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23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.

24.09. - 27.09.2024, Potsdam

Was kosten Register der Versorgungsforschung?

Meeting Abstract

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  • Jürgen Stausberg - Universitätsklinikum Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie undEpidemiologie, Essen, Deutschland
  • Sonja Harkener - Universitätsklinikum Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie undEpidemiologie, Essen, Deutschland
  • Martin Schönthaler - Universitätsklinikum Freiburg, Department Chirurgie, Klinik für Urologie, Freiburg im Breisgau, Deutschland

23. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF). Potsdam, 25.-27.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. Doc24dkvf226

doi: 10.3205/24dkvf226, urn:nbn:de:0183-24dkvf2265

Veröffentlicht: 10. September 2024

© 2024 Stausberg et al.
Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung). Lizenz-Angaben siehe http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.


Gliederung

Text

Hintergrund: Register sind für die Versorgungsforschung ein wichtiges Instrument zur Erkenntnisgewinnung. Je nach Auslegung der vom DNVF formulierten Definition kann mit mehreren Hundert bis über Tausend Registern in Deutschland gerechnet werden. Nur für die wenigen, gesetzlich definierten Register ist das Budget zu ihrem Betrieb nachzuvollziehen. Beim Transplantationsregister und bei den Krebsregistern handelt es sich um jährliche Festbeträge pro Fall. In der Literatur ist ein Zusammenhang zwischen der Fallzahl eines Registers und den Kosten pro Fall beschrieben [1], [2]. Eine Quantifizierung dieses Zusammenhangs würde sowohl Registerbetreibern als auch potentiellen Geldgebern eine Abschätzung des jährlichen Finanzbedarfs ermöglichen.

Zielsetzung: Überprüfung der Annahme eines Zusammenhangs zwischen jährlicher Fallzahl und Kosten pro Fall sowie Exploration einer Rechenregel für multizentrische Register.

Methode: Aus der Literatur wurden Fallkosten (2016/2017) mit Angaben zur Fallzahl (2014) von neun Krebsregistern der mit den USA verbundene pazifische Inseln (USAPI) herangezogen [2]. Die Geldbeträge wurden unter Ausgleich der Inflation in EURO umgerechnet. Öffentlich verfügbare Angaben zu sechs Projekten im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme zum „Aufbau modellhafter patientenbezogener Register für die Versorgungsforschung“ (REGISVF) dienten der Abbildung von deutschen Verhältnissen. Während die Kosten bei USAPI über eine Prozesskostenrechnung ermittelt wurden, entsprachen die Kosten bei REGISVF der Perspektive des Förderers zum Zeitpunkt der Bewilligung (2019). Auf Grund der Verteilung wurde die Beziehung zwischen Fallzahl als unabhängige und Kosten pro Fall als abhängige Variable mit dem Power-Regressionsmodell der Funktion CURVEFIT von IBM SPSS Statistics 28 beschrieben.

Ergebnisse: Bei USAPI lagen die jährlichen Kosten pro Fall zwischen 8.183 € (7 Fälle) und 550 € (67), bei REGISVF zwischen 2.414 € (200) und 11 € (10.000). Das mittlere jährliche Fördervolumen bei REGISVF betrug 525.238 € ± 262.012 € bei einem Median von 507.761 €. Für beide Gruppen ergab sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang im Power-Regressionsmodell mit einem R2 von 0,681 (p=0,006) für USAPI und 0,878 (p=0,006) für REGISVF. Die Abweichungen der geschätzten von den berechneten Kosten pro Fall lagen im Mittel bei 25,9% (REGISVF) und 54,8% (USAPI).

Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: Der Zusammenhang zwischen der Fallzahl und den Kosten pro Fall ließ sich für zwei beispielhafte Gruppen von Registern mit dem Power-Regressionsmodell erfolgreich beschreiben. u.a. durch einen Ausreißer bei REGISVF mit angesetzten Fallkosten von nur 11 € waren die ermittelten Parameter allerdings für eine Verallgemeinerung nicht verwertbar. Wir schlagen daher als ersten Ansatz Formel 1 für die Abschätzung des jährlichen Budgets eines Registers der Versorgungsforschung vor. Für REGISVF würde die Abweichung vom Gesamtbudget pro Jahr unter der Annahme eines Fallgelds von 50 € und bei Ausschluss des Ausreißers nur 5% betragen.

Jahresbudget= (150.000 € x Fallzahl – 0,8 +Fallgeld) x Fallzahl

Förderung: Einzelförderung (BMG, DRV, BMBF, DFG, etc); Fördernummer: 01GY1902, 01GY1917B


Literatur

1.
Subramanian S, Tangka FK, Beebe MC, Trebino D, Weir HK, Babcock F. The cost of cancer registry operations: Impact of volume on cost per case for core and enhanced registry activities. Eval Program Plann. 2016 Apr;55:1-8. DOI: 10.1016/j.evalprogplan.2015.11.005 Externer Link
2.
Edwards P, Buenconsejo-Lum LE, Tangka FKL, Jeong Y, Baksa J, Pordell P, Saraiya M, Subramanian S. Costs and Resources Used by Population-based Cancer Registries in the US-Affiliated Pacific Islands. Hawaii J Health Soc Welf. 2020 Jun 1;79(6 Suppl 2):89-98.