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21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie

10. bis 12.09.2004, Freiburg/Breisgau

Untersuchungen zur Anatomie des Ramus posterior des Nervus recurrens und seiner Beziehung zum Musculus interarytaenoideus

Vortrag

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  • author presenting/speaker Rolf Schiel - Abteilung Phoniatrie/Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland
  • author Arno Olthoff - Universität Göttingen, Phoniatrie und Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland
  • author presenting/speaker Eberhard Kruse - Abteilung Phoniatrie/Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP. Freiburg/Breisgau, 10.-12.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgppV02

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2004/04dgpp02.shtml

Veröffentlicht: 9. September 2004

© 2004 Schiel et al.
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Zusammenfassung

Einleitung: Der N. recurrens versorgt mit seinem ventralen Ast (R. anterior) den M. thyreoarytaenoideus externus und den M. thyreoarytaenoideus internus (M. vocalis). Die Versorgung der dorsalen Kehlkopfmuskulatur (M. cricoarytaenoideus posterior und M. interarytaenoideus) durch die dorsalen Äste des N. recurrens (R. posterior) wird in der Literatur uneinheitlich dargestellt.

Material und Methoden: An 10 Kehlköpfen (fixiert in 4% Formalin) wurden die dorsalen Ästen mikroskopisch präpariert.

Ergebnis: Nach Abgabe kurzer Äste zum M. cricoarytaenoideus posterior gabelt sich der N. recurrens kranial des Cricothyreoidgelenkes in den Ramus anterior und in den Ramus posterior. Dieser verläuft unterhalb des M. cricoarytaenoideus posterior auf der Ringknorpelplatte nach kranial und endet im M. interarytaenoideus endolaryngeal. Bei allen Kehlköpfen fanden wir eine bilaterale Versorgung des unpaaren M. interarytaenoideus.

Diskussion: Die Versorgung der dorsalen Kehlkopfmuskulatur durch den N. recurrens wird in der Literatur unterschiedlich dargestellt. Wir fanden in allen Fällen eine Aufzweigung des N. recurrens in einen Ramus anterior und einen Ramus posterior. Der Ramus posterior versorgte bilateral den unpaaren M. interarytaenoideus. Inwieweit sich diese Doppelinnervation auf glottische Restbeweglichkeiten z.B. bei einseitigen Lähmungen des N. recurrens auswirkt, wurde bislang nicht beschrieben


Text

Einleitung

Der N. recurrens versorgt in Übereinstimmung mehrerer Autoren mit einem ventralen Ast (Ramus anterior) den M. cricoarytaenoideus lateralis (ligamentärer Schließer der Glottis) und den M. thyreoarytaenoideus internus (Feinspanner der Stimmlippen) [1], [2].

Dagegen wird die Versorgung der dorsalen Kehlkopfmuskulatur - M. cricoarytaenoideus posterior (Öffner der Glottis) und M. interarytaenoideus (hinterer Schließer der Glottis) - durch dorsale Äste des N. recurrens in der Literatur unterschiedlich dargestellt. Nach LANG [1], [2] werden beide dorsalen Kehlkopfmuskeln vom dorsalen Ast (Ramus posterior) des N. recurrens versorgt. Dagegen fanden SANUDO et al. [4] komplexe Anastomosen zwischen dem ventralen Ast des N. recurrens und dem Ramus internus des N. laryngeus superior zur Versorgung des M. interarytaenoideus. LEMERE [3] wies daraufhin, dass alle inneren Kehlkopfmuskeln unilateral vom N. recurrens versorgt werden mit Ausnahme des M. interarytaenoideus, der eine bilaterale Versorgung aufweist.

Material

An 10 Kehlköpfen (fixiert in 4% Formalin) wurden beidseits (20 Hemilarynges) sowohl der Ramus internus des N. laryngeus superior als auch der N. laryngeus inferior recurrens mit seinen ventralen und dorsalen Ästen operationsmikroskopisch (Fa. Zeiss, Jena) unter Verwendung ohrmikrochirurgischen Instrumentariums präpariert.

Ergebnis

Nach Abgabe von ein bis zwei kurzen Ästen zum M. cricothyreoideus posterior gabelt sich der Hauptstamm des N. recurrens in allen untersuchten 20 Hemilarynges (100%) kranial des Cricothyreoidgelenkes in den Ramus anterior, der von hier aus endolaryngeal verläuft, und in den Ramus posterior. In 11 Fällen (55%) wurde der Ramus posterior durch Zusammenfluß von zwei bis vier Ästen des Hauptstammes des N. recurrens gebildet. Der Ramus posterior verläuft unterhalb des M. cricoarytaenoideus posterior auf der Ringknorpelplatte nach kranial zum M. interarytaenoideus. Er endet nach Abgabe kurzer Seitenäste in den Muskel submukös am Oberrand des M. interarytaenoideus endolaryngeal. Bei allen Kehlköpfen (100%) fanden wir eine bilateral-symmetrische Versorgung des unpaaren M. interarytaenoideus [Abb. 1] ohne Überschreitung der Mittellinie. In einem Fall fand sich eine Anastomose zwischen Seitenästen des Ramus posterior mit Ästen der dritten Astgruppe des Ramus internus des N. laryngeus superior.

Diskussion

Die Versorgung der dorsalen Kehlkopfmuskulatur durch den N. recurrens wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Im Gegensatz zu anderen Autoren [2], [4] fanden wir in allen Fällen (100%) nach Abgabe einiger kurzer Muskeläste zum M. cricoarytaenoideus posterior eine Aufzweigung des N. recurrens in einen Ramus anterior und einen Ramus posterior. Die Versorgung des M. thyreoarytaenoideus und des M. cricoarytaenoideus lateralis erfolgt durch den Ramus anterior, während der Ramus posterior nur den unpaaren M. interarytaenoideus zu versorgen scheint. Die bilaterale Versorgung des M. interarytaenoideus könnte ein Hinweis auf eine ursprünglich paarige Anlage des Muskels sein. Inwieweit diese Doppelinnervation sich auswirkt auf glottische Restbeweglichkeiten bei einseitigen Lähmungen des N. recurrens, wurde bislang nicht beschrieben und bleibt weiteren klinischen Beobachtungen vorbehalten.


Literatur

1.
Lang J, Fischer K, Nachbaur S, Meuer HW (1986) Über den Verlauf und die Zweige des N. Laryngeus recurrens, der A. thyreoidea inferior und der A. laryngea inferior. Gegenbaurs morph Jahrb 132:617-643
2.
Lang J, Nachbaur S, Fischer K (1986) Nn. Laryngei, Verzweigungen im Kehlkopfinneren. Gegenbaurs morph Jahrb 132:723-736
3.
Lemere F (1933) Innervation of the larynx (III) Experimental paralysis of the laryngeal nerve. Arch Otolaryngol 18(4):413-424
4.
Sanudo JR, Maranillo E, Leon X, Mirapeix RM, Orus C, Quer M (1999) An anatomical study of anastomoses between the laryngeal nerves. Laryngoscope 109:983-987