Überlebensrate von 76,9% bzw. einer durchschnittlichen Überlebenszeit von 25,8 Monaten ± 4,2 (95%CI 17,7-34,0). Die 1J-Primär- bzw. Sekundär-Offenheitsrate lag bei 58,9% bzw. 92,3%. Bei zwei Patienten wurde inzwischen erfolgreich nierentransplantiert, so dass der offene Axillaris-Loop nicht mehr benutzt wird. Nervenstörungen oder Infektionen traten in keinem Fall auf.
Schlussfolgerung
Die Anlage eines interarteriellen Axillaris-Loops stellt eine Alternative bei fehlendem arteriovenösen Zugangsweg dar mit hoher Patientenzufriedenheit. Eine subtile Präparation und sorgfältige Blutstillung im Bereich der Pectoralismuskulatur ist eine Vorraussetzung zur Verringerung der Blutungskomplikation. Re-Interventionen sind aussichtreich, können prinzipiell in Lokalanästhesie durchgeführt werden und führen zu einer exzellenten sekundären Offenheitsrate. Wir empfehlen daher die interarterielle Axillaris-Loopanlage bei fehlendem arteriovenösem Zugang, insbesondere aber auch bei erfolgloser Revision einer Hyperflow-Fistel mit peripherer Ischämie. Die Implantation eines Vorhofkatheters erfolgt nur noch bei erheblicher Einschränkung der Lebenserwartung.