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104. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e. V. (DOG)

21. - 24.09.2006, Berlin

Die Entwicklung der Ptosis-Chirurgie

The Development of the Ptosis Surgery

Meeting Abstract

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  • J. Herde - Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Martin-Luther-Universität Halle

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V.. 104. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Berlin, 21.-24.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dogFR.13.03

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dog2006/06dog246.shtml

Veröffentlicht: 18. September 2006

© 2006 Herde.
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Gliederung

Text

Das Herabsinken des oberen Augenlides – Phalangosis, Porlapsus palpebrarum superioris, Blepharoptosis, Atonia palpe-bralis, Ptosis – war im Mittelalter und bei den Arabern bekannt. Bartisch, Fabricius Ab Aquapendente, Scultetus, Boerhaave u.a. empfahlen für die Behandlung dieser Erkrankung das Aufwärtshalten des Lides manuell, mit Fäden, Heftpflaster bzw. mit speziellen Klammern. Nach Boerhaave handele es sich weniger um eine Lähmung als um eine Fasererschlaffung. Wegen der bis auf die durch Erkrankungen am äußeren Auge wie Tumoren, Blutungen, Oedem, Gewebswucherungen, fehlerhafte Erregung des M. lev. palp. weitgehend unklar gebliebenen Ursachen ließ eine adäquate Therapie lange auf sich warten. Die Klammer bestand in einem an ein Brillengestell im rechten Winkel angebrachtem Ring oder einer Hornplatte.

Die erste Dissertation „De lapsu palpebrae superioris“ datiert von Oettinger, Tubing 1771. Von August Gottlieb Richter wurde eine Schrift von 1789 überliefert.

Erste chirurgische Maßnahmen wurden in Form von Hautausschneidungen vorgenommen. A.v.Graefe exzidierte Haut- und M. orbicularis-Gewebe mit dem Hinweis, den M. levator palp. zu kürzen, wenn gleich er selbst damit keinen Erfolg erzielte. Die Hautausschneidung hat sich für ausgewählte Situationen bis in die Neuzeit erhalten.

Den entscheidenden ersten Schritt unternahm William Bowman 1857 mit der posterioren konjunktivalen Levatorkürzung. Er gab ebenfalls die Empfehlung für den anterioren transkutanen Zugang. Eversbusch, O. führte 1883 die erste transkutane Levatorkürzung durch. Seit der Zeit wurden zahlreiche Variationen der Kürzung des lidhebenden Muskels und auch des Müller-Muskels sowohl transkutan als auch konjunktival vorgenommen. (Wolff 1896, v. Blaskovics 1909, Agatson 1942, Berke 1952, 1959, Iliff 1954, Putterman und Urist 1979 u.a.)

Die zweite grundlegende Ptosisoperationsart – die Augenbrauen- bzw. Frontalissuspension – führte Dransart 1880 mit nicht resorbierbaren Fäden, ein. Die Anzahl der Fäden, die Art des Nahtmaterials, die Fadenführung, die Verwendung der verschiedensten Materialien für die Suspension - deepithelisierte Hautlappen (Panas 1886), Muskelstreifen (Reese 1924), Fascia lata (Payr 1909, Wright 1922, Derby 1928, Crawford 1956), Collagen-Streifen (Iliff 1963), Silikonbänder (Tillett/Tillett 1966, Callahan 1972), Sklerastreifen (Bodian 1968) – wurden mehrfach abgewandelt.

Weitere Verfahren stellen die Tarsusausschneidung mit oder ohne Müller- u./o. Levator-Muskel dar. Die Tarsektomie wurde primär zur Korrektur trachombedingter Lidstörungen vorgenommen (Stallard 1811, Bowman 1850). Die wichtigsten Methoden wurden von P.L.Gillet de Grandmont 1891, Gruening 1902, Marple 1903. Blaskovics (1909), Fasanella-Servat (1961), Iliff (1976) entwickelt.

Das Verfahren von Fasanella-Servat erfreute sich großer Beliebtheit, insbesondere durch die Favorisierung von Beard. Hervoet und Tessier(1956) kombinierten die posteriore Tarsusexzision mit einer anterioren Haut-Muskelresktion.

Weitere Verfahren stellen die Resektion eines Lidstreifens in voller Dicke (Restivo-Manfridi und Valvo (1966), Mc Cord (1975), Mustardé (1975), verschiedene Methoden der M. rectus superior –Transposition (Motais und Parinaud 1897, Dickey 1936, Wheeler 1939, Berke 1949 und Trainor 1975 sowie viele Abwandlungen dieser Operationstechniken dar.

Um die moderne Weiterentwicklung der Ptosis-Chirurgie haben sich Beard, Boergen, Collin, Jones, Jordan und Anderson, Put-terman und Urist u.a verdient gemacht. Die unterschiedlichen Operationsmethoden haben sich in Abhängigkeit der Ursache der Ptosis, des Ausmaßes und der Gesamtsituation bis heute erhalten, wenngleich bei den Muskelverkürzungen sich der anteriore Zugang ohne zusätzlicheTarsusverstümmelung und ohne sekundäre konjunktivale Probleme mehr und mehr durchgesetzt hat. Die Entwicklung der Ptosis-Chirurgie ist zu einem großen Teil eine Story von Ideen, Versuchen, Enthusiasmus sinkendem Enthusiasmus und Entmutigung (Beard 1976).