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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Versorgungssituation der Negative Pressure Wound Therapy (NPWT) an einer Unfallchirurgischen Universitätsklinik – Entwicklungen von 2004 – 2010

Meeting Abstract

  • presenting/speaker David Stenger - Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Homburg, Germany
  • Hans Smola - Paul Hartmann AG, Heidenheim, Germany
  • Daniela Kaspar - Paul Hartmann AG, Heidenheim, Germany
  • Tim Pohlemann - Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Homburg, Germany
  • Jörg H. Holstein - Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Homburg, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocGR21-867

DOI: 10.3205/12dkou511, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou5111

Veröffentlicht: 2. Oktober 2012

© 2012 Stenger et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Unterdrucktherapie nimmt mittlerweile einen festen Stellenwert in der Versorgung komplexer Wundsituationen ein. Sie ist besonders geeignet, Wunden rasch und effizient über die Induktion von Granulationsgewebe für nachfolgende Prozeduren zu konditionieren. Der Effizienz der Unterdrucktherapie steht ein nicht unerheblicher Ressourcenaufwand entgegen. Erstaunlicherweise gibt es kaum Studien zur Unterdrucktherapie, die die Entwicklung dieses Therapieverfahrens über die letzten Jahre untersuchen.

Methodik: Es erfolgte eine Datenbankauswertung der Operationsdaten aus den Jahren 2004, 2007 und 2010. Analysiert wurden Operationen mit dem Prozedurenschlüssel '5-916.A*'. sowie dem Freitext '*VAC*' in der Prozedur. Die erhobenen Daten wurden sowohl hinsichtlich der Erhebungszeitintervalle (2004 vs. 2007 vs. 2010) als auch hinsichtlich des Patientenkollektivs (NPWT-Patientenkollektiv vs. Gesamt-OP-Patientenkollektiv) miteinander verglichen (Chi-square Test, Two-way Anova, Holm-Sidak). Zielgrößen waren Alter, Geschlecht, Anzahl der Operationen pro Patient, Krankenhausverweildauer, Schnitt-Naht-Zeit, Infektionsgrad und Tage bis zur ersten OP nach Aufnahme.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Insgesamt wurden 8780 Operationen ausgewertet. Die Anzahl der NPWT-Eingriffe in den untersuchten Zeiträumen stieg signifikant an (2004: 303, 2007: 663, 2010: 823; p<0,001). Im Jahr 2010 machten NPWT-Eingriffe 27% aller Eingriffe aus. Das mittlere Alter des NPWT-Patientenkollektivs war 2010 signifikant höher als 2004 (2004: 46,4±0,5 Jahre, 2007: 47,5±0,5 Jahre, 2010: 49,6±0,5 Jahre; p=0,01). Des Weiteren zeichnete sich das NPWT-Patientenkollektiv verglichen mit dem Gesamt-OP-Patientenkollektiv durch einen signifikant größeren Anteil septischer Eingriffe aus (62,7% vs. 8,8%; p<0,001). Hochsignifikant erhöht war die Verweildauer der Patienten mit Unterdrucktherapie verglichen mit dem Gesamt-OP-Patientenkollektiv (2004: 31,9±1,9 Tage vs. 14,9±0,4 Tage, 2007: 29,0±1,3 Tage vs. 14,3±0,4 Tage, 2010: 33,3±1,3 Tage vs. 15,3±0,4 Tage; p<0,001). Die Häufigkeitsverteilung des ersten NPWT-Eingriffs war zweigipfelig. Ein erster Gipfel war an den Tagen 0 und 1 zu beobachten, der zweite Gipfel zwischen dem 10. und 20. Tag. Die Schnitt-Naht-Zeit ist bei den NPWT-Eingriffen signifikant kürzer (2004: 0:41±0:03 Stunden vs. 1:13±0:01 Stunden, 2007: 0:39±0:02 Stunden vs. 1:09±0:01 Stunden, 2010: 0:41±0:02 Stunden vs. 1:15±0:01 Stunden; p<0,001).

Die Studie hat gezeigt, dass die Anzahl der NPWT-Eingriffe in den vergangen Jahren beträchtlich zugenommen hat und trotz relativ kurzer Schnitt-Naht-Zeiten einen großen Anteil der OP-Kapazitäten einnimmt. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Weiterentwicklung der Unterdrucktherapie unter dem Gesichtspunkt einer Therapieverkürzung einen großen Einfluss auf den Ressourceneinsatz in einer unfallchirurgischen Klinik haben kann.