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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Antibiotikatherapiesteuerung mittels Procalcitoninmessungen

Meeting Abstract

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  • Hans-Bernd Reith - Klinikum Konstanz, Chirurgische Klinik I, Konstanz

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch710

DOI: 10.3205/11dgch710, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch7107

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Reith.
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Gliederung

Text

Einleitung: Antibiotika gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln auf Intensivstationenund werden vielfach zu häufig, zu lange und gelegentlich auch ohne Indikation verordnet. Bei unklaren febrilen Zustanden, die auf Breitbandantibiotika nicht ansprechen, wird über eine empirische Antimykotikatherapie nachgedacht. Eine Möglichkeit, die Indikation für eine Antibiotikatherapie besser einzugrenzen und den Zeitpunkt, wann eine Antibiotikatherapie wieder beendet werden kann, präziser zu definieren, bietet der Labormarker Procalcitonin (PCT). Die regelmäßige PCT-Bestimmung wird auch in Zukunft ärztliche Kompetenz nicht ersetzen, kann jedoch zu einem bewussteren Umgang mit Antibiotika im Krankenhaus beitragen.

Material und Methoden: Anhand der Datenlage aktueller Studien zur diesen Fragen und eigenen Ergebnissen aus den Verlaufsdaten von chirurgischen Intensivpatienten wird die Bedeutung von zusätzlichen bestimmungen des Procalcitonins unterstrichen.

Ergebnisse: Folgendes klinisches Vorgehen zur Antibiotikatherapie und/ oder Begrenzung hat sich ergeben: klinische Zeichen der Infektion, PCT Werte über 0,5 ng/ml = starker Konsenz zur Antibiotikatherapie. Im Verlauf bei Rückgang der Werte auf kleiner 0,5 ng/ml oder unter 20% des Spitzenwertes Entscheidung zum Absetzen der Antibiotika. Eine Studie von Bouadma et.al. aus Frankreich konnte an 621 Patienten dieses signifikant zeigen (Abbildung 1 [Abb. 1]). Die klinischen Ergebnisse von mehr als 50 kritisch kranke Intensivpatienten in den letzten Jahren werden dargestellt.

Schlussfolgerung: Insgesamt zeigen die Studien, dass

1.
PCT zur Diagnose einer bakteriellen Infektion bei spezifischen Subgruppen von Intensivpatienten eingesetzt werden kann,
2.
ein Therapiemonitoring mit PCT auch bei Intensivpatienten zur Bewertung des Therapieerfolgs und eine patientenindividuelle Entscheidung über eine Beendigung der Antibiotikatherapie eingesetzt werden kann, ohne Nachteile für das Outcome.
3.
Für die praktische Anwendung sollte die Interpretation der PCT-Werte und die daraus abzuleitenden Entscheidungen immer im klinischen Kontext erfolgen. Dazu gehört auch die Berücksichtigung von Faktoren, die zu unspezifischen PCT-Anstiegen führen können bzw. die Interpretation von Situationen, die trotz vorliegender Infektion von zunächst niedrigen PCT-Werten gekennzeichnet sind.

Literatur

1.
Bouadma L, et al. Use of procalcitonin to reduce patients' exposure to antibiotics in intensive care units (PRORATA trial): A multicentre randomised controlled trial. Lancet. 2010;375:463-474.