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50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

08.10.- 10.10.2009, Tübingen

Prognosebestimmende Kettenverletzung von Handgelenk und Unterarm beim Polytrauma

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Marcel Betsch - Universitätsklinikum Düsseldorf, Unfall- und Handchirurgie, Düsseldorf, Deutschland
  • Joachim Windolf
  • Michael Schädel-Höpfner

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Tübingen, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgh59

DOI: 10.3205/09dgh59, URN: urn:nbn:de:0183-09dgh596

Veröffentlicht: 5. Oktober 2009

© 2009 Betsch et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Handverletzungen kommen in einer Häufigkeit von bis zu 25% bei schwerverletzten Patienten vor. Aufgrund der Vorrangigkeit der lebensbedrohlichen Verletzungen werden Hand- und Unterarmverletzungen jedoch häufig in der Diagnostik nur unvollständig erfasst oder als weniger bedeutend angesehen.

Methodik: Ein 28-jähriger Patient erlitt durch einen Sturz aus 8 Metern Höhe ein Polytrauma mit Beckenfraktur und proximaler Femurfraktur. Zusätzlich wurde im Rahmen der Primärdiagnostik eine Mehretagenverletzung des rechten Armes mit humero-ulnarer Luxation, Radiuskopftrümmerfraktur, offener mehrfragmentärer Ulnafraktur und Instabilität des distalen Radioulnargelenkes festgestellt.

Ergebnisse: Nach Durchführung der Primärdiagnostik erfolgte umgehend die operative Versorgung des Patienten. Die proximale Femurfraktur wurde durch einen intramedullären Kraftträger mit Gelenkkomponente versorgt, die Beckenfraktur stellte sich als stabil dar und wurde konservativ behandelt. Intraoperativ bestätigten sich die komplexe ossäre und ligamentäre Instabilität des Ellenbogengelenkes und die distale radioulnare Instabilität mit Zerreißung der Membrana interossea. Unter Durchleuchtung zeigte sich zusätzlich eine zuvor nicht diagnostizierte, transskaphoidale perilunäre Handwurzelluxationsfraktur. Angepasst an das ausgedehnte Verletzungsausmaß musste eine mehrzeitige operative Versorgung vorgenommen werden. Primär erfolgte die Plattenosteosynthese der Ulna, die Resektion des Radiuskopfes und die Anlage eines gelenkübergreifenden Fixateur externe. Sekundär wurden eine Radiuskopfprothese implantiert, das DRUG transfixiert und die Handwurzelverletzung durch Skaphoidverschraubung, Bandrekonstruktion und Transfixation versorgt.

Bei der Nachuntersuchung ein Jahr nach dem Unfall war der Patient bezüglich der Becken- und Femurfraktur beschwerdefrei. Am rechten Arm gab der Patient nur geringe Schmerzen an. Jedoch zeigten sich deutliche Bewegungseinschränkungen im Bereich des Ellenbogens (Ext/Flex 0-30-80°, Pro/Sup 55-0-50°) und des Handgelenkes (Ext/Flex 50-0-20°).

Schlussfolgerung: Bei schwerverletzten Patienten darf neben der Versorgung vital bedrohlicher Verletzungen die Erkennung und frühzeitige Versorgung von peripheren Extremitätenverletzungen nicht vernachlässigt werden. Insbesondere Frakturen und Luxationen im Bereich der Hand und des Unterarmes bedürfen einer frühzeitigen umfassenden Diagnostik und optimalen Behandlung. Als Minimaldiagnostik ist ein Röntgen der betroffenen Extremitätenabschnitte und der angrenzenden Gelenke in zwei Standardebenen zu fordern. Gerade bei Hochrasanztraumen sollte zusätzlich bedacht werden, dass es durch die sehr großen Gewalteinwirkungen, wie in unserem Beispiel gezeigt, zu untypischen und nur sehr schwer zu klassifizierbaren und therapierbaren Kettenverletzungen im Bereich der Hand und des Unterarmgelenkes kommen kann. Langfristig bestimmen diese Verletzungen die Extremitätenfunktion und Lebensqualität häufig so nachhaltig, dass sie die Folgen der primär lebensgefährdenden Läsionen dominieren.