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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

15.09. - 17.09.2022, Halle (Saale)

Durchführung eines interprofessionellen Kommunikationstrainings im Bereich der beruflichen Fortbildung – Überbringen schlechter Nachrichten in der Geburtshilfe

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Manja Benitz - TU Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum, Dresden, Deutschland
  • presenting/speaker Eva Bibrack - TU Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum, Dresden, Deutschland
  • Jennifer Winkler - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dresden, Deutschland
  • Marie-Christin Willemer - TU Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum, Dresden, Deutschland

Gemeinsame Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Arbeitskreises zur Weiterentwicklung der Lehre in der Zahnmedizin (AKWLZ). Halle (Saale), 15.-17.09.2022. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2022. DocV-15-04

doi: 10.3205/22gma098, urn:nbn:de:0183-22gma0989

Veröffentlicht: 14. September 2022

© 2022 Benitz et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung/Zielsetzung: Im Medizinischen Interprofessionellen Trainingszentrum (MITZ) der Medizinischen Fakultät Dresden (MFD) wurde gemeinsam mit der Abteilung für Geburtshilfe des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden ein Trainingskomplex zu schwierigen Situationen in der Geburtshilfe konzipiert und durchgeführt. Ein Bestandteil des Trainings fokussierte die kommunikative Kompetenz des Überbringens schlechter Nachrichten. Als herausfordernde Situation [1] wurde die Mitteilung eines intrauterinen Fruchttodes (IUFT) im letzten Schwangerschaftsdrittel ausgewählt. Im interprofessionellen Setting ermöglichte das Training neben dem Üben der kommunikativen Technik die Darstellung der Zusammenarbeit zwischen den am Versorgungsprozess beteiligten Berufsgruppen. Diese Zusammenarbeit ist nicht nur in der Betreuung des betroffenen Elternpaares von Bedeutung, sondern gilt als Prophylaxe psychischer Belastungen im Team [2].

Methoden: Nach einer theoretischen Einführung folgte die Durchführung des Rollenspiels mit Simulationspersonen (SP), d.h. dem werdenden Elternpaar. In der Situation trainierten ein oder zwei Hebammen und mindestens ein/e Arzt/Ärztin in Kleingruppen (max. drei Teilnehmende). Danach fand eine umfassende Auswertung mit Videoanalyse, Feedback durch die SP und Peer-Feedback statt. Um die Realitätsnähe zu unterstützen wurden ein Silikonbauch und Simulationsgeräte (CTG, Sonografie) eingesetzt.

Ergebnisse: Das Kommunikationstraining wurde durch die Teilnehmenden (n=47) sehr gut (Gesamtnote: 1,4) evaluiert. Im geschützten Rahmen der Kleingruppe ermöglichten die Videoanalyse und das Feedback der SP einen konstruktiven Abgleich zwischen Selbsteinschätzung und Wirkung der praktischen und kommunikativen Handlungen. Die als sehr glaubhaft evaluierte Realitätsnähe führte zum (Wieder-)Erleben von Emotionalität und Mitgefühl. Diesbezüglich wurde deutlich, dass den Teilnehmenden der würdevolle Umgang mit den Betroffenen und der professionsunabhängige Austausch untereinander sehr wichtig sind. Der Praxisbezug dieser Trainingsstation wurde als sehr relevant gewertet. Aufgrund der positiven Gesamtevaluation der berufserfahrenen Teilnehmenden wird der Stellenwert interprofessioneller Kommunikationstrainings in der beruflichen Fortbildung sehr hoch eingeschätzt.

Diskussion: Der besondere Anspruch des Trainingsinhaltes berührte nicht nur die Teilnehmenden emotional. Das Angebot entlastender Gespräche für die SP sollte in der zeitlichen und personellen Projektplanung Berücksichtigung finden. Die gute Evaluation und Akzeptanz des Trainings durch im Berufsalltag eingebundene Teilnehmende bekräftigt die fachliche Empfehlung der Fortführung von interprofessionellen Kommunikationstrainings mit weiteren emotional belastenden geburtshilflichen Szenarien.


Literatur

1.
Ditz S. Betreuung von Frauen mit einer Totgeburt. Gynäkologe. 2001;34:212-219. DOI: 10.1007/s001290050706 Externer Link
2.
Klapp C. Psychosozialmedizinische Betreuung – Hilfestellung für Eltern und Angehörige. In: Toth B, edtior. Fehlgeburten Totgeburten Frühgeburten. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag; 2017. p.327-333.