gms | German Medical Science

54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Sozioökonomischer Status und Inzidenz des Typ 2-Diabetes in der älteren Bevölkerung: KORA S4 / F4 Kohortenstudie (Augsburg)

Meeting Abstract

  • Bernd Kowall - Deutsches Diabetes Zentrum, Düsseldorf
  • Wolfgang Rathmann - Deutsches Diabetes Zentrum, Düsseldorf
  • Klaus Strassburger - Deutsches Diabetes Zentrum, Düsseldorf
  • Christa Meisinger - Helmholtz Zentrum München, Neuherberg
  • Rolf Holle - Helmholtz Zentrum München, Neuherberg
  • Andreas Mielck - Helmholtz Zentrum München, Neuherberg

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds023

DOI: 10.3205/09gmds023, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds0235

Published: September 2, 2009

© 2009 Kowall et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Ziel: Es sollte untersucht werden, ob sich der inverse Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status (SES) und der Inzidenz des Typ 2-Diabetes, der vor allem für Populationen jüngeren und mittleren Alters berichtet wurde, auch bei älteren Menschen findet.

Methodik: In einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im Raum Augsburg (1202 Probanden im Alter von 55–74 Jahre ohne Diabetes zur Basisuntersuchung 1999/2001 , 887 Probanden (74%) im 7 Jahres-Follow-up) nahmen die Probanden bei Studienbeginn an einem oralen Glukosetoleranztest (OGTT) teil. Diabetesneuerkrankungen wurden durch validierte ärztliche Diagnosen bzw. einen weiteren OGTT im Follow-up festgestellt. Getrennt für Männer und Frauen, wurden logistische Regressionsmodelle mit dem SES als zentrale Einflussgröße und der Diabetes- bzw. Prädiabetesinzidenz als Zielgrößen gerechnet.

Ergebnisse: Auch mit unterschiedlichen SES-Maßen (globaler Helmert-Index, Einkommen, Bildung, beruflicher Status, subjektiver Sozialstatus) wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem SES und der Diabetesinzidenz gefunden (z.B. kumulative Inzidenzen bei Männern: 12% (untere Schicht), 13 % (mittlere Schicht), 15% (obere Schicht)). Für den Zusammenhang zwischen dem SES und der Inzidenz von Prädiabetes (abnorme Nüchternglukose, gestörte Glukosetoleranz) wurden für die untere Schicht erhöhte, aber nicht signifikante Odds Ratios gefunden. Probanden, die im Follow-up einen Diabetes entwickelten, hatten zu Studienbeginn ein ungünstigeres metabolisches Risikofaktorprofil (erhöhte Glukosewerte, niedrigere Adiponektinspiegel, Hyperlipidämie, Hyperurikämie).

Schlussfolgerungen: In einer Kohorte von 55–74Jährigen wurde kein Zusammenhang zwischen dem SES und der Diabetesinzidenz gefunden. Zwei Erklärungen bieten sich an: Zum einen die recht große soziale Homogenität der Studienpopulation. Zum anderen ist zu vermuten, dass bei den Probanden mit späterer Diabetesinzidenz schon beim S4-Survey (d.h. beim Start des Follow-Up Zeitraums) durch ein ungünstigeres metabolisches Risikoprofil der Weg zum Diabetes so weit gebahnt war, dass der SES bis zum F4-Survey (d.h. bis zum Ende des Follow-Up Zeitraums) keinen weiteren Einfluss auf das Krankheitsgeschehen mehr ausübt.