gms | German Medical Science

126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Schilddrüsenkarzinome nach Radiatio im Halsbereich bei Kindern und Jugendlichen: Multifokalität und Lymphknotenmetastasierung erfordern eine radikale Therapie

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author H.G. Hotz - Chirurgische Klinik I, Campus Benjamin Franklin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • E. Schellhaas - Chirurgische Klinik I, Campus Benjamin Franklin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • D. Schnabel - Institut für pädiatrische Endokrinologie, Campus Virchow-Klinikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • H.J. Buhr - Chirurgische Klinik I, Campus Benjamin Franklin, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch10972

DOI: 10.3205/09dgch459, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch4598

Veröffentlicht: 23. April 2009

© 2009 Hotz et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Eine Bestrahlung der Halsregion bei Kindern und Jugendlichen ist ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung einer späteren Schilddrüsenneoplasie, wobei die in der Literatur berichtete Inzidenz eine Schwankungsbreite zwischen 0,5 und über 30 Prozent aufweist. Das zeitliche Fenster zwischen der Radiatio und dem Auftreten der Schilddrüsenneoplasie wird zwischen 5 und 30 Jahren angegeben. Wir stellen 3 Fälle von jungen Patienten mit Schilddrüsenkarzinomen nach Bestrahlung der Halsregion vor, die von uns operiert wurden.

Material und Methoden: Bei einem 12-jährigen Jungen war 6 Jahre nach Radiatio wegen eines Morbus Hodgkin ein sonographisch echoarmer, 40 mm großer Knoten im rechten Schilddrüsenlappen aufgefallen, der punktionszytologisch einen malignitätsverdächtigen Befund aufwies. Ein 14-jähriges Mädchen mit akuter myeloischer Leukämie hatte vor 13 bzw. 12 Jahren zur Vorbereitung von allogenen Knochenmarkstransplantationen jeweils eine hochdosierte Radiatio erhalten; aktuell waren sonographisch in der kleinen Schilddrüse beidseits diffuse echoarme Veränderungen sowie ein 8 mm großer Herdbefund links kranial aufgefallen. Schließlich wurde bei einer 20-jährigen Patientin im Rahmen einer Kontrolle 3 Jahre nach Radiatio wegen eines Morbus Hodgkin sonographisch ein 10 mm großer echoarmer und hyperperfundierter Knoten im linken Schilddrüsenlappen festgestellt.

Ergebnisse: Bei dem 12-jährigen Jungen bestätigte der intraoperative Schnellschnitt den Karzinomverdacht, so daß eine Thyreoidektomie mit zentraler Lymphknotendissektion beidseits erfolgte. Die definitive Histologie ergab ein 40 mm großes follikuläres Karzinom rechts sowie eine Lymphknotenmetastase rechts zentral. Das 14-jährige Mädchen wies bilaterale papilläre Mikrokarzinome (rechts 1 mm, links 0,7 mm) ohne Lymphknotenfiliae auf; auch hier erfolgte eine Thyreoidektomie mit zentraler Lymphadenektomie. Bei der 20-jährigen Patientin wurden ebenfalls beidseits papilläre Mikrokarzinome gefunden (links 9 mm, rechts 1 mm), wobei links zentral auch ein Lymphknoten befallen war. Hier war zunächst eine Hemithyreoidektomie links mit linksseitiger zentraler Lymphknotendissektion erfolgt, der ein Tag später nach Erhalt der Eilschnittdiagnose die Restthyreoidektomie mit zentraler Lymphknotendissektion rechts folgte. Bei allen Patienten war der Verlauf ohne Morbidität unauffällig; bei den beiden Patienten mit Lymphknotenfiliae wurde eine Radiojodtherapie im Anschluß geplant.

Schlussfolgerung: 1. Schilddrüsenkarzinome nach Radiatio der Halsregion können mit kurzer zeitlicher Latenz, bereits nach 3 Jahren auftreten. 2. Das Auftreten von bilateralen Karzinomherden und zentralen Lymphknotenmetastasen selbst bei Mikrokarzinomen legen eine Thyreoidektomie mit zervikozentraler Lymphknotendissektion als sinnvolles Resektionsausmaß nahe. 3. Eine adäquate sonographische Nachkontrolle kann kleine Karzinomherde entdecken, die klinisch noch inapparent sind. 4. Patienten mit Radiatio der Halsregion im Kindes- und Jugendalter bedürfen einer regelmäßigen Nachkontrolle der Schilddrüse.