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EbM & Individualisierte Medizin
12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

24.03. - 26.03.2011, Berlin

Individuelle Diagnostik: zum Zusatznutzen von Proteomanalysen zur Diagnose des Prostatakarzinoms

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Monika Nothacker - Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Berlin, Deutschland
  • Dana Rütters - Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Berlin, Deutschland
  • Susanne Weinbrenner - Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Berlin, Deutschland
  • Günter Ollenschläger - Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Berlin, Deutschland

EbM & Individualisierte Medizin. 12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 24.-26.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ebm29

DOI: 10.3205/11ebm29, URN: urn:nbn:de:0183-11ebm298

Published: March 23, 2011

© 2011 Nothacker et al.
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Text

Hintergrund: Die gängigen Diagnoseverfahren für das Prostatakarzinom weisen eine ungenügende diagnostische Sicherheit auf. Insbesondere um bei erhöhtem PSA-Wert unnötige Biopsien zu vermeiden, werden spezifische Biomarker erforscht. Für die Diagnosesicherung wird bereits ein Biomarker-Urintest kommerziell angeboten. Zur Abschätzung des Karzinomrisikos wird eine Proteomanalyse mittels Kapillarelektrophorese gekoppelt mit einer Technik der Massenspektrometrie durchgeführt. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie beauftragte das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin, eine systematische Literaturrecherche zu Proteomanalysen für die Diagnosesicherung des Prostatakarzinoms durchzuführen und zu bewerten, ob die Proteomanalyse mit der genannten Technik ausreichend validiert ist und einen Gewinn an diagnostischer Sicherheit bringt.

Material/Methoden: Es erfolgte eine systematische Literaturrecherche in Medline und den Datenbanken der Cochrane Library bis 12/2009. Abstracts und Volltexte wurden nach prospektiv definierten Kriterien eingeschlossen. Volltexte wurden methodisch bewertet und in Evidenztabellen extrahiert. Die Ergebnisse wurden methodisch und inhaltlich diskutiert.

Ergebnisse: 6 Studien erfüllten die Ein- und Ausschlusskriterien. Nur eine dieser Studien war als Validierungsstudie einzustufen. In dieser wurde die genannte Technik der Kapillarelektrophorese eingesetzt. Sensitivität und Spezifität lagen bei 73% und 60%, durch Anwendung eines nicht evaluierten Nomogramms konnte eine Sensitivität von 90% und eine Spezifität von 61% erreicht werden. Die Studie wies methodische Mängel im Hinblick auf Probengewinnung und Auswertung auf. Weitere explorative Studien zu Urinproteomanalysen sowie 2 Studien zu Serumproteomanalysen zeigten eine höhere Sensitivität und Spezifität.

Schlussfolgerung/Implikation: Die Urinproteomanalyse mittels Kapillarelektrophorese ist für den Einsatz in der klinischen Routine nicht als ausreichend gesichert einzustufen. Weitere Validierungsstudien sind erforderlich. Dabei sollten die verschiedenen Techniken der Proteomanalyse außer zu Testgüteparametern im Hinblick darauf vergleichend geprüft werden, ob die Anzahl unnötiger Biopsien zuverlässig gesenkt werden kann. Vor Marktzulassung sind generell methodisch hochwertige Validierungsstudien für diagnostische Tests zu fordern.