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22. Jahrestagung der Deutschen Retinologischen Gesellschaft

Deutsche Gesellschaft für Retinologie

26.06. - 27.06.2009, Berlin

Kontroversen in der Behandlung des Aderhautmelanoms

Kongressabstract

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  • Bertil Damato - Royal Liverpool University Hospital

Retinologische Gesellschaft. 22. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft. Berlin, 26.-27.06.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. DocRG2009-56

doi: 10.3205/09rg57, urn:nbn:de:0183-09rg577

Dieses ist die Originalversion des Artikels.
Die übersetzte Version finden Sie unter: http://www.egms.de/en/meetings/rg2009/09rg57.shtml

Veröffentlicht: 29. Juni 2009

© 2009 Damato.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Größe maligner Aderhautmelanome korreliert statistisch mit dem histologisch bestimmten Grad der Malignität, der Prävalenz einer Monosomie 3 und mit der Mortalität durch ein Fernmetastasierung. Diese Beobachtungen unterstützen die Hypothese, dass eine Verzögerung der Behandlung von Aderhautmelanomen das Metastasierungspotential des Tumors erhöht und mit einer Verschlechterung der Allgemeinprognose verbunden ist. Folgt man dieser Annahme, kann eine frühzeitige Behandlung eines Aderhautmelanoms eine De-Differenzierung des Tumors und eine Metastasierung verhindern. Im Umkehrschluss erhöht ein Tumorrezidiv die Wahrscheinlichkeit einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Auf der Basis dieser Annahmen wird eine frühzeitge und aggressive okuläre Tumortherapie empfohlen.

Methoden: Eine konsekutive Serie von 3393 Patienten mit malignem Aderhautmelanom wurde nachbeobachtet. Todesursache und Zeitpunkt der betroffenen Patienten wurden uns durch das “Cancer Registry of the National Health Service” mitgeteilt.

Ergebnisse: Die 20-Jahres-Mortalität korrelierte eng mit der Inzidenz einer Monosomie 3. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Metastasierung fast ausschliesslich bei Patienten mit einer Monosomie 3 auftrat. Unabhängig von der primären okulären Therapie führte diese bei allen Fällen mit Fernmetastasierung zum Tod des Patienten.

Schlussfolgerungen: Die wesentliche Schlussfolgerung dieser Nachbeobachtung ist, dass die okuläre Therapie keinen Einfluß auf die Mortalität der Erkrankung hat, sondern als funktionserhaltende oder palliative Therapie betrachtet werden muss. Das wesentliche Ziel der ophthalmologischen Therapie sollte daher der Funktionserhalt sein; eine lebensverlängernde oder heilende Funktion ist unwahrscheinlich. Die Vorbehalte gegenüber einer transskleralen oder transretinalen chirurgischen Therapie wirken vor diesem Hintergrund übertrieben. Die beste Möglichkeit einer lebensverlängernden Behandlung scheint in der Entwicklung neuer adjuvanter Therapieformen zu liegen. Bei allen Patienten mit einem Aderhautmelanom sollte routinemäßig eine Genomanalyse des Tumors durchgeführt werden, um eine genauere Prognose stellen und die Aussichten auf eine wirksame adjuvante Therapie in der Zukunft verbessern zu können.