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Implementierungsprozesse innovativer Medizintechnologien im stationären Sektor
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| Veröffentlicht: | 10. September 2024 |
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Hintergrund: Die Versorgung mit innovativen Medizintechnologien stellt eine wichtige Triebfeder für Medizin und Wirtschaft dar. Die regulatorischen Anforderungen zur Inverkehrbringung dieser in das deutsche Gesundheitssystem über den stationären Sektor galten insbesondere bis zum Inkrafttreten der neuen Medizinprodukte-Verordnung im Jahr 2017 als niedrigschwellig. Diese Tatsache kann zu einer Verbreitung ineffektiver oder gesundheitsschädigender Technologien führen. Forschungen geben darüber hinaus Hinweise auf regionale Versorgungsunterschiede, die eine Fehlnutzung und Ineffizienz des Gesundheitssystems implizieren können. Der Prozess der Implementierung neuer Medizintechnologien im deutschen Gesundheitswesen ist bislang unzureichend untersucht.
Zielsetzung: Ziel der vorliegenden Forschungsarbeit ist es, die Adoptions- und Diffusionsmuster von über zwanzig innovativen Medizintechnologien im Laufe der Zeit genauer zu untersuchen. Dabei wird insbesondere auf die vorhandene wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit dieser Technologien Bezug genommen.
Methode: Die Forschungsarbeit stützt sich auf DRG-Abrechnungsdaten sowie zusätzliche Informationen auf krankenhausindividueller und regionaler Ebene. Darüber hinaus wurden systematisch alle verfügbaren Publikationen zu den untersuchten Technologien ausgewertet, um Aussagen über ihre Wirksamkeit und Sicherheit zu treffen. Die Analysen wurden unter anderem mithilfe eines Random-Effects-Modells, eines Linear-Probability-Modells, einer Multilevel-Regressionsanalyse und kartographischen Analysen durchgeführt. Die Bewertung der Adoptionskurvenverläufe basierte auf einer qualitativen Typologisierung und einem zweistufigen Clusteringverfahren.
Ergebnisse: Als Determinanten der Adoption und Diffusion wurden verschiedene organisatorische, umgebungsbezogene und innovationsbezogene Faktoren identifiziert. In einigen Fällen entspricht der Verbreitungsgrad der Technologien allerdings nicht dem wissenschaftlichen Stand zur Wirksamkeit und Sicherheit, sodass ein hohes Anwendungsrisiko besteht. Darüber hinaus wurden zum Teil erhebliche regionale Variationen in der Nutzung der Technologien identifiziert.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: Die identifizierten regionalen Versorgungsunterschiede der Nutzungsraten sowie bedenkliche Diffusionsmuster einiger innovativer Medizintechnologien stellen die Organisation sowie Effizienz des deutschen Gesundheitssystems infrage. Eine besondere Herausforderung besteht in der frühzeitigen Inverkehrbringung erfolgsversprechender Produkte, die mit abgesicherten Nachweisen zur Wirksamkeit, Sicherheit und zum Nutzen der Anwendung kollidiert. Eine gelungene Implementierung innovativer Medizintechnologien bedarf demnach einer anwendungsbegleitenden systematischen Evidenzgenerierung und einem stetigen Wissenstransfer in die Praxis. Hierbei bestehen Defizite, die mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse über Adoptions- und Diffusionsmuster adressiert werden können.
