gms | German Medical Science

50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

08.10.- 10.10.2009, Tübingen

Weichteilnekrose am Daumen nach lokaler Intoxikation mit Dieffenbachie Sekret

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Ursula Mirastschijski - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Hannover, Deutschland
  • Reinhild Schnabel
  • Wolfgang Schneider
  • Peter Vogt
  • Michael Naumann
  • Thilo Kähne

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Tübingen, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgh65

DOI: 10.3205/09dgh65, URN: urn:nbn:de:0183-09dgh655

Veröffentlicht: 5. Oktober 2009

© 2009 Mirastschijski et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Fragestellung: Nach Hautkontakt mit einem Tropfen Dieffenbachien Sekretes am Daumenendglied traten starke Schmerzen auf, die trotz intensiver Spülung der Wunde nicht rückläufig waren. Nach 5 Tagen fand sich eine vollständigen Weichteilnekrose des Daumenendgliedes mit radiologisch nachweisbarer Osteolyse des Nagelkranzes. Es stellte sich die Frage nach der Ursache der Weichteil- und Knochennekrose und therapeutischen Möglichkeiten zur Eindämmung des Geschehens.

Methodik: Der Pflanzensaft wurde mit Gelatin-Zymographie, einem Kollagen-Abbau-Assay und Massenspektrometrischen Methoden untersucht. Die Patientin wurde operativ versorgt mit ausgedehntem Debridement und Defektverschluss mit einem gestielten, dorsalen Metacarpalarterienlappen nach Hilgenfeldt.

Ergebnisse: Der postoperative Verlauf war komplikationslos, weitere Nekrosen oder Osteolysen waren nicht nachzuweisen. 12 Monate postoperativ besteht eine gute Beweglichkeit des Daumens, die Sensibilität ist wieder hergestellt. Biochemische Analysen und Massenspektrometrische Untersuchungen des Dieffenbachie Sekrets konnten eine 95 kDa Protease nachweisen, die der mammalischen Matrix Metalloproteinase-3 ähnelt. Im Kollagen Degradationsassay und in der Gelatin Zymographie zeigten sich sowohl kollagenolytische als auch gelatinolytische Eigenschaften dieser Protease.

Schlussfolgerung: Bei Kontakt mit dem giftigen Pflanzensekret der Dieffenbachie und anschließenden Hautveränderungen ist eine schnelle und radikale chirurgische Intervention notwendig, um große Gewebsnekrosen zu vermeiden. Bei bestehendem Defekt am Daumenendglied hat sich die Defektdeckung durch einen gestielten Insellappen nach Hilgenfeldt bewährt. Hautkontakt mit Pflanzensaft der Dieffenbachie sollte vermieden werden.