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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Intraoperative laparoskopische Infrarot-Perfusionsmessung kolorektaler Anastomosen

Meeting Abstract

  • Hamed Esnaashari - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Thomas Jungbluth - UKSH, Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Ralf Bouchard - UKSH, Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Tilman Laubert - UKSH, Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Uwe-Johannes Roblick - UKSH, Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck
  • Hans-Peter Bruch - UKSH, Campus Lübeck, Klinik für Chirurgie, Lübeck

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch549

DOI: 10.3205/11dgch549, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch5494

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Esnaashari et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die ungestörte Heilung kolorektaler Anastomosen ist die suffiziente Durchblutung. Gravierende Perfusionsstörungen führen zur Anastomoseninsuffizienz und den damit verbundenen Komplikationen. Die ICG-Fluoreszenz-Bildgebung ermöglicht die intraoperative Beurteilung der Gewebeperfusion. Sie ist bereits aus der offenen Chirurgie bekannt. Unter Einsatz eines für die Fluoreszenz-basierte Darstellung der Gewebeperfusion modifizierten Laparoskopie-Systems der Firma Olympus wurde die Perfusion kolorektaler Anastomosen visualisiert.

Material und Methoden: Das eingesetzte Nahinfrarot-Videosystem zur Bildgebung der Gewebeperfusion in der minimal-invasiven Chirurgie kann die Fluoreszenz des Farbstoffs Indozyaningrün (ICG-Pulsion, Pulsion®) mit Hilfe eines Lichtfilters selektiv darstellen. Zur Durchführung der Untersuchung wurde ICG-Pulsion mit einer Dosis von 0,5 mg/kg Körpergewicht intravenös appliziert. Mittels Nahinfrarot-Licht wurde der Farbstoff beim Durchströmen des Gewebes zur Fluoreszenz angeregt und abgebildet. Beurteilt wurde die primäre Perfusionsphase des Gewebes und die Darstellung der Darmwandgefäße.

Ergebnisse: Die Prozedur wurde bei 52 Patienten nach Vollendung der Anastomose intraoperativ durchgeführt (exakte Daten des Kollektivs sind in der Tabelle 1 [Tab. 1] wiedergegeben). Bei allen Patienten gelang die intraoperative, laparoskopische ICG-Perfusionsmessung. Bei keinem Patienten traten medikamentenbedingte, unerwünschte Nebenwirkungen auf. In 51 Fällen konnten wir eine regelrechte Perfusion beobachten (siehe Bilddatei A-D [Abb. 1]). In einem Fall zeigte sich nach Fertigstellung der Descendorektostomie in der IR-Bildgebung keine Perfusion des proximalen Anastomosenendes, obgleich makroskopisch keine Zeichen der Durchblutungsstörung vorlagen (siehe Bilddatei E-F [Abb. 1]). Als Konsequenz wurde eine Diskontinuitätsresektion durchgeführt. Eine postoperative Anastomoseninsuffizienz trat in dem untersuchten Kollektiv nicht auf.

Schlussfolgerung: Das leicht zu bedienende Infrarot-System ermöglicht die direkte, laparoskopische Perfusionskontrolle von Gewebe durch eine ICG-Infrarotangiographie. Das System kann zur intraoperativen Beurteilung in der kolorektalen Chirurgie wichtige Hinweise über die proximale und distale Anastomosendurchblutung liefern und damit das chirurgisch-laparoskopische Vorgehen wegweisend beeinflussen. In unserer Klinik mit über 3000 laparoskopischen kolorektalen Resektionen wird dieses Verfahren jetzt zur Routinekontrolle kolorektaler Anastomosen eingesetzt.