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172. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

29.01. - 30.01.2010, Bonn

Verbesserung von Kopfhebungs- oder Senkungszwangshaltungen bei Nystagmuspatienten durch Operationen nach dem Kestenbaum-Prinzip

Meeting Abstract

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  • Andrea M. Schild - Zentrum für Augenheilkunde, Universität zu Köln
  • J. Fricke - Zentrum für Augenheilkunde, Universität zu Köln
  • A. Neugebauer - Zentrum für Augenheilkunde, Universität zu Köln

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte. 172. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte. Bonn, 29.-30.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10rwa74

DOI: 10.3205/10rwa74, URN: urn:nbn:de:0183-10rwa749

Published: March 10, 2010

© 2010 Schild et al.
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Hintergrund: Operationen zur Nystagmusberuhigung nach dem Kestenbaum-Prinzip dienen der symmetrischen Lageveränderung beider Augen zur Verlagerung der Neutralzone in Primärposition. Beim frühkindlichen Nystagmus überwiegen lateralisierte Neutralzonen. Seltener werden Operationen zur Reduktion von Hebungs- oder Senkungszwangshaltungen des Kopfes durchgeführt. Wir berichten über Indikation und Ergebnisse von 8 nach dem Kestenbaumprinzip zur Reduktion einer Senkungs- oder Hebungszwangshaltung durchgeführten Eingriffen.

Methoden: In einer retrospektiven Studie wurden die Befunde von 8 im Zeitraum von 2001 bis 2007 konsekutiv an der Universitätsaugenklinik Köln behandelten Patienten mit frühkindlichem Nystagmus analysiert (mittleres Alter der Patienten 8,6 +/- 4,0 Jahre). In 3 Fällen war aufgrund einer Kopfhebungs-, in 5 Fällen wegen einer Kopfsenkungszwangshaltung analog zum Kestenbaum-Prinzip operiert worden. Die vertikalen geraden Augenmuskeln wurden blickverlagernd bds. symmetrisch zwischen 6 und 7 mm zurückgelagert bzw. gefaltet, die resultierende Zyklodeviation wurde mit einem Eingriff an den Mm obliqui superiores (Faltung bei Kinnsenkung, Rücklagerung bei Kinnhebung, Strecken zwischen 6 und 8 mm) reduziert.

Ergebnisse: Bei 7 von 8 Patienten konnte die vertikale Kopfzwangshaltung auf unter 10° verbessert werden. Bei den Kinnsenkern zeigte sich eine Reduktion auf keine bis maximal 20° Senkung in einem Fall (präoperativ 20° bis 35°); bei den Kinnhebern auf maximal 8° Hebung (präoperativ 30° bis 35°). In einem Fall kam es bei aufgehobener Senkung zu einer Linksdrehung bis maximal 20°, in einem weiteren Fall mit Resthebung von 8° zu weiteren 15° Rechtsdrehung. Die postoperative Binokularfunktion war in allen Fällen gleich oder besser.

Schlussfolgerungen: Bei Nystagmus mit Hebungs- oder Senkungszwangshaltung kann durch Augenmuskelchirurgie nach dem Prinzip der Parallelverschiebung beider Augen eine Verbesserung der Zwangshaltung erreicht werden. Die einzeitige Kompensation der induzierten Zyklotropie durch bilaterale Chirurgie am Musculus obliquus superior ist möglich.