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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Chirurgische Behandlung der Sigmadivertikulitis: Frühelektive vs. spätelektive Operation. Warum lange warten?

Meeting Abstract

  • Henry Hoffmann - Universitätsspital Basel, Departement für Chirurgie, Basel
  • Salome Dell-Kuster - Universitätsspital Basel, Institut für klinische Epidemiologie und Biostatistik Basel, Basel
  • Christoph Kettelhack - Universitätsspital Basel, Departement für Chirurgie, Basel
  • Jörg Genstorfer - Universitätsspital Basel, Departement für Chirurgie, Basel
  • Igor Langer - Kantonsspital Bruderholz, Bruderholz
  • Rachel Rosenthal - Universitätsspital Basel, Departement für Chirurgie, Basel
  • Daniel Oertli - Universitätsspital Basel, Departement für Chirurgie, Basel
  • Oleg Heizmann - Universitätsspital Basel, Departement für Chirurgie, Basel

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch787

DOI: 10.3205/11dgch787, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch7870

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Hoffmann et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Auf der Basis der bisher publizierten Studien ist der optimale Operationszeitpunkt für die Sigmadivertikulitis in Relation zum akuten Krankheitsbeginn unklar. Hintergrund unserer Studie war der Vergleich zwischen frühelektiver und spätelektiver Resektion nach dem akuten Divertikulitisschub.

Material und Methoden: Zwischen 2005-2009 wurden insgesamt 237 Patienten, welche eine laparoskopische Rekto-Sigmoid-Resektion bei akuter Divertikulitis erhielten, einer retrospektiven Analyse unterzogen. Es wurde zwischen der frühelektiven (innerhalb von max. 20 Tagen in der gleichen Hospitalisation) und der spätelektiven Operation (nach 6-8 Wochen in einer zweiten Hospitalisation) unterschieden. Einschlusskriterien waren Alter über 18 Jahre und akute Divertikulitis (Hinchey 0 – II, Hansen-Stock I-III). Primäre Messgröße waren die „in hospital complications“ nach der Clavien-Dindo-Klassifikation, sekundär wurden schwere chirurgische Komplikationen, Konversionsrate und die Operationszeit analysiert.

Ergebnisse: Von 237 Patienten (m=123, 52%; w=114, 48%) wurden 81 (34%) frühelektiv und 156 (66%) spätelektiv operiert. Das Durchschnittsalter betrug 60 Jahre (SD 13). Die Hospitalisationsdauer bis zur Operation betrug bei der frühelektiven Gruppe durchschnittlich 9 Tage (interquartile range, IQR 7-11). Die Hospitalisationszeit postoperativ betrug in beiden Gruppen 8 Tage (IQR 6-10). Die Operationsdauer betrug frühelektiv 220 min (SD 64) und spätelektiv 202 min (SD 48). Die Konversionsraten lagen frühelektiv bei 9% und spätelektiv bei 3% (p = 0.070). Die „in-hospital-complications“ waren gemäß der Clavien-Dindo-Klassifikation in beiden Gruppen vergleichbar mit einer Risikodifferenz von 2% (95% CI -11%; 14%). In der frühelektiven Gruppe kam es in 11.1% und in der spätelektiven Gruppe in 13.5% zu schweren chirurgischen Komplikationen (OR 0.8, 95% CI: 0.36; 1.82, p = 0.606).

Schlussfolgerung: Bezüglich der „in-hospital-complications“, der schweren chirurgischen Komplikationen, der postoperativen Hospitalisationszeit und der Operationsdauer waren die frühelektive und die spätelektive Gruppe vergleichbar. Der leicht erhöhten Konversionsrate der frühelektiven Gruppe steht der Vorteil einer einmaligen Hospitalisation mit insgesamt kürzerer Hospitalisationszeit und niedrigeren Behandlungskosten entgegen. Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen den Trend einer frühelektiven Resektion bei akuter, umkomplizierter Divertikulitis.