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Evidenz und Entscheidung: System unter Druck
10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

05.03. - 07.03.2009 in Berlin

Fortbildungsveranstaltungen als Chance zur Implementierung evidenzbasierten Handelns in der Sprachtherapie

Meeting Abstract

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Evidenz und Entscheidung: System unter Druck. 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 05.-07.03.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09ebmP3.1

DOI: 10.3205/09ebm049, URN: urn:nbn:de:0183-09ebm0493

Veröffentlicht: 4. März 2009

© 2009 Ullrich et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Fortbildungsveranstaltungen zählen in der evidenzbasierten Praxis zu den potentiellen Evidenzquellen, aus denen Therapeuten Informationen über die "beste, externe, wissenschaftliche Evidenz aus externer Forschung" [1] ziehen können. Im Gegensatz zu Fachartikeln als Evidenzquelle haben Fortbildungsveranstaltungen den Vorteil, dass komplexe wissenschaftliche Inhalte in praxisrelevanter Form auf die Bedürfnisse im therapeutischen Alltag zugeschnitten präsentiert werden können [2].

In der Diagnostik phonologischer Störungen bieten Verfahren basierend auf nichtlinearen phonologischen Theorien eine evidenzbasierte Grundlage für den sprachtherapeutischen Interventionsprozess [3].

Methoden

Zur Identifikation von Faktoren für einen erfolgreichen Wissenstransfer und zur Überprüfung der Hypothese, dass eine intensive Schulung eine effektive Möglichkeit des Wissenstranfers im Hinblick auf die Implemetierung komplexer linguistischer Analysen bietet, wurden 60 Sprachtherapeuten in der Anwendung des Diagnostikverfahrens NILPOD geschult, das ein constraintbasiertes nichtlineares Analysemodell implementiert [4].

Die Datenerhebung erfolgte zunächst durch eine schriftliche Evaluation der Fortbildung. Des Weiteren erhielten die Therapeuten vier transkribierte Sprachproben phonologisch auffälliger Kinder, die sie mit Hilfe des Diagnostikverfahrens NILPOD auswerten sollten. Überprüft wurde die prozentuale Beurteilerübereinstimmung im Hinblick auf die Auswertungsergebnisse, die als implizite Quelle für den Nachweis eines erfolgreichen Wissenstranfers herangezogen werden kann.

Ergebnisse

Insgesamt beurteilten die Therapeuten sowohl die inhaltliche und didaktische Konzeption der Fortbildungsveranstaltung als auch ihre Relevanz für ihren therapeutischen Alltag als äußerst positiv.

Des Weiteren konnte eine signifikante Übereinstimmung der Auswertungsergebnisse für alle identifizierten Kategorien nachgewiesen werden, die auf die intensive Schulung zurückgeführt werden können

Schlussfolgerung/Implikation

Die Ergebnisse bestätigen den Wert von Fortbildungsveranstaltungen als effektives Mittel des Wissenstransfers zwischen Forschung und Praxis. Die von den Therapeuten angeführten formalen und inhaltlichen Verbesserungsvorschläge sollen genutzt werden, um das didaktische Konzept zukünftiger Fortbildungen zu optimieren und damit den Nutzen derselben als Evidenzquelle zu stärken.


Literatur

1.
Sackett DL, Rosenberg WMC, Gray JAM, Haynes RB, Richardson WS. Evidence based medicine: what it is and what it isn't. BMJ. 1996;312:71-2.
2.
Reilly S. The challanges of making speech pathology practice evidence based. Advances in Speech-Language Pathology. 2004;6(2):113-24.
3.
Bernhardt B, Stemberger JP. Workbook in Nonlinear Phonology for Clinical Application. Austin: Pro-Ed; 2000.
4.
Ullrich A, Bernhardt BM. Nichtlineare phonologische Diagnostik (NILPOD). Köln: ProLog; (in Vorbereitung).