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23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

24.09. - 27.09.2024, Potsdam

Effekte einer digitalen Intervention auf die Abstinenz bei Alkoholabhängigen in Deutschland: Zwischenergebnisse einer randomisierten, kontrollierten Pilotstudie

Meeting Abstract

  • Ria Heinrich - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland
  • Klaus Junghanns - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP), Lübeck, Deutschland
  • Julia Reutermann - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP), Lübeck, Deutschland
  • Mareike Geisler - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland
  • Susanne Kley - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland
  • Arne Weigenand - Drägerwerk AG Co. KGaA, Lübeck, Deutschland
  • Ulla Schöning - Drägerwerk AG Co. KGaA, Lübeck, Deutschland
  • Elke Allers - Drägerwerk AG Co. KGaA, Lübeck, Deutschland
  • Tonio Schoenfelder - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland; Technische Universität Dresden, Lehrstuhl Gesundheitswissenschaften/ Public Health, Dresden, Deutschland

23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF). Potsdam, 25.-27.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. Doc24dkvf356

doi: 10.3205/24dkvf356, urn:nbn:de:0183-24dkvf3568

Veröffentlicht: 10. September 2024

© 2024 Heinrich et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Hintergrund: Ca. drei Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren weisen in Deutschland eine alkoholbezogene Störung auf [1]. Trotz eines großen und ausdifferenzierten Therapieangebots stellt die hohe Rückfallquote eine zentrale Problematik in der Therapie alkoholbezogener Störungen dar [2]. Digitale Interventionen können bei dem Monitoring von Rückfällen sowie der Rückfallprävention unterstützen und zur Aufrechterhaltung der Abstinenz beitragen [3].

Zielsetzung: Die Pilotstudie untersucht den Effekt der digitalen Intervention „Dräger Companion med“ auf die Abstinenzerhaltung alkoholabhängiger Patient*innen. Die Behandlungseinheit besteht aus einem Atemalkohol-Testgerät und einer mobilen App.

Methode: Es wird eine randomisierte, kontrollierte Studie mit Erwachsenen mit diagnostizierter Alkoholabhängigkeit (ICD-10-code F10.2) in Deutschland durchgeführt. Die Interventionsgruppe (IG) erhält die digitale Intervention Dräger Companion med zusätzlich zur Standardversorgung, die Kontrollgruppe (KG) erhält ausschließlich die Standardversorgung. Primärer Endpunkt ist die selbstberichtete Alkoholabstinenz nach 6 Wochen (Trinktagebuch), sekundäre Endpunkte sind die objektiv gemessene Alkoholabstinenz (EtG, PEth im Blut), die Anzahl der trinkfreien Tage, Trinkmenge, gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL, SF-36), Selbstwirksamkeit (AASE-G) und körperliche Funktionsfähigkeit (1-MSTST+Borg-Skala). Die Datenerhebung erfolgt zu Baseline, nach 2, 4 und 6 Wochen. Außerdem werden Follow-Up-Erhebungen nach 3, 6 und 12 Monaten durchgeführt. Patient*innen, die aus der Studie ausscheiden, werden im Rahmen der Intention-to-treat Analyse als nicht abstinent gewertet. Das Signifikanzniveau wird auf 5% festgelegt.

Ergebnisse: Es wurde eine Zwischenauswertung mit n=30 Patient*innen (IG=13, KG=17) für den Erhebungszeitpunkt nach 6 Wochen durchgeführt. Das mittlere Alter der Patient*innen lag bei 49 Jahren. In den erhobenen Baseline-Charakteristika konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen IG und KG festgestellt werden. Die Drop-out Rate nach 6 Wochen lag insgesamt bei 50% und unterscheidet sich für IG (39%) und KG (59%). Die selbstberichtete Abstinenzquote lag in der IG bei 53,8% und in der KG bei 35,3%. Die objektiv gemessene Abstinenz wich für n=2 Patient*innen von der selbstberichteten ab; n=1 gab keine Blutprobe ab und für n=1 wurde die selbstberichtete Abstinenz durch die Messung widerlegt. Die Gruppenunterschiede waren nicht signifikant (p>0,05).

Implikation für Forschung und Versorgungs-Praxis: Die Zwischenergebnisse dieser Pilotstudie liefern erste Hinweise auf die Wirksamkeit der Dräger Companion med Intervention auf die Abstinenzerhaltung bei Alkoholabhängigen. In einer weiteren Auswertung sollten die Langzeiteffekte und die Ergebnisse in einer größeren Stichprobe untersucht werden.


Literatur

1.
Atzendorf J, Rauschert C, Seitz NN, Lochbühler K, Kraus L. Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten. Schätzungen zu Konsum und substanzbezogenen Störungen in Deutschland. Dtsch Arztebl. 2019;116:577-84. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0577 Externer Link
2.
Agarwalla PA, Kuchenhoff J. Abstinenz nach stationärer qualifizierter Entzugsbehandlung für Alkoholabhängige. SUCHT. 2017;63(1):25–32.
3.
Hämäläinen MD, Zetterström A, Winkvist M, Söderquist M, Karlberg E, Öhagen P, Andersson K, Nyberg F. Real-time Monitoring using a breathalyzer-based eHealth system can identify lapse/relapse patterns in alcohol use disorder Patients. Alcohol Alcohol. 2018 Jul 1;53(4):368-75. DOI: 10.1093/alcalc/agy011 Externer Link