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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Strukturierte, evidenzbasierte Befundanalyse in fachbereichsübergreifenden Arztnetzwerken

Meeting Abstract

  • A. Parasta - Epitop medical GmbH, Garching bei München
  • A. M. Parasta - Augenzentrum München, München
  • M. Eidam - Epitop medical GmbH, Garching bei München
  • D. Nikmond - Epitop medical GmbH, Garching bei München

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds198

DOI: 10.3205/09gmds198, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds1980

Published: September 2, 2009

© 2009 Parasta et al.
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Text

Einleitung und Fragestellung: Die Erkennung von Herz-Kreislauf Risiken berücksichtigt Parameter unterschiedlicher Disziplinen. Diese entstammen u.a. der Anamnese, bildgebenden Verfahren sowie ausgewählten Biosignalen (EKG). Die Risikobeurteilung und Therapie erfolgen häufig subjektiv anhand einzelner fachbereichstypischer Messwerte ohne ausreichende Berücksichtigung interdisziplinärer Aspekte. In dem hier vorgestellten Netzwerkprojekt wurden in 25 Einzelnetzwerken risikorelevante Daten fachübergreifend erhoben mit Hilfe einer Evidenzanalyse gewichtet und für den Patienten individuell ausgewertet.

Material und Methoden: Genutzt wurden aus Routinedaten der Netzwerkteilnehmer 82 Einzelwerte aus der Anamnese, ein Netzhautscan, eine quantifizierende Beurteilung der Carotiden, sowie ein mathematisches Verfahren, die eine EKG Routineaufzeichnung auf schlaganfallassoziierte Rhythmusvarianzen prüft. Involviert waren in 4 Anwenderinstanzen aufgeteilte Einrichtungen, externe Diagnostik- und Befundungszentren sowie ein Advisoryboard welches die Diagnostikqualität prüfte. Zur einheitlichen Bildbefundung wurde das Computer assistierende Befundungssystem EM.PACS eingesetzt welches neben der deskriptiven Bildbeurteilung eine leitlinienbasierte, strukturierte Befundung zulässt um automatisierte Datenverarbeitung zu vereinfachen.

Die komplexen interdisziplinären Abläufe wurden durch die sektor- Patientenakte EM.FILE mit inkludierten Workflows transparent gestaltet.

Ergebnisse: In den letzten 2 Jahren wurde mit einer Auswahl eingeschlossener Einrichtungen (n=248) 25.798 Untersuchungen durchgeführt. Hiervon wurden 87% der Fälle von externen Befundungszentren (n=16) im Auftrag der behandelnden Praxen zweitbefundet, 6.187 Untersuchungen wurden vom Advisoryboard ergänzend beurteilt. Insgesamt wurden 773.940 Netzwerktransaktionen bei einem technischen Betreuungsaufwand von 48 Manntagen absolviert. Mit der Unterteilung komplexer Netzwerkprozesse in einfachen Aufgabenlisten wurde die erforderliche Akzeptanz bei den Anwendern erreicht. Dank netzwerkinterner Qualitätsrichtlinien wurden trotz der breiten Teilnehmerauswahl vergleichbare Ergebnisse mit leitenden Studien erreicht, die unter Studienbedingungen in geschlossenen Zentren durchgeführt wurden. Ein spürbarer und reflektierter Nutzen wurde insbesondere durch die Bündelung der einrichtungsübergreifenden Daten und der Koppelung der hinterlegten medizinischen Leitlinien erreicht.

Diskussion: Komplexe, interdisziplinäre Befundkonstellationen, wie sie technisch in der Früherkennung generierbar sind, bedürfen weiterer Bemühungen um allen Befundaspekte zu begegnen. Das beschriebene Konzept eröffnet neue Ansätze der individualisierten Therapien auf Basis klinischer Routinedaten. Weitergehende Studien fokussieren neben Usabilityanalysen neue interdisziplinäre Risikoindikatoren.


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