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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin (NKLM) für Deutschland: Zusammenarbeit der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) und des Medizinischen Fakultätentages (MFT)

National Competence-Based Learning Objectives for Undergraduate Medical Education (NKLM) in Germany: Cooperation of the Association for Medical Education (GMA) and the Association of Medical Faculties in Germany (MFT)

Leitartikel/Editorial

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  • corresponding author Eckhart G. Hahn - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Universitätsklinikum Erlangen, Medizinische Klinik 1, Erlangen, Deutschland
  • corresponding author Martin R. Fischer - Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Lehrstuhl für Didaktik und Bildungforschung im Gesundheitswesen (IDGB), Witten, Deutschland

GMS Z Med Ausbild 2009;26(3):Doc35

doi: 10.3205/zma000627, urn:nbn:de:0183-zma0006277

Received: August 12, 2009
Revised: August 13, 2009
Accepted: August 13, 2009
Published: August 17, 2009

© 2009 Hahn et al.
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Abstract

The Framework for Qualifications of the European Higher Education Area (FQ-EHEA; Bologna Process) and the European Qualifications Framework for Lifelong Learning (EQF-LLL; Lisbon Process) are competence-driven frameworks for vocational and higher education programmes in need for defined learning objectives. In the field of medical education, The Netherlands and Switzerland have developed national catalogues for undergraduate medical training, which are competence-based and compatible with a two-cycle curriculum comprised of a Bachelor in Medicine and a Master in Medicine. In Germany, virtually all medical organizations, last not least the Association of Medical Faculties (MFT), have voted against the application of the two-cycle (and the three-cycle) curriculum to medical undergraduate education. A standstill of the European processes will not be accepted in the political arena, and a proposition was made by the Conference of German Ministers of Higher Education to develop a medical qualification framework for Germany, asking the Association for Medical Education (GMA) and the MFT to join forces. This is not possible without consented national learning objectives derived from the professional context of physicians. The GMA has teamed up with the MFT to develop National Competence-Based Learning Objectives for Undergraduate Medical Education (NKLM) in Germany (see Figure 1[Fig. 1]) to fulfill these needs.


Der Hintergrund

Nachdem der Wissenschaftsrat Empfehlungen zur Verbesserung von Lehre und Studium (für Deutschland) veröffentlicht hatte [1], stellte sich die Frage nach der Bedeutung dieser Empfehlungen für die Hochschulmedizin. Einer der Autoren hat diese Empfehlungen unter diesem Gesichtspunkt analysiert und Vorschläge der GMA dazu formuliert [2]. Parallel dazu lief die intensive und bisweilen irrationale Debatte über den Bologna-Prozess in der medizinischen Ausbildung, insbesondere über die Einführung eines zweistufigen oder dreistufigen Studiengangs wie in den Niederlanden oder in der Schweiz. Die Auseinandersetzung über den „Bachelor in Medicine (BM)“ hat zu einer inzwischen fast einvernehmlichen Ablehnung durch die zuständigen ärztlichen Gruppierungen und der ärztlichen Selbstverwaltung in Deutschland geführt. Die GMA hat in ihrem Positionspapier zu diesem Thema nach sorgfältiger Prüfung der Chancen und Risiken Voraussetzungen für die Einführung eines BA/MA-Curriculums in der Medizin publiziert, die zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland nicht erfüllt sind [3]. Gleichwohl hat das Bologna-Konsortium bei seinem letzten Treffen in Leuven/Louvain im April 2009 Prioritäten bis 2020 formuliert, die eine Kontinuität mit Zustimmung der Deutschen Partner erwarten lassen [4]. Auch die Kultusministerkonferenz in Deutschland geht weiter davon aus, dass der mehrstufige Studiengang auf die Staatsexamensfächer (Lehramt, Recht, Medizin) übertragen werden wird. Überlagert wird dies durch die Entwicklung der Deutschen Version der aus dem Lissabon-Prozess entstandenen EU-Direktive „European Qualifications Framework for Lifelong Learning (EQF-LLL)“ vom Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR), in dem alle Berufs- und Hochschulabschlüsse acht ansteigenden Kompetenzebenen zugeordnet werden sollen. Dabei soll das „Framework for Qualifications of the European Higher Education Area (FQ-EHEA) des Bologna-Konsortiums mit seinen drei Zyklen (Bachelor, Master, PhD) beachtet werden. Der unvoreingenommene Beobachter könnte wegen der Fülle der Europäischen Vorgaben leise Verzweiflung spüren, nicht aber die GMA!


Die Beschlusslage in der GMA und im MFT

Generische Qualifikations- oder Fachqualifikationsrahmen, die sich diesen Herausforderungen stellen wollen, müssen auf konsentierte, für Deutschland geltende Lernziele zurückgreifen können. Diese existieren zwar in den Niederlanden (3. Auflage 2009 unmittelbar vor der Veröffentlichung) und in der Schweiz (2. Auflage), aber noch nicht in Deutschland. Die Deutsche Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) von 2002 in Verbindung mit der EU-Direktive 2005/36/EC geben zwar den Rahmen vor, sind aber nicht detailliert genug für die Entwicklung eines Fachqualifikationsrahmens. Zudem macht der §41 der ÄAppO Modellstudiengänge möglich, die länderübergreifende Qualitätssicherungssysteme, Vergleiche und Mobilität erschweren. Deshalb haben GMA-Vorstand und Beirat auf der Basis des Positionspapiers von 2006 [3] und nach der Analyse der Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Verbesserung von Lehre und Studium [1], [2] beschlossen, die Entwicklung eines nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) anzustreben. Als der Hochschulausschuss der KMK mit Brief vom 16.01.2009 die GMA aufforderte, in Abstimmung mit dem MFT einen Fachqualifikationsrahmen für das medizinische Studium auszuarbeiten, der die Entwicklung eines Curriculums der gestuften Studienstruktur möglich macht, hat der Vorstand der GMA eine Projektgruppe Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin (NKLM) gebildet, die in Abbildung 1 [Abb. 1] beschrieben ist. Nach sehr zielorientierten und konstruktiven Gesprächen mit dem Generalsekretär des MFT, Herrn Dr. Hildebrandt, hat dieser einen Entwurf für eine Lenkungsgruppe Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin (NKLM) dem Präsidium des MFT vorgelegt, das diesem zugestimmt hat. Somit kann die Lenkungsgruppe NKLM in Verbindung mit der GMA Projektgruppe NKLM seine Arbeit aufnehmen. Herr Dr. Hildebrandt hat sich sehr erfolgreich um die Benennung von Vertretern aller beteiligten Interessengruppen (Ministerien, Fachgesellschaften, IMPP, Studierendenvertretung HRK, WR) bemüht. Es steht nur noch eine Benennung durch das Bundesministerium für Gesundheit aus, wo durch die Erkrankung des bisherigen langjährigen zuständigen Referatsleiters eine Verzögerung aufgetreten ist. Die Entwicklung des NKLM soll sich an den Prozessen der AWMF-Leitlinienentwicklung [5] orientieren.


Der Plan

Die Lenkungsgruppe sollte sich baldmöglichst bei einem ersten Treffen konstituieren. Die GMA-Projektgruppe hat schon mehrfach gearbeitet, um diese konstituierende Sitzung der Lenkungsgruppe vorzubereiten. Ziel ist es, am 06./07.05.2010 eine umfassende Konsensuskonferenz im Vorfeld der Tagung „Research in Medical Education – 300 Years of Clinical Teaching“ in der Charité – Hochschulmedizin Berlin durchzuführen. Während der GMA-Jahrestagung vom 08.-10. Oktober 2009 in Freiburg wird es einen Bericht über den Zwischenstand geben (am 10.10. von 14 Uhr bis 15.30).


Literatur

1.
Wissenschaftsrat. Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium. Berlin: Wissenschaftsrat; 2008. Zugänglich unter: http://www.wissenschaftsrat.de/texte/8639-08.pdf (verifiziert am 12.08.2009). External link
2.
Hahn EG. Bessere Zeiten für Lehre und Forschung an den Hochschulen - die Hochschulmedizin muss ihre Chancen nutzen! GMS Z Med Ausbild. 2009;26(1):Doc12. Zugänglich unter http://www.egms.de/en/journals/zma/2009-26/zma000604.shtml (verifiziert am 12.8.2009) External link
3.
Gerke W, Breipohl W, Forster J, Hahn EG, Kraft HG, Öchsner W, Onur Ö, Schirlo C, Tullius M, Wennekes V. Medizinische Ausbildung und der Bologna-Prozess: Ein Positionspapier der GMA. GMS Z Med Ausbild. 2006;23(1):Doc24. Zugänglich unter http://www.egms.de/en/journals/zma/2006-23/zma000243.shtml (verifiziert am 12.08.2009). External link
4.
Bologna Process [Internet]. Priorities of the European Higher Education Area until 2020. Brussels: Bologna Secretariat. Zugänglich unter http://www.ond.vlaanderen.be/hogeronderwijs/bologna (verifiziert am 12.08.2009). External link
5.
Kopp IB. Projektskizze Leitlinien (Muster). 2007. Zugänglich unter http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/index.html (verifiziert am 12.08.2009: Leitlinienwerkzeuge<>Projektplan Leitlinienentwicklung). External link