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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Antikoagulation und Antiaggregation nach Gefäßeingriffen: Was ist evidenzbasiert?

Meeting Abstract

  • Hendrik Bergert - Universitätsklinikum Dresden, Klinik für VTG-Chirurgie, UniversitätsGefäßCentrum, Dresden
  • Gabor Gäbel - Universitätsklinikum Dresden, Klinik für VTG-Chirurgie, UniversitätsGefäßCentrum, Dresden
  • Stefan Ludwig - Universitätsklinikum Dresden, Klinik für VTG-Chirurgie, UniversitätsGefäßCentrum, Dresden
  • Hans Detlev Saeger - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Dresden
  • Norbert Weiss - Universitätsklinikum Dresden, Bereich Angiologie, UniversitätsgefäßCentrum, Dresden

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch638

DOI: 10.3205/11dgch638, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch6389

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Bergert et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Umfragen innerhalb der gefäßchirurgischen Abteilungen in Deutschland haben gezeigt, dass in der Praxis die Thrombozytenfunktionshemmung und orale Antikoagulation nach peripheren Gefäßeingriffen mehr nach zentrumspezifischen Erfahrungen als nach evidenzbasierten Daten eingesetzt werden. Ziel der vorliegenden Analyse ist die Darstellung einer optimalen individuellen Therapiestrategie nach Gefäßeingriffen entsprechend der aktuell vorliegenden Studienlage.

Material und Methoden: Basierend auf der eigenen Erfahrung wurde eine systematische Analyse der vorliegenden aktuellen Literatur (PubMed und Medline) zur Reverschlussprophylaxe nach den Kriterien von „evidence based medicine“ vorgenommen. Die daraus gewonnenen Therapiestrategien werden seit 2 Jahren im eigenen Patientengut konsequent angewendet. Die kurzfristig erreichten Ergebnisse der Sekundärprophylaxe in dieser Patientengruppe wurden dann einem früheren Patientenkollektiv aus den Jahren 2000 bis 2008 statistisch gegenübergestellt.

Ergebnisse: Für die operativen aortoiliakalen und femoralen Rekonstruktionen besteht ein Evidenzgrad A hinsichtlich einer Thrombozytenfunktionshemmung (TFH) mit ASS oder Clopidogrel. Extraanatomische Bypässe werden mit OAK (oraler Antikoagulation) behandelt – Evidenzgrad C. Supragenuale Bypässe aus Kunststoff sollten eine TFH erhalten - Evidenzgrad A. Patienten mit Venenbypässen profitieren mehr von einer OAK – Evidenzgrad B. Gelenküberschreitende Kunststoffbypässe haben eine deutlich bessere Offenheitsrate unter doppelter TFH als unter OAK - Evidenzgrad B. Beim Venenbypass „at risk“ ist eine Kombinationstherapie von OAK mit TFH (ASS) überlegen – Evidenzgrad B.

Nach peripheren Interventionen (PTA/Stent) ist die Datenlage ungünstiger und kann fast ausschließlich nur von den Ergebnissen nach Koronarinterventionen abgeleitet werden: Evidenzgrad A besteht lediglich für eine TFH nach peripherer PTA, offen bleibt wann und wie lange Kombinationstherapien von ASS plus Clopidogrel erfolgen sollten. Relative Übereinstimmung besteht beim Stent infraininguinal - hier sollte eine Ladungsdosis von Clopidogrel 300 mg, gefolgt von Clopidogrel plus ASS für 6 Wochen erfolgen, längerfristig dann eine TFH-Monotherapie.

Schlussfolgerung: Anhand dieser Therapiestrategie konnte im eigenen Patientengut die Rate an verschlussbedingten Gefäß - Reoperationen signifikant gesenkt werden, zugunsten jedoch einer höheren Rate an Serviceinterventionen (-operationen), um die Bypassfunktion zu erhalten.