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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

Risikokommunikation in der medizinischen Ausbildung – ein Pilotprojekt

Meeting Abstract

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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm090

DOI: 10.3205/12ebm090, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm0904

Veröffentlicht: 5. März 2012

© 2012 Friederichs et al.
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Gliederung

Text

Zielsetzung: Einige Studien konnten zeigen, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Patienten gerne eine aktive Rolle bezüglich Entscheidungen, die ihre Gesundheit betreffen, einnehmen wollen [1]. Dementsprechend gibt es einen Trend zu einer größeren Einbindung der Patienten in die Therapieentscheidung. Insbesondere in der Aufklärung zu Screening-Programmen wird eine adäquate Einbindung der Patienten für eine informierte Entscheidungsfindung als ein wesentliches Ziel gesehen. Individuelle Risikobestimmungen sind dabei generell eine effektive Methode der Risikokommunikation und sie können dabei die Inanspruchnahme von Screening-Tests erhöhen [2].

Es gibt ein wachsendes Bewußtsein dafür, dass die Entscheidungen der Patienten für oder gegen eine Therapie sehr von der Art der Informationspräsentation abhängt [3], [4].

So sollen in dem hier beschriebenen Projekt Studierende praktisch an Risikommunikation herangeführt und ihnen mit der Darstellung in natürlichen Häufigkeiten ein effektives Tool zur Information von Patienten an die Hand gegeben werden.

Methoden: Dafür werden die Studierenden des dritten Studienjahres in einem curricularen Praktikum im Rahmen einer medizinischen Simulation mit zwei Patientenfällen konfrontiert, die durch Simulationspatienten dargestellt werden. Bei den Fällen handelt es sich um Patientinnen, die vor kurzem eine Einladung zum Brustkrebs-Screening erhalten haben und sich bei ihrem behandelnden Hausarzt /Hausärztin bezüglich einer Teilnahme beraten lassen wollen. Zum ersten Fall erhalten die Studierenden die bis 2009 gültige Broschüre zum Brustkrebsscreening und entdecken in ihrem Gespräch mit der Patientin noch Informationslücken (Prävalenz, Sensitivität, Spezifität). In einer anschließenden Recherchephase in Kleingruppen werden diese Informationslücken geschlossen und ein Beratungsplan mit der Darstellung von natürlichen Häufigkeiten für die folgende Patientin erarbeitet. In der Folgeszene mit einer anderen Simulationspatientin wird die verbesserte Form der Risikokommunikation ausprobiert und in einer anschließenden Feedback-Runde aufgearbeitet. Abschließend erhalten die Studierenden die neue Brustkrebs-Broschüre der Kooperationsgemeinschaft Mammographie zum Vergleich.


Literatur

1.
Kiesler und Auerbach. Optimal matches of patient preferences for information, decision-making and interpersonal behavior: evidence, models and interventions. Patient Education and Counseling. 2006;61(3):319-41
2.
Edwards et al. Personalised risk communication for informed decision making about taking screening tests. Cochrane Database Syst Rev. 2006;4:CD001865
3.
Sarfati et al. Does the frame affect the picture? A study into how attitudes to screening for cancer are affected by the way benefits are expressed. J Med Screen. 1998;5(3):137-40.
4.
Edwards et al. Presenting risk information--a review of the effects of “framing” and other manipulations on patient outcomes. J Health Commun. 2001;6(1):61-82.