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„Wir können hier nur das Körperliche machen“
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| Veröffentlicht: | 10. September 2024 |
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Gliederung
Text
Hintergrund: Die vom gemeinsamen Bundesausschuss mit einer Laufzeit von 4 Jahren geförderte SoKo-Studie (Somatische Versorgung von Patient*innen mit psychischer Komorbidität) hat zum Ziel, den aktuellen Stand der Versorgung sowie Förderfaktoren und Barrieren in der somatischen Versorgung von Menschen mit psychischer Komorbidität aus Sicht von Versorgenden und Patient*innen zu ermitteln.
Zielsetzung: Ein besonderer Fokus liegt auf dem Übergang an den Schnittstellen zwischen den somatischen und psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgungssektoren. Es wird angenommen, dass Übergangshindernisse an den Schnittstellen der Versorgungssektoren eine Barriere in der Versorgung dieser Patient*innen darstellen.
Methode: Die Fragestellung soll mit Hilfe von qualitativ und quantitativ erhobenen Querschnittsdaten von somatisch-psychiatrisch erkrankten Personen und niedergelassenen Haus- und Fachärzt*innen beantworten werden. Die qualitativen Analysen beruhen auf der Auswertung von
- 1.
- Einzelinterviews mit Patient*innen (n=49) und
- 2.
- Fokusgruppen mit Versorgenden (n=9). Darauf aufbauend wurden
- 3.
- eine quantitative Online-Befragungen mit betroffenen Patient*innen (n=2.590) sowie
- 4.
- eine Papier- und Online-basierte quantitative Befragung mit niedergelassenen Haus- und Fachärzt*innen (n=517) durchgeführt.
Die qualitativen Daten wurden inhaltsanalytisch nach Kuckartz ausgewertet. Für die quantitativen Daten wurden deskriptive und inferenzstatistische Analysen herangezogen.
Ergebnisse: Die Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Primärdatenerhebung bei Patient*innen zeigen, dass Betroffene eine ganzheitliche Versorgung wünschen, allerdings im Rahmen ihrer somatischen Versorgung nicht immer über ihre psychische Komorbidität aufklären. Zum Teil, da sie die zeitlichen Ressourcen der Versorgenden als zu gering einschätzen. Sie nehmen allerdings auch einen mangelnden Informationsfluss zwischen den (Fach-)Ärzt*innen wahr. Die Analyse der qualitativen und quantitativen Primärdaten der Versorgenden zeigt ebenfalls, dass (Fach-)Ärzt*innen Probleme an der Schnittstelle zwischen den psychiatrischen und somatischen Bereichen wahrnehmen und gleichzeitig ihre zeitlichen Ressourcen sowie die Vergütung als zu gering einschätzen, um den Bedarfen der psychisch-somatisch komorbiden Patient*innenklientel zu begegnen.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: Die Ergebnisse untermauern bekannte Probleme hinsichtlich der knappen Ressource Zeit im Versorgungsalltag sowie Schwierigkeiten auf Grund der Fragmentierung des deutschen Gesundheitssystems. Insbesondere bei somatisch erkrankten Patient*innen mit einer komorbiden psychischen Störung, sind Lösungen an der Schnittstelle der psychiatrisch-somatischen Versorgung notwendig. Digitale Lösungen und der Ausbau von multidisziplinären Versorgungszentren sollten in Betracht gezogen werden, um den Schnittstellenproblemen zu begegnen und eine ganzheitliche Versorgung zu fördern, ohne weitere zeitliche Ressourcen seitens der Versorgenden einzufordern.
Förderung: Innovationsfonds/Versorgungsforschung; Projektname: Die somatische Versorgung von Patient*innen mit psychischer Komorbidität; Fördernummer: 01VSF19052
