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128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

03.05. - 06.05.2011, München

Selektive interne Radiotherapie bei chemotherapie-refraktären kolorektalen Lebermetastasen – eine prospektive Single-Center Analyse

Meeting Abstract

  • Michael R. Schön - Städtisches Klinikum Karlsruhe, Klinik für Abdominal- und Visceralchirurgie, Karlsruhe
  • Martin Binnenhei - Städtisches Klinikum Karlsruhe, Klinik für Onkologie, Karlsruhe
  • Ingo Scheppers - Städtisches Klinikum Karlsruhe, Klinik für Radiologie, Karlsruhe
  • Tobias Jakobs - Ludwig-Maximilians-Universität, Institut für klinische Radiologie, München
  • Ralf-Thorsten Hoffmann - Ludwig-Maximilians-Universität, Institut für klinische Radiologie, München
  • Alexander Haug - Ludwig-Maximilians-Universität, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, München
  • Peter Reimer - Städtisches Klinikum Karlsruhe, Klinik für Radiologie, Karlsruhe
  • Klaus Tatsch - Städtisches Klinikum Karlsruhe, Klinik für Nuklearmedizin, Karlsruhe

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 03.-06.05.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgch254

DOI: 10.3205/11dgch254, URN: urn:nbn:de:0183-11dgch2547

Veröffentlicht: 20. Mai 2011

© 2011 Schön et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Hepatische Metastasen treten >1/3 der Patienten mit kolorektalem Karzinom auf und sind signifikanter prognose-limitierender Faktor. Die Mehrzahl der Patienten entwickelt im Laufe der systemischen Chemotherapiebehandlung therapierefraktäre Tumore. Das mediane Überleben dieser Patienten beträgt <6 Monate. Ziel der Studie war es die Toxizität und onkologischen Langzeiteffekte einer selektiven internen Radiotherapie (SIRT) bei Patienten mit irresektablen chemotherapierefraktären kolorektalen Lebermetastasen zu evaluieren.

Material und Methoden: Prospektiv gesammelte Daten von 67 zwischen 2007 und 2010 mit SIRT behandelten Patienten wurden analysiert. Einschlusskriterium war Tumorprogress bei Versagen der Dritt- oder Mehrlinien Chemotherapie. Das radiologische Ansprechen wurde mittels PET/CT und MRT gemäß RECIST Kriterien und die Toxizität mittels CTCAE-Kriterien evaluiert. Kaplan-Meier Überlebens-Analyse und Cox-Regressionsanalyse wurden zur statistischen Auswertung verwendet.

Ergebnisse: Vierundsechzig Patienten (73% männlich; medianes Alter 65 Jahre) wurden mit Y-90 SIR-Spheren (mediane Aktivität 1.9 GBq) behandelt. Es gab keine interventionsbedingte Mortalität. Toxizitäten CTCAE Grad 3/4 traten bei 7.4% der Patienten auf (Cholezystitis n=3, Ulcus ventriculi n=2). Fatigue und Schmerzen stellten die Mehrzahl der CTCAE Grad 1/2 Toxizitäten dar. Nach 3.1 Monaten medianen Follow-Up betrug das mediane Überleben 9.6 Monate. Partiales Ansprechen wurde bei 23% (n=15), stable disease bei 67% (n=43) und ein Tumorprogress bei 9% (n=6) der Patienten diagnostiziert. Das radiologische Ansprechen und der post-interventionelle Abfall des CEA-Spiegels unabhängige prognostische Faktoren für das Gesamtüberleben. Das mediane Überleben betrug 27.3 Monate bei Patienten mit partialem Ansprechen versus 4.1 Monaten bei Patienten mit Tumorprogress (p=0.0001). Patienten mit einer Abnahme des CEA-Spiegels hatten ein signifikant verlängertes medianes Überleben verglichen zu Patienten ohne Änderung des CEA-Spiegels (medianes Überleben 18.1 vs.4.9 Monate) auf (p=0.0001).

Schlussfolgerung: Selektive interne Radiotherapie ist bei Patienten mit therapierefraktären irresektablen kolorektalen Lebermetastasen eine sichere Behandlungsoption mit geringer Toxizität. Das radiologische Ansprechen und der post-interventionelle Abfall des CEA-Spiegels stellen unabhängige prognostische Faktoren für das Gesamtüberleben dar. Der Stellenwert der SIRT zum Down-Staging vor Leberresektion wird derzeit in einer eigenen prospektiven Studie untersucht.