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23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

24.09. - 27.09.2024, Potsdam

Wirksamkeit einer digitalen, auf kognitiver Verhaltenstherapie basierenden Anwendung bei Brustkrebspatientinnen: Eine randomisierte, kontrollierte Pilotstudie in Deutschland

Meeting Abstract

  • Ria Heinrich - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland
  • Georgia Schilling - Asklepios Nordseeklinik Westerland/Sylt, Sylt, Deutschland
  • Ewa Wojtyna - Universität Opole, Opole, Polen
  • Dirk Arnold - Asklepios Klinik Altona, Hamburg, Deutschland
  • Mareike Geisler - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland
  • Susanne Kley - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland
  • Piotr Grudzinski - PROSOMA GmbH, Berlin, Deutschland
  • Malgorzata Księżak - PROSOMA Sp. z o.o., Szczecin, Polen
  • Tonio Schoenfelder - WIG2 GmbH, Leipzig, Deutschland; Technische Universität Dresden, Lehrstuhl Gesundheitswissenschaften/ Public Health, Dresden, Deutschland

23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF). Potsdam, 25.-27.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. Doc24dkvf355

doi: 10.3205/24dkvf355, urn:nbn:de:0183-24dkvf3557

Veröffentlicht: 10. September 2024

© 2024 Heinrich et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Brustkrebs ist weltweit die häufigste Tumorerkrankung [1], die nicht nur Auswirkungen auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit hat [2]. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist ein wirksamer Ansatz zur Behandlung psychischer Belastungen und Störungen, der vielen Patientinnen u.a. aufgrund fehlender Therapieplätze, Skepsis gegenüber Psychotherapie oder Angst vor Stigmatisierung nicht zugänglich ist [3]. Digitale KVT-Anwendungen haben das Potenzial diese Versorgungslücke zu schließen.

Zielsetzung: Die Pilotstudie untersuchte den Effekt der mobilen KVT-basierten Anwendung Living Well in Kombination mit der Standardbehandlung im Vergleich zur Standardbehandlung allein auf die Endpunkte emotionaler Distress (Distress-Thermometer), Angst (HADS-A) und Depression (HADS-D), gesundheitsbezogene Lebensqualität (AQoL-8D) und Krankheitswahrnehmung (B-IPQ) bei Brustkrebspatientinnen nach 12 Wochen.

Methode: Die randomisierte (Interventionsgruppe (IG), Kontrollgruppe (KG) im Verhältnis 1:1), kontrollierte Studie schloss erwachsene Frauen mit primärem Brustkrebs (ICD-10-code C50) ein, die sich in laufender oder abgeschlossener onkologischer Behandlung befanden. Die Studienintervention bestand aus einer 12-wöchigen Nutzung der Living Well-App, die 22 KVT-Sitzungen beinhaltet. Die Daten wurden mittels Intention-to-treat-Analyse und verschiedener Sensitivitätsanalysen ausgewertet.

Ergebnisse: Es wurden 70 Teilnehmerinnen randomisiert (IG=32, KG=38), wovon 59 (84,3%) die Studie beendeten. Die IG wies im Vergleich zur KG nach 12 Wochen eine statistisch signifikante Verbesserung des HADS-A Scores (p=0,014; Cohens d=0,614), des AQoL-8D Scores (p=0,015; Cohens d=0,600) und des B-IPQ Scores (p=0,026; Cohens d=0,553) auf. Eine klinisch relevante Reduktion von 1,5 Skalenpunkten im Distress Thermometer konnte von der IG im Gegensatz zur KG nach 12 Wochen erreicht werden (IG= -1,56 (SD=2,21), KG= -0,42 (SD=2,72), p=0,057; Cohens d=0,456). Living Well zeigte keinen Effekt auf den HADS-D Score. Bei jüngeren Patientinnen und solchen mit länger zurückliegender Diagnose sowie jeweils hohen Baseline-Scores führte Living Well zu einer signifikanten und stärkeren Reduktion der HADS-A- und Distress-Scores im Vergleich zur gesamten IG.

Implikation für Forschung und Versorgungs-Praxis: Die Pilotstudie liefert erste Hinweise auf die potenzielle Wirkung von Living Well auf psychosoziale Belastung und Angst sowie auf die Lebensqualität und Krankheitswahrnehmung von Brustkrebspatientinnen. Vor allem jüngere Patientinnen, Patientinnen mit hohem Belastungsdruck durch Angst und Distress zu Baseline und einer länger zurückliegenden Diagnose profitieren von der Intervention. Für den Nachweis eines positiven Versorgungseffektes ist eine randomisierte kontrollierte Studie mit einer größeren Stichprobe geplant.


Literatur

1.
Sung H, Ferlay J, Siegel RL, Laversanne M, Soerjomataram I, Jemal A, Bray F. Global Cancer Statistics 2020: GLOBOCAN Estimates of Incidence and Mortality Worldwide for 36 Cancers in 185 Countries. CA Cancer J Clin. 2021 May;71(3):209-49. DOI: 10.3322/caac.21660 Externer Link
2.
Carreira H, Williams R, Funston G, Stanway S, Bhaskaran K. Associations between breast cancer survivorship and adverse mental health outcomes: A matched population-based cohort study in the United Kingdom. PLoS Med. 2021 Jan 7;18(1):e1003504. DOI: 10.1371/journal.pmed.1003504 Externer Link
3.
Coppini V, Ferraris G, Monzani D, Grasso R, Pravettoni G. Disparities and barriers in the assessment of psychological distress, access to and use of psycho-oncological support in Europe: current perspectives. Front Psychol. 2023 Sep 19;14:1252843. DOI: 10.3389/fpsyg.2023.1252843 Externer Link