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126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Elektronenmikroskopische Untersuchungen der ösophagealen Wandstrukturen bei Patienten mit Achalasie: detaillierte Betrachtung ungeklärter Aspekte der Pathogenese

Meeting Abstract

  • corresponding author I. Gockel - Klinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland
  • J.R.E. Bohl - Institut für Neuropathologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland
  • V.F. Eckardt - Fachbereich Gastroenterologie, Deutsche Klinik für Diagnostik Wiesbaden, Wiesbaden, Deutschland
  • M. Müller - Fachbereich Gastroenterologie, Deutsche Klinik für Diagnostik Wiesbaden, Wiesbaden, Deutschland
  • T. Junginger - Klinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland
  • C. Sommer - Institut für Neuropathologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland
  • H. Lang - Klinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10901

DOI: 10.3205/09dgch549, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch5497

Veröffentlicht: 23. April 2009

© 2009 Gockel et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Ätiologie und Pathogenese der Achalasie ist weiter ungeklärt und scheint bei verschiedenen Patienten relevant unterschiedlich zu sein. Bisher konnte kein gemeinsames ätiologisches Agens identifiziert werden. Als primäre Ursache wurde bislang eine definitive Erkrankung der glatten Muskelzellen in Betracht gezogen, desweiteren wurden ein chronischer pathologischer Prozess des peripheren autonomen Nervensystems und eine spezielle Erkrankung der interstitiellen Cajal-Zellen angenommen. Die bisher beobachteten pathologischen Alterationen könnten auch potentiell die Folge eines chronischen inflammatorischen Prozesses sein, der durch immunologische Reaktionen getriggert wird. Ziel unserer Studie war eine detaillierte Betrachtung ungeklärter Aspekte der Pathogenese bei der Achalasie mittels elektronenmikroskopischer Untersuchungen der ösophagealen Wandstrukturen.

Material und Methoden: Muskelbiopsien der Hochdruckzone des distalen Ösophagus wurden bei Patienten, die wegen einer Achalasie in unserer Klinik operativ behandelt wurden (laparoskopische / offene Heller-Myotomie oder Ösophagusresektion), entnommen. Die frischen Muskelbiopsien wurden in Glutaraldehyd fixiert, in Epoxyharz eingebettet und anschließend als Semidünn- und Ultradünnschnitte für elektronenmikroskopische Untersuchungen verwandt. Die Semidünnschnitte wurden nach Richardson gefärbt. Ultradünnschnitte wurden mit Uranylazetat und Bleizitrat kontrastiert. Die Photographien wurden mit einem digitalisierten Elektronenmikroskop (ZEISS, Leo 905) aufgenommen. Es handelte sich um 12 Patienten mit einem medianen Alter von 38 (6–78) Jahren. Die Dauer der präoperativen Symptome lag bei 3,5 (0,25–26) Jahren und der mediane Eckardt-Score betrug 6,5 (4–9).

Ergebnisse: 1. Es fand sich eine Vermehrung des interstitiellen Bindegewebes und einer damit verbundenen diffusen Vernarbung der glatten Muskelschichten und der umgebenden adventitiellen und submukosalen Bindegewebe. Dieses Phänomen könnte das Resultat eines chronischen oder rezidivierenden interstitiellen Ödems sein, induziert bzw. initiiert durch einen inflammatorischen Prozess oder durch einen disseminierten Verlust der glatten Muskelzellen. 2. Es stellte sich ein ausgeprägter Verlust von Nervenzellkörpern des myenterischen Plexus sowie der autonomen unmyelinierten Nervenfasern zwischen den glatten Muskelschichten dar. Neben einer chronischen inflammatorischen Reaktion in der Nähe der Auerbach’schen Ganglionzellen und in der Region der kleinen peripheren Nervenfaszikel zeigten sich degenerative Veränderungen des intrinsischen Nervensystems ohne Zeichen einer inflammatorischen Reaktion. 3. Ein auffallender Befund war die große Anzahl der Mastzellen in der Umgebung der glatten Muskelzellschichten sowie im umgebenden Bindegewebe und in der engen Nachbarschaft zu Nervenzellen und -fasern. Diese Mastzellen fanden sich teilweise in einem akuten aktivierten Stadium, da viele ihrer Granula in einem weiten umgebenden Areal verteilt waren. Die glatten Muskelzellen in dieser Region färbten sich deutlich weniger intensiv und zeigten akute degenerative Prozesse.

Schlussfolgerung: Mastzellen spielen in der Pathogenese der Achalasie offensichtlich eine bedeutende Rolle, wie in den elektronenmikroskopischen Untersuchungen gezeigt werden konnte. Sie sind durch dicht gepackte, runde Granula in ihrem Zytoplasma charakterisiert, die große Mengen an Histamin und Heparin enthalten, welche durch eine unspezifische Irritation freigesetzt werden können. Mit der Ausschüttung von Histamin agieren diese Zellen bei der Abwehr mikrobieller Infektionen, bei der glattmuskulären Kontraktion sowie bei der hyperergischen und allergischen Reaktion gegen multiple potentielle Auslöser, die möglicherweise über den Ösophagus aufgenommen werden. Diese Substanzen können möglicherweise zunächst eine unspezifische inflammatorische Reaktion der Mastzellen sowie weitere immunologische Elemente triggern, die zu der beobachteten Dysfunktion der glatten Muskelzellen und assoziierten strukturellen Alterationen führen.