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29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

21.09. - 23.09.2012, Bonn

Prävalenz, Diagnostik und Therapie von Tinnitus bei Cochlear Implant-Patienten

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Frank Engel - BwZK, Koblenz, Deutschland
  • Stefan Saul - Becker-Hörakustik, Koblenz, Deutschland
  • Yvonne Stelzig - BwZK, Koblenz, Deutschland
  • author Roland Jacob - BwZK, Koblenz, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 29. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). Bonn, 21.-23.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgppV48

DOI: 10.3205/12dgpp84, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpp843

Published: September 6, 2012

© 2012 Engel et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Patienten mit höhergradiger Schwerhörigkeit berichten häufig vor und/oder nach der Cochlear Implant(CI)-Operation über Tinnitus verschiedener Schweregrade. Ziel der Untersuchung ist die Evaluation der Tinnitusprävalenz bei CI-Patienten, dessen Diagnostik und die Entwicklung von speziellen Therapiestrategien für diese Patientengruppe.

Material und Methoden: Rund 50 CI-Patienten wurden vor und nach der Implantation mittels des Tinnitus-Handicap-Inventory und des Strukturierten Tinnitus-Interviews befragt. Der Schweregrad des Tinnitus und seine Entwicklung im Laufe der CI-Therapie wurden beobachtet. Therapiestrategien zur Bewältigung des Tinnitus, speziell für CI-Patienten, wurden entwickelt.

Ergebnisse: Die Tinnitusprävalenz in unserem Patientengut ist deutlich niedriger als in vergleichbaren Publikationen. Der häufig beobachtete Effekt, dass der Tinnitus nach CI-Implantation abnimmt, wird bestätigt, ist bei einigen Patienten jedoch nur vorübergehend zu beobachten. Spezielle Programmierstrategien des CI für Tinnituspatienten wurden erprobt.

Diskussion: Die Tinnitusprävalenz und dessen Schweregrad sind bei CI-Patienten niedriger ausgeprägt als häufig vermutet. Die CI-Implantation bringt bei vielen Patienten eine deutliche Besserung des Tinnitusleidens. Offenbar ist dieser Effekt teilweise vorübergehend. Spezielle Programmierstrategien sind ein Ausblick, um in Zukunft Tinnitus bei CI-Patienten noch besser behandeln zu können.


Text

Einleitung

Patienten mit höhergradiger Schwerhörigkeit berichten häufig vor und/oder nach Cochlear Implant (CI)-Versorgung über einen Tinnitus verschiedener Schweregrade. Meist findet sich ein Tinnitus Grad 1 oder 2 nach THI (Tinnitus Handicap Inventory).

Ziel der Untersuchung ist die Evaluation der Tinnitusprävalenz bei CI-Patienten, dessen Diagnostik und die Entwicklung von speziellen Therapiestrategien für diese Patientengruppe.

Methoden

Rund 50 CI-Patienten wurden vor und nach der Implantation eines CI mittels THI und des strukturierten Tinnitus Interviews (STI) befragt. Der Schweregrad des Tinnitus und seine Entwicklung im Laufe der CI-Therapie wurden beobachtet. Therapiestrategien zur Bewältigung des Tinnitus, speziell für CI-Patienten, wurden erprobt und entwickelt.

Ergebnisse

Die Tinnitusprävalenz in unserem Patientengut ist deutlich niedriger als in vergleichbaren Publikationen. Gleiches gilt für den beobachteten Schweregrad des Leidens. Der häufig beobachtete Effekt, dass der Tinnitus nach CI-Implantation abnimmt, wird bestätigt, ist bei einigen Patienten jedoch nur vorübergehend zu beobachten.

Spezielle Programmierstrategien wurden erprobt, um Tinnitus bei CI-Patienten besser behandeln zu können. Zum Einsatz kam das Anheben der Lautheit aller Frequenzbereiche, das Anheben des Niedrigfrequenzbereiches, das Anheben des Hochfrequenzbereiches.

Diskussion

Auch wenn unseren Ergebnissen zu Folge eine niedrigere Tinnitusprävalenz und -intensität vorliegt als in vergleichbaren Publikationen, so ist dennoch bei den betroffenen Patienten ein erheblicher Therapiebedarf festzustellen.

Spezielle Programmierstrategien des CI, vor allem das Anheben der apikalen Lautheiten, scheinen ein erfolgversprechender Ansatz zur Besserung des Tinnitus bei CI-implantierten Patienten zu sein.