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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Interdisziplinäre Therapie der Beckenbodeninsuffiziens

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Wilhelm - Chirurgie/Koloproktologie, Deutsche Klinik Für Diagnostik GmbH, Wiesbaden
  • W. Merkle - Urologie, Deutsche Klinik für Diagnostik GmbH, Wiesbaden
  • D. Gründler - Gynäkologie, Deutsche Klinik für Diagnostik GmbH, Wiesbaden
  • L. Duschka - Chirurgie/Koloproktologie, Deutsche Klinik Für Diagnostik GmbH, Wiesbaden

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10695

DOI: 10.3205/09dgch663, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch6636

Veröffentlicht: 23. April 2009

© 2009 Wilhelm et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Beckenbodeninsuffiziens der Frau ist ein komplexes Problem, welches Auswirkungen auf die drei Kompartimente des kleinen Beckens hat. Die alleinige Fokussierung auf einen Teilaspekts des Beckenbodens kann nicht den gewünschten therapeutischen Erfolg haben und führt langfristig zu unnötigen Folgeeingriffen und –kosten. Deshalb erfordert die Behandlung der Beckenbodenschwäche eine enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgen, Urologen und Gynäkologen. In unserer Klinik wird dieses interdisziplinäre Konzept schon seit Jahren verfolgt. Interdisziplinäre, synchrone Operationen sind an der Tagesordnung. Folgend möchten wir das Vorgehen und die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit präsentieren

Material und Methoden: Retrospektive Analyse der Patientendaten der Deutschen Klink für Diagnostik GmbH von 2004–2007. Anhand einer exakten Anamnese muss sowohl die chirurgische Problematik der Beckenbodenschwäche (Inkontinenz, Entleerungsstörung) als auch die urologische (Inkontinenz, Entleerungsstörung) und gynäkologischen Symptomatik (Gebärmutter- und Vaginalprolaps) erfassen. Dem anschließen muss sich eine differenzierte klinische und apparative Diagnostik der einzelnen Fachbereiche (Defäkographie, anorektale Manometrie und Endosonographie, Sphinkter-EMG, Urodynamik, Cystogramm, dynamisches Beckenboden-MRT)

Ergebnisse: Von 2004–2007 wurden insgesamt 216 Patienten einer interdisziplinären Operation zugeführt. Dabei stieg die Anzahl im Verlauf der Jahre auf nahezu das doppelte an. Führend waren die chirurgisch-urologischen Operationen (n=121). Zunehmend wurde synchron aber auch von allen drei Fachgebieten operiert (n=25). Typische Operationen waren chirurgisch die Resektionsrektopexie, die Faszienzügelplastik und Kolosuspension bei den Urologen sowie die Adnexektomie, Hysterektomie und Vaginorotundopexie bei den Gynäkologen. Bei einer weitaus größeren Anzahl an Patienten konnte allerdings die exakte Anamnese und Diagnostik operationsbedürftige Begleitbefunde ausschließen und konservativ behandelt werden.

Schlussfolgerung: Der Beckenboden ist nicht die „Spielwiese“ eines einzelnen Fachgebiets. In der Regel liegen komplexe klinische Symptome vor, welche genauestens evaluiert werden müssen. Die Unkenntnis oder die Ignoranz der Probleme der jeweils anderen beiden Kompartimente kann deshalb zu einem Therapieversagen führen, welches für den Patienten eine unnötige Belastung darstellt und Folgekosten aufwirft. Aus unserer Sicht stellt deshalb der interdisziplinäre Ansatz (am Besten in einem Beckenbodenzentrum) den Goldstandard der Behandlung dar. Die Erlössituation bei synchronem operativem Vorgehen muss allerdings noch geklärt werden.