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Kopfverletzungen im Profifußball – Vergleich von Videoanalyse mit Unfallmeldungsdaten
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Veröffentlicht: | 26. Oktober 2021 |
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Fragestellung: Videoanalysen sind häufig genutzte Formen zur Untersuchung von Verletzungen im Fußball. Diese Studie untersuchte die Genauigkeit der Videoanalyse für die Darstellung von Kopfverletzungen im Profifußball.
Methodik: In einer Kohortenstudie wurden die offiziellen Spiele über eine Saison in den 4 höchsten Spielklassen des männlichen Profifußballs in Deutschland untersucht (1.+2. Bundesliga, 3. Liga, Regionalliga Bayern). Nach Registrierung der Kopfverletzungen in der Videoanalyse, die nach internationalen Standards (Andersen et al. 2004) durchgeführt wurde, erfolgte der Abgleich der Kopfverletzungen mit den gemeldeten Verletzungen bei der nationalen Unfallversicherung für den Profifußball (VBG).
Ergebnisse: Die Videoanalyse ermittelte 359 Kopfverletzungen bei 287 Spielern der 4 Ligen über 1 Saison hinweg. Nur 83 von 359 Kopfverletzungen (23,1%; range: 7,0-30,8%) wurden durch die Meldung bei der Unfallversicherung bestätigt. Alle bei der Unfallversicherung gemeldeten Kopfverletzungen wurden auch in der Videoanalyse erkannt, es gab keine nicht registrierte Kopfverletzung. Von den 83 bestätigten Kopfverletzungen waren 43,4% lediglich Kopfprellungen, 19,3% waren Knochenbrüche und 18,1% waren Hautverletzungen. 66 von 83 Verletzungen (79,5%) resultierten in einer Abwesenheit von mindestens einem Teamtraining. Die mittlere Ausfallzeit war 18,5 Tage (range: 1-87 Tage).
Fazit: Die Videoanalyse zeigt in Bezug auf Kopfverletzungen eine sehr gute Sensitivität, welches in dieser Studie durch den Vergleich mit dem Melderegister der Verwaltungsberufsgenossenschaft bestätigt wurde. Der deutliche Unterschied zwischen den beiden Analyseformen deutet einerseits darauf hin, dass die Videoanalyse auch viele kleinere nicht-symptomatische Kopfverletzungen registriert, die keine medizinische Behandlung oder Sportpause notwendig machen. Andererseits könnte dieser Tatsache auch zugrunde liegen, dass nicht alle auf dem Spielfeld entstandenen und in der Videoanalyse registrierten relevanten Kopfverletzungen der VBG gemeldet werden und diese aufgrund der typischen schwierigien klinischen Diagnostik nicht erkannt werden.