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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Belastet Homemonitoring chronisch kranke Patienten?

Meeting Abstract

  • Clemens Jürgens - Universitätsaugenklinik Greifswald, Greifswald
  • Rico Großjohann - Universitätsaugenklinik, Greifswald
  • Susanna Antal - Lehrstuhl für Allgemeine Universitätsaugenklinik, Greifswald
  • Claudia Meinke - Institut für Community Medicine, Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health, Universität Greifswald, Greifswald
  • Frank Tost - Universitätsaugenklinik, Greifswald

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds204

DOI: 10.3205/09gmds204, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds2048

Published: September 2, 2009

© 2009 Jürgens et al.
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Text

Hintergrund: Homemonitoring führt durch seine vielfältigen technischen Möglichkeiten zu einer engmaschigen und intensiven Überwachungssituation des Patienten. Dieses kann sich für den behandelnden Arzt als auch für den Patienten als positiv erweisen, weil es neue Wege für eine individuell angepasste Behandlungsoptimierung eröffnet. Allerdings entsteht für den Patienten eine völlig neue Betreuungssituation, welche die Gefahr birgt, einen bereits bestehenden Leidensdruck zusätzlich noch zu verstärken und damit die Lebensqualität der betroffenen Patienten zu beeinträchtigen.

Material und Methoden: Während eines Homemonitoring – Programms für Glaukompatienten [1] führten wir eine standardisierte Patientenbefragung bei 120 Teilnehmern zu drei verschiedenen Zeitpunkten durch. Die Glaukompatienten waren anlässlich der Eingangsuntersuchung, einer Zwischenuntersuchung und während der Abschlussuntersuchung unter Anwendung des SF-36 (The Medical Outcomes Study Short Form-36) Fragebogens [2] um ihre individuelle Einschätzung ihrer persönlichen Lebenssituation gebeten worden. Der SF-36 ist ein weltweit anerkanntes Messinstrument zur Erfassung des individuellen Gesundheitszustandes.

Ergebnisse: Die Befragung von Glaukompatienten während des Homemonitoringprogrammes wurde zu drei verschiedenen Zeitpunkten durchgeführt. Die Rücklaufquote betrug 71%. Obwohl beim Homemonitoring häufiger therapierelevante Schwankungen des Augeninnendrucks [3] und zusätzlich auch Fehlmessungen auftraten, gaben die Probanden bei der Befragung nach ihrer Gesundheit keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes an, wie die Entwicklung der psychischen und der körperlichen Summenskalen über die Projektlaufzeit von einem Jahr erkennen lässt.

Schlussfolgerungen: Homemonitoring stellt ein innovatives Versorgungskonzept dar, für das adäquate Rahmenbedingungen sowohl für den behandelnden Arzt als auch für den zu betreuenden Patienten geschaffen werden müssen. Die bloße Bereitstellung der technischen Infrastruktur ist dabei unzureichend, vielmehr wird in besonderem Maße die simultane Etablierung organisatorischer Strukturen benötigt, die ein Arzt-Patienten-Verhältnis basierend auf den Erfahrungen aus der Regelversorgung ermöglichen. Wird das Homemonitoring unter Einbeziehung der Arzt-Patienten Erfahrung weiter entwickelt, läuft es keine Gefahr, den telemedizinisch betreuten Patienten zu belasten.


Literatur

1.
Jürgens C, Tost F. Fortschritte in der geriatrischen Betreuung durch Telemedizin. Ophthalmologe. 2006;103:749–54.
2.
Ware JE, Gandek B. Overview of the SF-36 health survey and the international quality of life assessment (IQOLA) project. J Clin Epidemiol. 1998;51:903-12.
3.
Jürgens C, Antal S, Henrici K, Großjohann R, Tost F. Fluktuationen des intraokularen Augendrucks – ein intraindividueller Vergleich zwischen 24-Stunden-Teletonometrie-Monitoring und ambulanter Augendruckmessung. Klin Monatsbl Augenheilkd. 2009;226:54-9.