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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Die Bachelor/Master-Struktur in der Medizin - Die Perspektive der Medizinstudierenden

The Bachelor/Master structure in Medicine - Statement of Beliefs

Leitlinie/guideline Humanmedizin

GMS Z Med Ausbild 2008;25(1):Doc71

The electronic version of this article is the complete one and can be found online at: http://www.egms.de/en/journals/zma/2008-25/zma000555.shtml

Received: January 9, 2008
Revised: January 15, 2008
Accepted: January 16, 2008
Published: February 15, 2008

© 2008 Kulike et al.
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Zusammenfassung

Im Juli 2007 erarbeiteten Medizinstudierendenvertreter aus ganz Europa eine einvernehmliche Erklärung zur Bachelor/Master-Struktur in der Medizin auf der 6. Bologna-Prozess Folgekonferenz der IFMSA und der EMSA in Amsterdam. Das Dokument analysiert dieses Kernthema der Bologna Deklaration in den Aspekten gemeinsames, europäisches Kerncurriculum, integrierte Curricula, Integrität des Studiums, Qualitätssicherung und Audit, Zugang zum Masterstudiengang, Förderung der europäischen Dimension, Verwendung der Abschlüsse und Studiengebühren. Dabei werden keine Aussagen für oder gegen die zweistufige Struktur getroffen, sondern vielmehr Voraussetzungen, Chancen und Gefahren einer Implementierung betrachtet und diskutiert. Das Dokument wurde als Statement of Beliefs von der IFMSA und als Positionspapier von der bvmd verabschiedet.

Schlüsselwörter: Bologna, Europa, Medizinstudierende, Bachelor, Master, Kerncurriculum, Mobilität, Qualitätssicherung, Europäischer Hochschulraum, IFMSA, bvmd

Abstract

In July 2007 medical student representatives from all over Europe developed a consensus statement about the Bachelor/Master structure in Medicine on the 6th IFMSA/EMSA Bologna-Process-follow up conference in Amsterdam. The document analyzes this action line of the Bologna Declaration regarding the following: common European core curriculum, integrated curricula, integrity of the course, quality assurance and audit, access to the Master phase, promoting the European dimension, utilisation of medical degrees, and tuition fees. No stance, either for or against the two-cycled structure is made. Rather prerequisites, opportunities and dangers of implementation are looked at and discussed. The document was adopted by IFMSA as Statement of Beliefs and as position paper by bvmd.

Keywords: Bologna, Europe, Medical Students, Bachelor, Master, Core Curriculum, mobility, quality assurance, European Higher Education Area, IFMSA, bvmd


Leitlinie

Die Einführung der Bachelor/Master-Struktur ist einer der am kontroversesten diskutierten Aspekte des Bologna-Prozesses in der Medizin. Seit 2003 haben die European Medical Students’ Association (EMSA) und die International Federation of Medical Students’ Asscociations (IFMSA) an der Entwicklung des Europäischen Hochschulraumes im Bereich der Medizin zusammengearbeitet, was in allgemein anerkannten Positionspapieren resultierte [1], [2], [3]. Im Juli 2007 fand die sechste Folgekonferenz zum Bologna-Prozess in Amsterdam statt. Im Laufe dieser Konferenz haben Medizinstudierendenvertreter die kontroversen Aspekte der Bachelor/Master-Struktur in der Medizin analysiert und einen europäischen Konsens erarbeitet – „The Bachelor and Master structure in Medicine – Statement of Beliefs“ - der von den internationalen Medizinstudierendenvertretungen IFMSA und EMSA verabschiedet worden ist. Die Studierenden sprechen sich hierbei weder für, noch gegen die Bachelor/Master-Struktur aus, da in ihren Augen vor allem die Art der Umsetzung von entscheidender Bedeutung ist. Dabei sollte man sich der möglichen negativen Konsequenzen einer Implementierung ohne die ihr angemessen Beachtung und Sorgfalt bewusst sein.

Das folgende Dokument ist eine einvernehmliche Erklärung über die Bachelor/Master-Struktur, wie sie in der Bologna-Deklaration dargelegt wird, über wünschenswerte Voraussetzungen für deren Implementierung, sowie potentielle Chancen und mögliche Gefahren bei ihrer Anwendung auf das Medizinstudium.

Förderung der europäischen Dimension der Hochschulbildung und des Gesundheitswesens

Mobilität ist den Studierenden ein wichtiges Anliegen. So, wie diese in der Bologna-Deklaration und ihren nachfolgenden Kommuniqués [4], [5], [6], [7], [8], [9] beschrieben wird, könnte Mobilität durch die Implementierung einer Bachelor/Master-Struktur gefördert werden, wenn die Umsetzung eines gemeinsamen europäischen Kerncurriculums beschlossen wird.

Ein gemeinsames europäisches Kerncurriculum für den Bachelor und Master

Eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Ausbildungsabschnitte muss gewährleistet sein. Um die Harmonisierung der Medizinischen Ausbildung über ganz Europa hinweg zu erreichen, ist es daher notwendig, sich auf Kernergebnisse der Ausbildung zu einigen, die für den Abschluss des Medizinstudiums erreicht sein müssen [10], [1]. Diese gemeinsamen Kernergebnisse, würden in einem europäischen Kerncurriculum in Übereinstimmung mit den relevanten europäischen Bestimmungen wie der Direktive 2005/36/EC festgelegt werden [11]. Lokale akademische Traditionen und Prioritäten sollten dennoch gefördert und diese zusätzlichen curricularen Elemente klar definiert werden.

Ein europäisches Kerncurriculum ist die Voraussetzung für die Implementierung der Bachelor/Master-Struktur.

Zugang zum Masterstudiengang

Die Überprüfung dieser Kompetenzen der Studierenden muss evidenzbasiert erfolgen, um im Kontext der Mobilität der Studierenden zwischen den Bachelor- und Masterabschnitten die Patientensicherheit zu gewährleisten. Ein Bachelor/Master-System könnte es Studierenden aus nicht-medizinischen Bachelorstudiengängen ermöglichen, sich für die Ausbildung des Master of Medicine einzuschreiben. Diese Studierenden müssten allerdings die Kernkompetenzen des Bachelor of Medicine vorweisen, bevor sie das Studium des Master of Medicine beginnen.

Integrität des Studiums

Das übergeordnete Ziel des Medizinstudiums ist es, akademische Absolventen auszubilden, die berechtigt sind, die ärztliche Approbation zu erhalten. Das Studium der Medizin muss daher als Einheit gesehen werden - Bachelor of Medicine und Master of Medicine zusammen.

Interne Qualitätssicherung und externer Audit

Ein solcher Prozess sollte bei seiner Umsetzung von guten Qualitätssicherungsverfahren begleitet werden, so dass der europäische Hochschulraum nicht zu einer Verschlechterung, sondern einer gemeinsamen Verbesserung der Standards beiträgt. Somit ist die Einführung von transparenten internen und externen Qualitätssicherungsmaßstäben in Übereinstimmung mit allgemeinen und berufsspezifischen Qualitätsstandards notwendig, um eine Qualitätsverbesserung der Ausbildung zu erreichen [12], [13], [14], [15], [16], [17], [18], [2].

Studiengebühren

Die finanziellen Konsequenzen der Einführung einer Bachelor/Master-Struktur müssen berücksichtigt werden. Insbesondere sollten Studierende nicht über steigende Studiengebühren Maßnahmen finanzieren, die zur Einführung des Systems benötigt werden.

Integrierte Curricula, kontinuierliche Erneuerung und Reform des Curriculums

Die Bachelor/Master-Struktur darf kein Hindernis für die Verbesserung, Weiterentwicklung und Reform medizinischer Curricula darstellen. Die Struktur an sich stellt weder einen Widerspruch zu einem integrierten Curriculum dar, noch hat sie einen negativen Einfluss darauf. Vielmehr ist nach Meinung der Medizinstudierenden die Implementierung der Bachelor/Master-Struktur in ein integriertes Curriculum möglich.

Dennoch muss beachtet werden, dass eine unüberlegte Einführung der Bachelor/Master-Struktur zu Beeinträchtigungen der Ausbildungsergebnisse und der Patientensicherheit führen kann.

Verwendung der medizinischen Abschlüsse

Die Absolventen des Bachelor of Medicine sind solange nicht berechtigt, ärztliche Aufgaben zu erfüllen, solange dies nicht im Rahmen ihrer Ausbildung zum Master of Medicine vorgesehen ist oder sie den Master of Medicine erfolgreich absolviert haben. Aus diesem Grund sollte die Definition der Abschlüsse eindeutig sein.


Prozessbegleitung

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) hat als legitimierte Vertretung der 80.000 Studierenden an den 36 medizinischen Fakultäten dieses Dokument auf ihrer Mitgliederversammlung im Herbst 2007 als Positionspapier verabschiedet. Damit wird zum Ausdruck gebracht, wie wichtig es den Studierenden ist, dass der Bologna Prozess in der Medizin konstruktiv begleitet wird.

Die Dringlichkeit sich auch in Deutschland mit einer möglichen Bachelor/Master-Struktur in der Medizin auseinander zu setzen, wird dabei durch die Bemühungen einzelner deutscher Fakultäten um eigene Entwürfe zur Bachelor/Master-Struktur in der Medizin verdeutlicht.

In einigen europäischen Ländern besteht aufgrund der nicht harmonisierten Reformansätze eine eingeschränkte Mobilität für die Studierenden selbst zwischen den Fakultäten. Um ähnlichen Entwicklungen entgegen zu wirken, halten die Medizinstudierenden Bemühungen um ein konsensfähiges, nationales und internationales Konzept zur Bachelor/Master-Struktur in der Medizin für notwendig.

Die konstruktive Auseinandersetzung mit dieser Thematik muss frühzeitig und auf breiter Basis beginnen. Nach Meinung der Studierenden sollten sich alle Beteiligten in der Medizinischen Ausbildung in der Verantwortung sehen, diesen Prozess gemeinsam von Beginn an zu begleiten, da nur unter dieser Voraussetzung das Konzept eines gemeinsamen Hochschulraumes erfüllt und die Chancen der Bachelor/Master-Struktur genutzt werden können.


Danksagung

Wir danken dem Studiendekanat Freiburg für seine Unterstützung der Druckversion des Dokuments.

Wir danken den Medizinischen Fakultäten Aachen, Berlin, Freiburg, Essen, Hamburg, Köln und Regensburg für die Unterstützung unserer Arbeit in diesem Bereich.

Wir danken Sophie Shotter, Marc Bailey und James Blake aus Leeds/UK für ihre Unterstützung.


Literatur

1.
IFMSA/EMSA. European core curriculum - the students´perspective. Ferney-Voltaire: IFMSA; 2006. Zugänglich unter: http://www.ifmsa.org/scome/wiki/index.php?title=European_Core_Curriculum_-_the_Students%27_Perspective. External link
2.
IFMSA/EMSA. Quality assurance in medical schools - moving form quality assurance to quality improvement. Ferney-Voltaire: IFMSA; 2005.
3.
Westbye H. The Bologna Declaration and medical education: a policy statement from the medical students of europe. Med Teach. 2004:27(1);83-85.
4.
Sorbonne Erklärung. Joint Declaration in harmonisation of the architecture of the European higher education system. Paris: Sorbonne; 1998. Zugänglich unter: http://www.bologna.msmt.cz/PragueSummit/Sorbonnska%20deklarace-plne%20zneni%20aj.doc. External link
5.
Ministery of Education and Research. Bologna Erklärung: Joint Declaration of the European ministers of education convened in Bologna on the 19th of June 1999. Bologna/Bergen: Ministery of Education and Research; 1999. Zugänglich unter: http://www.bologna-bergen2005.no/Docs/00-Main_doc/990719BOLOGNA_DECLARATION.PDF. External link
6.
European Ministers in charge of Higher Education. Prag Kommuniqué. Towards the European higher education area. Prag: European Ministers in charge of Higher Education; 2001. Zugänglich unter: http://www.bologna.msmt.cz/PragueSummit/Fcommunique.html. External link
7.
Ministers responsible for Higher Education. Berlin Kommuniqué. Realising the European higher education area. Berlin: Ministers responsible for Higher Education; 2003. Zugänglich unter: http://www.bologna-berlin2003.de/pdf/Communique1.pdf. External link
8.
Ministery of Education and Research. Bergen Kommuniqué.The European higher Education area - achieving the goals. Bologna/Bergen: Ministery of Education and Research; 2005. Zugänglich unter: http://www.bologna-bergen2005.no/Docs/00-Main_doc/050520_Bergen_Communique.pdf. External link
9.
ESIB. London Kommuniqué. Towards the European higher education area: responding to challenges in a globalised world. London: ESIB; 2007. Zugänglich unter: http://www.dfes.gov.uk/londonbologna/uploads/documents/BWSE_ExecutiveSummary_final.pdf. External link
10.
Joint Quality Initiative informal group. Shared "Dublin" descriptors for short cycle, first cycle, second cycle and third cycle adwards. Dublin: Joint Quality Initiative informal group; 2004.
11.
European Parliament. EU-Direktive 2005/36/EC of the European Parliament and of the council of 7. September 2005 on the recognition of professional qualifications. Straßburg: European Parliament; 2005. Zugänglich unter: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/en/oj/2005/l_255/l_25520050930en00220142.pdf. External link
12.
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13.
World Health Organization (WHO) & World Federation for Medical Education (WFME). WHO/WFME strategic partnership to improve medical education. Genf/Kopenhagen: WHO & WFME; 2004.
14.
World Health Organization (WHO) & World Federation for Medical Education (WFME). WHO/WFME guidelines for accreditation of basic medical education. Genf/Kopenhagen: WHO & WFME; 2005.
15.
World Federation for Medical Education (WFME). Promotion of accreditation of basic medical education: a programme within the framework of the WHO/WFME strategic partnership to improve medical education. Kopenhagen: WFME; 2005.
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17.
Medical Education in Europe (Medine) - The Thematic Network on Medical Education in Europe. WFME global standards for qualitiy improvement - european spcifications. Kopenhagen: Medine; 2007. Zugänglich unter: http://www.ifmsa.org/scome/wiki/images/WFME_Global_Standards_-_European_Specification.pdf. External link
18.
IFMSA/EMSA. Quality assurance in medical schools - moving from quality assurance to quality improvement. Kopenhagen: EMSA/IFMSA; 2005. Zugänglich unter: http://www.ifmsa.org/scome/wiki/index.php?title=Quality_Assurance_in_Medical_Schools. External link