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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Die Zervikale spinale Rückenmarksstimulation (cSCS) bei neuropathischen Zervikobrachialgien sowie Beispiele erweiterter Indikationsstellungen

Meeting Abstract

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  • R. Reichart - Klinik für Neurochirurgie, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, Deutschland
  • author J. Walter - Klinik für Neurochirurgie, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, Deutschland
  • R. Kalff - Klinik für Neurochirurgie, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10979

DOI: 10.3205/09dgch742, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch7427

Veröffentlicht: 23. April 2009

© 2009 Reichart et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die epidurale Rückenmarksstimulation (SCS) dient der Behandlung chronischer, neuropathischer Schmerzen durch elektrische Stimulation der Hinterstränge. Somit ist eine direkte Beeinflussung der afferenten nozizeptiven als auch der efferenten sympathischen Transmission peripherer und zentraler Bahnsysteme möglich. Das Stimulationsergebnis besteht in der Maskierung des schmerzhaften Areals durch angenehme Kribbelparästhesien. Durch neuromodulatorische Prozesse kann im Langzeitverlauf auch eine stimulationsunabhängige Schmerzreduktion beobachtet werde.

Material und Methoden: Neben der zervikalen Rückenmarksstimulation (cSCS) zur Behandlung neuropathischer Zervikobrachialgien werden 3 Beispiele seltenerer cSCS-Indikationen vorgestellt.

Ergebnisse: Entsprechend des Therapieregimes erfolgt bei Patienten, bei denen die Indikation zur Anlage einer cSCS gestellt wurde, zunächst eine externer Stimulation für 5–7 Tage. Im Rahmen eines Wacheingriffes wird eine Stabelektrode bis HWK2-3 vorgeschoben und durch Lageanpassung das beste Stimulationsergebnis gesucht. Ist bei komplexen Stimulationsanforderungen oder ausgeprägter Lageabhängigkeit die Implantation einer Plattenelektrode notwendig, erfolgt dies in Vollnarkose. Bei einer Schmerzreduktion > 50% erfolgt die Implantation des permanenten Stimulators. I.) cSCS bei neuropathischen Zervikobrachialgien: In den letzten 3 Jahren haben wir 26 cSCS-Systeme bei neuropathischen Zervikobrachialgiesyndromen implantiert. Indikationen waren jeweils anhaltende und therapierefraktäre radikuläre Schmerzen. In 22 Fällen gingen Operationen aufgrund von zervikalen Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenosen voraus. In 2 Fällen lagen Frakturen mit postoperativ persistierenden Beschwerden vor. In 2 Fällen wurde bei Zervikobrachialgien primär eine cSCS angewandt. Im jeweils durchgeführten, mind. 1-jährigen Follow-up wurde eine Schmerzreduktion von 65% (+/- 10%) erreicht. II.) cSCS bei Läsion des Plexus brachialis: Durch einen Motorradunfall erlitt der Patient eine Zerreißung peripherer Anteile des rechten Plexus brachialis. Der Arm war plegisch mit einer Schmerzverteilung über mehrere Dermatome und einer ausgeprägten vegetativen Begleitkomponente. Nach cSCS kam es zu einer Schmerzreduktion um 70% auf der VAS und einer signifikanten Rückbildung der vegetativen Störungen. III.) cSCS bei axillärer Postzosterneuralgie: Entscheidend für den Stimulationserfolg bei Postzosterneuralgie ist eine erhaltende Restsensibilität im betroffenen Dermatom. In diesem Fall litt die Patientin unter neuropathischen Schmerzen nach Zosterinfektion im rechten Axilla-Bereich. Durch cSCS wurde eine anhaltende Schmerzlinderung von 75% erreicht. IV.) cSCS bei Ulnaris-Neuropathie: In diesem Fall einer Ulnaris-Neuropathie gingen aufgrund eines SUS bereits 4 lokale Eingriffe mit mehrfacher Nerventransposition voraus, so dass wir uns gegen eine lokale periphere Stimulationssonde und für eine C7-C8-cSCS entschieden. Die Schmerzreduktion wurde mit mehr als 65% angegeben.

Schlussfolgerung: Wie gezeigt wurde, stellt die cSCS ein Erfolg versprechendes Verfahren in der Behandlung neuropathischer zervikaler Radikulopathien und peripherer Neuropathien dar. Es wurde jeweils eine Schmerzreduktion um mehr als 50% erreicht. Implantationsbedingte Komplikationen traten nicht auf. Trotzdem sollte aufgrund des erhöhten perioperativen Risikos die Implantation epiduraler Stimulationssonden in Höhe des Zervikalmarks nur spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben.