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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Determinanten der Medikationsadhärenz bei chronisch kranken Jugendlichen

Meeting Abstract

  • Helena Bruns - Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland
  • Jenny Peplies - Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland
  • Julia Altevers - Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland
  • Ingo Langner - Bremen Institute for Prevention Research and Social Medicine (BIPS), Bremen, Deutschland
  • Anja Bergmann - Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland
  • Sibylle Koletzko - Dr. v. Haunersches Kinderspital, Ludwig Maximilians Universität, München, Deutschland
  • Martin Claßen - Klinikum Links der Weser, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Bremen, Deutschland
  • Antje Timmer - Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds203

DOI: 10.3205/12gmds203, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds2038

Veröffentlicht: 13. September 2012

© 2012 Bruns et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Jugendliche mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) müssen sich neben den Herausforderungen des Erwachsenenwerdens zusätzlich mit den unvorhersehbaren Einflüssen einer chronisch remittierenden Erkrankung und der Notwendigkeit eines Wechsels des betreuenden Arztes (Kinderarzt vs. Internist) in einer besonders vulnerablen Phase auseinander setzen. Probleme in der Kooperation der selbstständiger werdenden Jugendlichen sind ein möglicher intermediärer Faktor einer vermuteten schlechteren medizinischen Versorgung in dieser Phase. Wir untersuchen daher im Rahmen eines Projektes zur Versorgungszufriedenheit unter anderem die Häufigkeit von Adhärenzproblemen und mögliche Einflussfaktoren auf die Adhärenz.

Methoden: Etwa 1.000 Patienten des klinischen Registers CEDATA-GPGE im Alter von 15 bis 25 Jahren werden mittels Fragebogen zu ihrer aktuellen Versorgungssituation befragt. Zur Bestimmung der Medikationsadhärenz wurde die Medication Adherence Report Scale (MARS, Mahler C, 2010) eingesetzt. Es handelt sich hierbei um einen Summationsscore auf der Basis von 5 Fragen mit je 5 Antwortkategorien (Score-Range 5 bis 25). Gute Adhärenz wurde als ein Score von ≥24 definiert, und stratifiziert nach Altersgruppen (15–17, 18–19, 20–25 Jahre) sowie Geschlecht ausgewertet. Stellvertretend für eine erste Einschätzung der Auswirkung des sozioökonomischen Status (SES) auf die Medikationsadhärenz wurde die Bildung der Eltern betrachtet. Hierbei wurde jeweils das Elternteil gewählt, welches den höheren Schulabschluss erreicht hatte. Mögliche Abschlüsse wurden in drei Kategorien eingeteilt (Haupt-/Volksschule, kein oder sonstiger Abschluss; Mittlere Reife, Polytechnische Oberstufe und Fachhochschulreife; sowie Abitur und Allgemeine Hochschulreife).

Determinanten einer guten Medikationsadhärenz wurden mittels logistischer Regression berechnet (OR mit 95% KI). Zusätzlich wurde die Arztterminadhärenz in einem neu entwickeltem Instrument mit 3 weiteren analogen Fragen erfasst.

Ergebnisse: Bisher gingen etwa 580 Fragebögen ein. Folgende Resultate stammen aus Probeauswertungen zur Fragebogenperformance auf Basis der ersten 150 eingegebenen Fragebögen (69 Frauen, 81 Männer). 141 von ihnen beantworteten den Adhärenzteil des Fragebogens. Insgesamt fand sich eine gute Medikationsadhärenz bei 74 Personen (52 %) – Unterschiede nach Altersgruppen zeigten sich nicht. Weibliches Geschlecht war negativ mit einer guten Adhärenz assoziiert: Frauen zeigten ein 2,8-fach erhöhtes Odds Ratio(OR 2,8; KI 1,39–5,64), eine Adhärenz von weniger als 24 zu erreichen als Männer. Der Bildungsstand der Eltern hingegen wies kein signifikant erhöhtes Risiko auf (OR 1,9; KI 0,76–4,62 /1/OR 1,68; KI 0,74–3,79).

Die Fragen zur Arztzerminadhärenz erwiesen sich nicht als hilfreich, da Probleme mit der Wahrnehmung von Terminen extrem selten waren. Von 145 Probanden, welche diesen Teil beantworteten kam es nur bei 23 (15,8%) zu geringen Abweichungen des höchstmöglichen Scores.

Schlussfolgerungen, Ausblick: Die bisherigen Analysen zeigten eine knapp mehrheitlich eine sehr gute Adhärenz ohne große Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Wir vermuten, dass dies zu einer Überschätzung führt, da die zuerst eingegangenen Fragebögen denen einer besonders kooperativen Subgruppe entsprechen dürften. Zudem wurde im Rahmen dieser Probeauswertungen nur eine eingeschränkte Anzahl an Einflussfaktoren untersucht. Die jetzt beginnenden Hauptanalysen am gesamten Datenset werden zusätzlich unter anderem SES, Migrationshintergrund, eigenen Ausbildungsstand, Wohnsituation (z.B. allein, mit einem Elternteil, mit beiden Eltern), affektiven Status, Erkrankungsschwere und Art und Häufigkeit der ärztlichen Betreuung berücksichtigen.