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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Workshop "Impact der Medizinischen Informatik" - Einführung

Meeting Abstract

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  • Klaus Pommerening - Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds202

DOI: 10.3205/09gmds202, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds2022

Published: September 2, 2009

© 2009 Pommerening.
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Die Medizinische Informatik (MI) ist - wie die Informatik selbst – ein noch sehr junges Fachgebiet. Viele ihrer Entwicklungen sind noch nicht im historischen Kontext aufgearbeitet. Insbesondere ist oft nicht allgemein bekannt, welche Entwicklungen der Informatik in der Vergangenheit aus dem medizinischen Anwendungsbereich angestoßen wurden. Sinn dieser retrospektiven Aufarbeitung ist, die Sichtbarkeit des Fachgebietes MI in der Informatik zu verbessern.

Die MI ist eine anwendungsorientierte Disziplin: Sie unterstützt die Anpassung und Anwendung von Lösungen der Informatik im medizinischen Bereich und entwickelt dabei auch oft eigenständige Methoden. Sie wirkt somit vielfältig auf die Informatik zurück und führt dort oft durch Abstraktion und Verallgemeinerung zu neuen Ideen und Methoden. Dieser Impact kann ganze Fachgebiete betreffen, die zu wesentlichen Teilen im Rahmen der MI entwickelt wurden. Als besonders prominente Beispiele werden im Workshop die Bereiche Bildverarbeitung, Unterstützung medizinischer Prozesse, Klassifikationen und Terminologien sowie Datenschutz-unterstützende Techniken behandelt. Ausgelassen wird der große Bereich der Bioinformatik.

Eine Besonderheit der MI im Vergleich zu anderen anwendungsorientierten Ausrichtungen der Informatik ist die Nähe zu den "Nachbarfächern" Medizinische Biometrie (oder Biostatistik) und Epidemiologie, den Fächern, die aus der klassischen "medizinischen Statistik" hervorgegangen sind. Diese hat eine Jahrzehnte alte Tradition in der Qualitätssicherung der Datenverarbeitung, die in anderen Teilen der Informatik oft ignoriert wurde und sich erst langsam durchsetzt. Solche methodischen Impulse sind:

  • saubere Modellierung des Anwendungsbereichs vor der Datensammlung,
  • klare Hypothesenbildung vor der Datensammlung,
  • hohe Datenqualität: Aus wenigen, sorgfältig geprüften Daten lassen sich wesentlich aussagefähigere Schlüsse ziehen als aus einer umfangreichen rohen Datensammlung,
  • systematische Evaluation von Methoden und Verfahren, nicht nur vor, sondern auch während und nach der Einführung,
  • "gute Praxis" – systematisches Vorgehen nach definierten Leitlinien und Qualitätskriterien.

Der methodische Einfluss der MI und ihrer Nachbarfächer auf die Medizin ist von mindestens ebenso großer Bedeutung, aber nicht Gegenstand dieses Workshops; als Beispiel sei hier der Bereich der Modellierung und Simulation genannt.