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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Einführung und Evaluierung des praktischen Jahres an der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Introduction and evaluation of final-year practice-oriented education at the University of Veterinary Medicine in Hanover, Germany

Projekt/project Tiermedizin

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  • corresponding author Rolf Wagels - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Pferdeklinik, Hannover, Deutschland
  • Karsten Feige - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Pferdeklinik, Hannover, Deutschland
  • author Andrea Tipold - Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Kleintiere, Hannover, Deutschland

GMS Z Med Ausbild 2008;25(4):Doc98

The electronic version of this article is the complete one and can be found online at: http://www.egms.de/en/journals/zma/2008-25/zma000583.shtml

Received: April 16, 2007
Revised: June 25, 2007
Accepted: September 24, 2008
Published: November 17, 2008

© 2008 Wagels et al.
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Zusammenfassung

Mit der Einführung des praktischen Jahres sollen die Studierenden der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) stärker in den klinischen und wissenschaftlichen Alltag eingebunden werden, um schon vor Ende des Studiums praxisnahe Erfahrungen zu sammeln. Das praktische Jahr ersetzt das bisherige 9. und 10. Semester und bildet so die Überleitung zwischen dem eng organisierten Studium und der anschließenden beruflichen Laufbahn. Es beinhaltet die Praktika außerhalb der TiHo in Tierarztpraxen, Privatkliniken, Schlachthöfen, etc. und ein internes praktisches Semester, welches das gesamte Jahr über in den Einrichtungen der TiHo abgeleistet werden kann. Die Online-Evaluierung dieses Jahres verlief positiv.

Schlüsselwörter: klinische und praktische wissenschaftliche Ausbildung, Studium der Veterinärmedizin, Online-Evaluierung

Abstract

The introduction of a year of practice-oriented education should provide students of the University of Veterinary Medicine in Hanover greater integration in the clinical and scientific setting in order to gain “real-life” experience for their later profession before the end of their studies. This year replaces the old 9th and 10th semesters and builds a bridge between the well-organized and structured studies and the later profession. It includes internships outside the university in private practice, private clinics, slaughterhouses, etc., and a practical semester that can be completely at any time of the year in clinics and other institutes of the university. The online evaluation of this year has been positive.

Keywords: clinical and practical scientific education, veterinary medical education, online evaluation


Einleitung

Die tierärztliche Ausbildung in Deutschland ist durch die Tierärztliche Approbationsordnung (TAppO) [1] und seit 2006 durch die Tierärztliche Approbationsverordnung (TAppV) [2] geregelt. In TAppO und TAppV ist die Stundenverteilung der einzelnen Fächer und teilweise deren Durchführung beschrieben. Durch Einführung so genannter Querschnittsfächer sollte ein integrierter Unterricht zwischen Klinik, Fächern zur Lebensmittelhygiene/Verbraucherschutz, Vorklinik und Paraklinik gewährleistet werden. Wahlpflichtfächer erlauben laut Gesetz den Studierenden ein gewisses Maß an Orientierung im Studium, wobei die allgemeine Approbation gewährleistet bleibt.

Die Modalitäten zur klinischen Ausbildung sind nicht durch diese Verordnungen festgelegt. Bereits vor 6 Jahren wurden daher erste Überlegungen zu einer Reform der studentischen Ausbildung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) angestellt. Der praktische klinische Unterricht sollte erweitert werden, damit die Studierenden vermehrt in den klinischen und wissenschaftlichen Alltag eingebunden sind, um schon vor Ende des Studiums praxisnahe Erfahrungen sammeln zu können. Die Einführung des praktischen Jahres hatte mehrere Ziele. An erster Stelle ist hier eine Verbesserung der praktischen Ausbildung der Studierenden am Patienten zu nennen. Diese sollte nach Möglichkeit in Kleingruppenunterricht an den Kliniken der Hochschule erfolgen. An zweiter Stelle wurde der Gedanke weitergeführt, der durch die in TAppO und TAppV vorgegebenen Wahlpflichtfächer entstanden ist. Den Studierenden sollte bereits während des Studiums die Möglichkeit für eine so genannte „Orientierungsphase“ in einem Semester geboten werden. Im beruflichen Alltag ist der Tierarzt, der alle Tierarten behandeln kann, eine Minderheit geworden. Spezialisierungen nach dem Studium bzw. speziesspezifische Praxen sind keine Besonderheiten mehr.

Nach einer Statistik der Bundestierärztekammer sind ca. 60% der Tierärzte in der Privatpraxis tätig (http://www.bundestieraerztekammer.de/datei.htm?filename=statistik_final.pdf). Die Anderen arbeiten entweder in der Lebensmittelkunde/Verbraucherschutz, in der Industrie und Forschung oder sind beamtete Tierärzte. An den Universitäten fällt auf, dass es schwierig wird, Professuren in paraklinischen Fächern mit Tierärzten zu besetzen. Auch diesen Umständen sollte Rechnung getragen werden und eine Wahlmöglichkeit, die dem späteren Berufsbild entspricht, sollte berücksichtigt werden. Das heißt, neben einer rein klinischen Ausbildung sollte auch eine wissenschaftlich praktische Tätigkeit in den Instituten angeboten werden.


Entwicklung des praktischen Jahres

Das praktische Jahr wurde im Wintersemester (WS) 2004/2005 an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover mit einer Stundenplanänderung eingeführt. Dies war notwendig, um Fächer, die ursprünglich im 9. und 10. Semester gelehrt wurden in klinische und Lebensmittelkunde/Verbraucherschutz - Blöcke unterteilen zu können. Im So konnten im WS 2005/2006 waren die ersten Studierenden des 9. und 10. Fachsemesters im Rahmen des praktischen Semesters an den Kliniken bzw. Instituten tätig werden.

Neben den extramuralen Praktika ([2]; § 54-62) (Ausbildung in der kurativen tierärztlichen Praxis oder in einer Tierklinik, Wahlpraktika, Ausbildung in Kontrolltätigkeiten, -methoden und –techniken für den Lebensmittelbereich einschließlich der Überprüfung von Frischfleisch)der Überwachung und Untersuchung von Lebensmitteln und dem Schlachthofpraktikum findet eine 10-wöchige klinisch-praktische Ausbildung an den Tierartenkliniken (Pferde, Rinder, kleine Klauentiere, Kleintiere) und einigen paraklinischen Instituten (Institute für Physiologie, Parasitologie, Virologie, Mikrobiologie, Parasitologie, Fischkunde, Pharmakologie, Immunologie, Tierzucht, Physiologische Chemie und Tierhygiene) statt. Dabei haben die Kliniken zurzeit noch unterschiedliche Wege zur Einteilung der Studierenden gefunden. Die Klinik für Pferde und die Klinik für kleine Klauentiere haben sich entschlossen, den Studenten eine jeweils 5-wöchige klinische Ausbildungszeit anzubieten, um so eine breitere praktische Ausbildung innerhalb der zehn Wochen zu gewährleisten, während den Studierenden in der Klinik für Rinder und in der Klinik für Kleintiere jeweils 10 Wochen angeboten werden.

Für die Ausbildungszyklen wurde in den jeweiligen Kliniken ein fixer Stundenplan eingeführt, der nicht nur praktische Tätigkeit, sondern auch Seminare, Journal Clubs, Querschnittunterricht, Röntgenvisite etc. beinhaltet. Ähnliche Programme wurden in den paraklinischen Instituten entwickelt, wobei die infektionsmedizinischen Fächer einen gemeinsamen Ausbildungszyklus erarbeitet haben und anbieten. Bis jetzt haben 3 Jahrgänge an Studierenden ihre Wahlklinik bzw. ihr Institut für das interne praktische Semester gewählt. 90% der Studierenden absolvieren das praktische Semester an einer Klinik, 10% an einem paraklinischen Institut, wobei von diesen 10% die meisten Studierenden am Institut für Pathologie eingeschrieben sind. Von den 90% Studierenden, die an einer Klinik eingeschrieben sind, wählte die Mehrheit die Rinder- oder Kleintierklinik. Weitere ca. 10% der Studierenden machen freiwillig einen zweiten Zyklus des praktischen Semesters an der TiHo, der teilweise die Praktika außerhalb der TiHo ersetzen kann (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]).

Im Folgenden wird der Unterricht der Kliniken am Beispiel der Pferdeklinik und der Klinik für Kleintiere erörtert.


Klinik für Pferde

Im Rahmen des praktischen Semesters an der Klinik für Pferde durchlaufen die maximal 12 Studierenden 5 Stationen, die den Abteilungen der Klinik weitgehend entsprechen: Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie, Anästhesie und Reproduktionsmedizin sowie Labor und Schmiede. In den Stationen Innere Medizin, Chirurgie und Orthopädie behandeln die Studierenden unter Anleitung der Assistenztierärzte die Patienten der Klinik für Pferde. Die Ausbildung am Patienten wird von den Assistentinnen der Klinik für Pferde und den wissenschaftlichen Hilfskräften im Stall durchgeführt. Dazu werden die maximal 3 Studierenden pro Klinikabteilung in die während des Tages anfallenden Behandlungen miteinbezogen und führen nach Einweisung auch Routinetätigkeiten wie z.B. Wundtoiletten oder Intensivüberwachung eines Patienten selbständig aus. Wenn spezielle diagnostische Methoden wie z.B. Endoskopien in der jeweiligen Stallabteilung durchgeführt werden, so sind die Studierenden anwesend und die Methoden und Ergebnisse werden vor Ort mit den anwesenden Oberassistenten oder Professoren sofort durchgesprochen. Das gleiche gilt für Operationen, bei denen die Studierenden anwesend sind oder assistieren. In den Klinikabteilungen erhalten die Studierenden einen Patienten zur festen Betreuung als ihren Patienten zugeteilt. Diesen Patienten und seine Erkrankung stellen die Studierenden im Rahmen der Visite oder während der Ausbildung anderer Studierender mit Hilfe einer selbst angefertigten Powerpointpräsentation vor. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die in der Präsentation getroffenen Aussagen zu Diagnose, Differentialdiagnose, Pathogenese und Therapie nach den Vorstellungen einer evidenzbasierten Medizin selbständig durch Literaturrecherche erlangt und im Dialog mit der behandelnden Assistentin verfeinert werden. Über diesen Patient wird auch ein schriftlicher Krankenbericht verfasst. Ziel ist neben dem Erwerb einer breiten Ausbildung in Pferdemedizin, ein Thema als Schwerpunkt vertiefen zu können und das selbstständige Erwerben von Wissen über Literaturstudium zu üben („Life Long Learning“).

Weiterhin gehört die Anfertigung eines Entlassbriefes über den betreuten Patienten zu den Aufgaben der Studierenden. Da in der Klinik für Pferde vorwiegend eingestellte Patienten ohne Anwesenheit des Besitzers behandelt werden, werden die Studierenden in das Besitzergespräch, welches der behandelnde Assistent mit dem Besitzer führt, einbezogen, da sonst kaum Kontakt zu den Besitzern des Pferdes möglich ist.

Die Studierenden, die in der Gruppe Anästhesie und Reproduktionsmedizin betreut werden, sind entweder während einer Operation dem Anästhesisten zur Seite gestellt oder werden in die Behandlung reproduktionsmedizinischer Patienten mit einbezogen. Zur Ausbildung im Bereich Anästhesie werden die Studierenden zunächst an die pharmakologischen Grundlagen und deren Anwendung herangeführt, um dann einen Einblick in die Narkoseüberwachung und postanästhetische Betreuung zu erhalten. Je nach Aufkommen von chirurgischen Patienten betreuen die Studierenden zwischen 4 und 8 Anästhesien. Im Bereich der Reproduktionsmedizin werden sowohl Zuchttauglichkeitsuntersuchungen, als auch chirurgische Maßnahmen an Hengst und Stute durchgeführt.

Die Studierenden im Bereich Labor und Schmiede werden an drei Vormittagen in der Lehrschmiede ausgebildet, die der Klinik für Pferde angegliedert ist. Dort erlernen Sie unter Anleitung eines erfahrenen Schmiedemeisters das Beurteilen und Bearbeiten von Pferdehufen. Neben den Patienten der Lehrschmiede stehen dazu auch die Pferde der Polizeireiterstaffel Hannover zur Verfügung, die von der Lehrschmiede betreut werden. Ein Vormittag in der Schmiede ist einer Übung unter Anleitung des Schmiedemeisters vorbehalten, in der die Studierenden an Präparaten chirurgische Maßnahmen wie z.B. das Eröffnen eines Hufabszesses üben können.

Neben den praktischen Tätigkeiten in den einzelnen Abteilungen werden verschiedene Übungen am Tier und Präparat als zweistündiger Kurs in Kleingruppen angeboten. Hierzu zählen Durchführung diagnostischer Anästhesien, Übungen am Auge, Wundchirurgie, Sinuskopie und Zahnbehandlungen sowie eine Übung zur Anfertigung von röntgenologischen und ultrasonographischen Aufnahmen. Außerdem werden Kurse zur Notfallversorgung von akuten Lahmheiten, akuten abdominalen Beschwerden, Augenerkrankungen, Verletzungen sowie gynäkologischen Notfällen durchgeführt, um die Studierenden auf ihren ersten Einsatz in der Praxis vorzubereiten.

Alle durchzuführenden Tätigkeiten während der 5 Wochen in der Klinik für Pferde sind in einem Pflichtenkatalog aufgeführt und die erfolgreiche Teilnahme wird in diesem Pflichtenkatalog durch Unterschrift der Lehrenden dokumentiert.


Klinik für Kleintiere

Ein ähnliches Schema wird in der Klinik für Kleintiere durchgeführt. Die Studierenden nehmen dabei in Gruppen von 2 Personen an einem Rotationsprogramm durch die verschiedenen Abteilungen der Klinik teil. Dies beinhaltet eine Rotation in der Intensivmedizin, der bildgebenden Diagnostik, der Anästhesie, der Chirurgie, in den Sprechstunden der Überweisungsklinik und bei den Heimtieren und Reptilien. Zusätzlich zu dieser Ausbildung findet eine solche in den Spezialsprechstunden der Neurologie, Ophthalmologie, Dermatologie, Verhaltenssprechstunde und Onkologie statt. Die Studierenden sind für einzelne Patienten zuständig und müssen diese während der morgendlichen Visite vorstellen. Um das Patientenbesitzergespräch und vermehrte selbstständige Arbeit zu erlernen, findet nachmittags die so genannte Studentensprechstunde statt. Hier sind die Studierenden die Primäruntersucher, müssen die Besitzerkommunikation üben und werden von einem eigens für diese Tätigkeit zur Verfügung stehenden Assistenten betreut. Im Rahmen der Rotation sind Kurse vorgesehen (Operationsübungen an Präparaten, Osteosynthesekurs, ophthalmologische Übungen, Ultraschallkurse etc.). Zweimal wöchentlich werden die von gerade untersuchten Patienten angefertigten Röntgenbilder mittags in der Gruppe diskutiert (Röntgenvisite). Dabei wird nicht nur Augenmerk auf die Beurteilung gelegt, sondern auch auf Aufnahmetechnik, Strahlenschutz und Lagerungstechnik der Patienten. Freitag nachmittags oder an anderen Wochentagen abends finden Fortbildungsveranstaltungen statt (Querschnittsveranstaltungen, Seminare, Vorträge zu aktuellen Themen). Die Studierenden sind in den Nacht- und Wochenenddienst eingebunden, um auch in der Notfallmedizin Erfahrung sammeln zu können und weiter den Umgang mit Patientenbesitzern vertiefen zu können. In den Nacht- und Wochenenddiensten versorgt ein Team von Assistenten, Interns und Studierenden die an der Klinik stationär behandelten Patienten und die Notfälle. Die Studierenden werden bei Rückmeldung an der Hochschule versichert.

Die Effizienz dieses Semesters wird mit Hilfe eines computerisierten Feedbacksystems (PowerVote) überprüft. Am letzten Tag beantworten Studierende mit Hilfe dieses Systems Multiple Choice-Fragen, die aus dem täglichen Klinikalltag der Patientenbehandlungen entstammen. Die Studierenden können so nochmals die wichtigsten Punkte wiederholen, bzw. können erkennen, wie viel sie gelernt haben und wie intensiv sie sich noch weiter für Prüfung und zukünftigen Beruf weiterbilden müssen. Dieses Testat wird von den Prüfenden sehr positiv bewertet und zeigt einen deutlichen Wissenszuwachs im Vergleich zu der herkömmlichen Ausbildung [3].

Da so die so genannten „soft skills“, wie Tierarzt-Patientenbesitzerkommunikation [4], als Teil der veterinärmedizinischen Ausbildung gefordert werden, aber nicht im nationalem Curriculum enthalten sind [2], werden Kommunikationsübungen im Rahmen der Studentensprechstunde angeboten. Um diese „skills“ freiwillig vertiefen zu können, werden von der TiHo, bzw. der Gesellschaft der Freunde der Tierärztlichen Hochschule außerhalb des Curriculums Veranstaltungen zur Tierarzt-Patientenbesitzerkommunikation angeboten. Zu Ende eines Programmes findet eine anonyme Online-Evaluation statt und die Studierenden haben mit dem Klinikleiter bzw. der Vizepräsidentin für Lehre eine persönliche Aussprache, wo positive und negative Seiten des Ausbildungszyklus diskutiert werden können. Dabei wurde dieser Ausbildungszyklus an der Klinik für Kleintiere wurde jedes Mal sehr positiv bewertet, kleine organisatorische Mängel wurden jedoch sehr deutlich dargestellt. Durch den engen Kontakt zu den Studierenden während des praktischen Jahres verlieren diese die Scheu gegenüber Dozierenden bzw. zukünftigen Prüfern. Auch die anonyme Online- Evaluierung ergab nur positive Resultate, es wird sogar ein Ausbau des praktischen Jahres gewünscht. Ähnliche Programme wie in Pferdeklinik und Klinik für Kleintiere finden an der Klinik für Rinder und der Klinik für Kleine Klauentiere statt.


Das praktische Semester an paraklinischen Einrichtungen

Ein Ausbildungszyklus kann wahlweise auch an einer paraklinischen Einrichtung durchgeführt werden. Studierende sollen für die Arbeit der Institute und die Fächer des Lebensmittelzentrums vermehrt interessiert werden. Folgende Fächer können so intensiv über 10-14 Wochen studiert werden: Pathologie, Pharmakologie, die Fächer des Lebensmittelzentrums (Lebensmittelhygiene, Milchhygiene, Lebensmittelkunde, Lebensmitteltoxikologie, Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch), Physiologie, Tierernährung, Immunologie, Biochemie, Tierzucht. Das Zentrum für Infektionsmedizin bietet ein so genanntes infektionsmedizinisches Semester mit einer Gesamtdauer von 14 Wochen an und soll interessierten Studierenden die Möglichkeit geben, bei der Bearbeitung infektionsmedizinisch-angewandter Fragestellungen Laborerfahrung zu sammeln. Hier sind die Fächer Mikrobiologie, Virologie, Parasitologie, Epidemiologie, Biochemie und Fischkrankheiten enthalten. Am Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie werden Studierende begleitend zu den unter Betreuung durch die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts durchzuführenden Experimenten in die Protokollierung und Auswertung der Versuche und die Bearbeitung wissenschaftlicher Literatur eingearbeitet. Ziel des Laborpraktikums ist das Erlangen experimenteller Fertigkeiten und wissenschaftlich relevanter Kenntnisse sowie das Wecken von Interesse für die biomedizinische Forschung. Das Semester am Institut für Pathologie umfasst die tägliche Mit-Bearbeitung der anfallenden Sektionsfälle und die histologische Nacharbeitung von einzelnen, ausgewählten Fällen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines auf jeden Praktikanten zugeschnittenen Projektes, entweder einzelne, ungewöhnliche Erkrankungsfälle gezielt aufzuarbeiten und in Form eines Fallberichtes zu veröffentlichen oder ein kleines Forschungsprojekt im Sinne einer retrospektiven, pathologisch-anatomischen und –histologischen Studie mit dem Ziel einer Veröffentlichung zu bearbeiten.


Online-Evaluierung

Klinik für Pferde

An der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde ein Programm zur Online-Evaluierung von Lehrveranstaltungen und zur allgemeinen Studiensituation an der Hochschule entwickelt und 2003 erstmals eingesetzt. Dabei können die Studierenden zu neun vorgegebenen Aussagen ihrer Zustimmung oder Ablehnung auf einer Skala von 1-5 Ausdruck verleihen. Weiterhin können in Freitextfeldern die positiven und negativen Seiten des Praktikums beschrieben werden (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]).

Insgesamt nahmen seit der Einführung des praktischen Jahres an der Klinik für Pferde 94 Studierende an der Befragung teil, das entspricht 66% der Teilnehmer des praktischen Jahres.

Die bislang durchgeführte Evaluierung bescheinigt dem Modell hervorragende Noten, die Mehrheit der Studenten fühlte sich gut ausgebildet. Lediglich die Kürze der Zeit in den Kliniken und die Dichte des Stoffes wurde bemängelt. Die Kombination aus Klinik für Pferde und Klinik für kleine Klauentiere wurde von ca. 50% der Studenten als gut, von der anderen Hälfte als nachteilig bewertet. Als Reaktion auf diese Bewertung bietet die Klinik für Pferde ab dem Wintersemester 2008 das praktische Semester als 10-wöchigen Zyklus durchführen, um bei ähnlicher Anzahl von Übungen und Kursen eine längere Ausbildungszeit am Patienten zu gewährleisten.

Klinik für Kleintiere

Eine Evaluierung von 90 63 Studierenden (73% der Teilnehmer) wurde ausgewertet. Die vorgegebenen Fragen wurden zu ca. 90% sehr positiv beantwortet (Noten 1-2, von 5 möglichen Abstufungen). Diese beinhalteten z.B. Fragen nach der Angemessenheit der Gruppengröße, der Organisation, des Lerneffektes, der Betreuung durch die Mitarbeiter etc. Zusätzlich konnten Freitextfelder ausgefüllt werden. Dabei wurden besonders positiv wurden die selbstständige praktische Tätigkeit, die gute Anleitung in den Übungen, das Gewinnen von Selbstvertrauen im Umgang mit Tieren und Patientenbesitzern, Kurse und Seminare, die Verbesserung des Querschnittunterrichtes, die Gesamtorganisation, der Lernerfolg und die Wahlmöglichkeit einer Klinik beurteilt. Verbesserungsmöglichkeiten wurden im Bereich der Operationsübungen, der schriftlichen Unterlagen und der Regelung der Mittagspausen gesehen. Das Ausfüllen des Pflichtenkatalogs und die Nachtdienste wurden als anstrengend bezeichnet.

Allgemeine Evaluierung des praktischen Jahres

Eine Kohorte 90 Studierenden, die sich freiwillig gemeldet hatten, beurteilte die Einführung des praktischen Jahres und die Einteilung in die verschiedenen Kliniken online und anonym.

Dabei wurde die Einführung des praktischen Jahres nur positiv gesehen (Noten 1-2 von 5 möglichen Abstufungen). Als negativer Aspekt wurde nur der Zeitraum (zu kurz) angesehen. Der Wunsch besteht, bereits in früheren Semestern vermehrt in den Alltag der Hochschulkliniken bzw. Einrichtungen eingebunden zu werden. Die Mehrheit der Studierenden empfand die Kombination Pferdeklinik – Klinik für Kleine Klauentiere als nicht gelungen, obwohl einige doch das Erlernen um die Vielfalt der Tierarten als positiv erachteten. Als besonders gelungen werden durchwegs sowohl die Kombination der Klinik für Kleine Klauentiere mit Bestandsbetreuung in Bakum und der Geflügelklinik als auch die der Klinik für Kleintiere mit Reproduktionsmedizin und Ziervogelklinik bezeichnet. Die Hochschulleitung hat diese Ergebnisse und die Wunschlisten an die Klinikleitungen weitergegeben, damit die Verbesserungsvorschläge in die jeweiligen Stundenpläne eingebracht werden können.

Die ersten Studierenden, die das praktische Jahr durchlaufen haben, haben bereits den dritten Teil des Staatsexamens abgelegt und sind als approbierte Tierärzte tätig. Der Erfolg des praktischen Jahres wird weiterhin durch Befragung der Alumni kontrolliert. Durch besseres Kennen lernen der Studierenden und Dozierenden hat sich das gezielte Aussuchen einer Doktorarbeit erleichtert und einige Tierärzte haben sofort nach der letzten Prüfung das Doktoratsstudium in dem Bereich, in dem sie während des praktischen Semester tätig waren, aufgenommen.


Literatur

1.
Bundesrat. Verordnung zur Approbation von Tierärztinnen und Tierärzten sowie zur Änderung anderer approbationsrechtlicher Vorschriften (TAppO). Bundesgesetzbl. 1999;Teil I(Nr. 50).
2.
Bundesrat. Verordnung zur Approbation von Tierärztinnen und Tierärzten (TAppV). Bundesgesetzbl. 2006;Teil I(Nr. 38).
3.
Ehlers JP, Kaske M, Tipold A, Bollwein H. Acceptability of feedback-systems for formative and summative assessment in veterinary medicine. Trondheim: AMEE; 2007. S. 146.
4.
Cornell KK, Kopcha M. Client-veterinarian communication: skills for client centered dialogue and shared decision making. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2007;37(1):37-47. DOI: 10.1016/j.cvsm.2006.10.005 External link