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MIVOS – die Effekte von Mindestmengenregelungen in Krankenhäusern – Ergebnisse eines systematischen Reviews
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| Veröffentlicht: | 10. September 2024 |
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Hintergrund: Weltweit werden Mindestmengenregelungen (MmR) zur Zentralisierung von stationären Gesundheitsleistungen eingesetzt. Dieses systematische Review (SR) schließt die bislang vorhandene Lücke einer systematischen Evidenzsynthese zu den Effekten von MmR in Krankenhäusern. Das SR ist auf PROSPERO registriert (CRD42022318883).
Zielsetzung: In einer Vielzahl von Studien zu Volume-Outcome Beziehungen wurde für bestimmte medizinische Prozeduren nachgewiesen, dass ein Zusammenhang zwischen Behandlungsqualität und Fallzahl besteht. Daraus leitet sich die Frage ab, ob MmR, die aufgrund dieses Zusammenhangs in verschiedenen Ländern weltweit etabliert wurden, auch die seitens der Entscheidungsträger erwünschten Effekte erzielen und welche Auswirkungen sie darüber hinaus verzeichnen? Das Ziel unseres systematischen Reviews war folgend, die vorhandene Evidenz zu den Effekten von MmR in Krankenhäusern zu erfassen.
Methode: Wir berücksichtigten (Cluster-)randomisierte kontrollierte Studien, nicht-randomisierte kontrollierte Studien, kontrollierte Vorher-Nachher-Studien und unterbrochene Zeitreihenstudien. Wir durchsuchten MEDLINE (via PubMed), EMBASE (via Elsevier), CENTRAL (via Cochrane Library), CINAHL (via EBSCO), EconLIT (via EBSCO), PDQ Evidence for Informed Health Policymaking, Health Systems Evidence sowie Studienregister nach relevanten Studien, ergänzt durch citation tracking bis einschließlich Juni 2023. Es gab keine Beschränkungen bezüglich Sprache, Veröffentlichungsdatum oder -status. Wir verwendeten das ROBINS-I Tool zur Bewertung des Verzerrungsrisikos. Falls möglich wurden Studien durch Auto-Regressive Integrated Moving Average (ARIMA)-Modelle re-analysiert. Die Datensynthese erfolgte narrativ. Die Qualität der Evidenz wurde mithilfe der GRADE-Methodik (Grades of Recommendation, Assessment, Development and Evaluation) bewertet.
Ergebnisse: Neun Studien wurden in die Evidenzsynthese aufgenommen, wovon sechs re- analysiert wurden. Während die Fahrtzeiten einheitlich anstiegen und Komplikationsraten keine signifikanten Veränderungen zeigten, wurde in drei von vier Studien eine signifikante Verringerung der (operativen, 30-Tages- oder 6-Monate-) Sterblichkeit nach Einführung von MmR nachgewiesen. Das Verzerrungsrisiko war in zwei Studien „moderat“, in sieben Studien „schwerwiegend“. Die Qualität der Evidenz war für Re-Operationen, Komplikationen, Fahrtzeiten und Length of Stay niedrig, für Mortalität sehr niedrig.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: Es existieren zahlreiche Studien zu Volume-Outcome Zusammenhängen, jedoch nur wenige Studien zu den Auswirkungen von MmR mit robustem Studiendesign. Die Verwendung von ARIMA-Modellen zur Re-Analyse der Studien ermöglichte die Einbeziehung weiterer Forschungsergebnisse in das SR und somit einen umfassenderen Überblick über die Auswirkungen von MmR in Krankenhäusern. Obwohl einige Endpunkte, wie Fahrtzeiten und Komplikationen, konsistente Trends in mehreren Studien aufwiesen, ist eine wissenschaftlich fundierte abschließende Aussage zu den Effekten von MmR in Krankenhäusern auf Grund der Limitationen der einzelnen Studien zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
Förderung: Einzelförderung (BMG, DRV, BMBF, DFG, etc); Projektname: MIVOS – Die Effekte von Mindestmengenregelungen in Krankenhäusern; Fördernummer: 01KG2107
