gms | German Medical Science

126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

28.04. - 01.05.2009, München

Operationskurs am narkotisierten Schwein – ein praxisorientiertes Lehrkonzept

Meeting Abstract

  • corresponding author C. Brockschmidt - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Ulm
  • S. Paschke - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Ulm
  • A. Hillenbrand - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Ulm
  • N. Huber - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Ulm
  • D. Henne-Bruns - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Ulm

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 28.04.-01.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgch11381

DOI: 10.3205/09dgch281, URN: urn:nbn:de:0183-09dgch2812

Veröffentlicht: 23. April 2009

© 2009 Brockschmidt et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Seit 1991 gehen die Bewerberzahlen für das Gebiet Chirurgie kontinuierlich zurück. Um diesem Trend entgegenzuwirken und bei den StudentInnen das Interesse für dieses Fachgebiet wieder zu verstärken, wird in der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Ulm seit dem Wintersemester 05/06 ein neuer Wahlpflichtkurs angeboten.

Material und Methoden: In diesem derzeit bundesweit einzigartigen Kurs mit der Bezeichnung „Praktischer Operationskurs am tierischen Gewebe und am lebenden Schwein“ ist es möglich, neben der abstrakten chirurgischen Theorie den StudentInnen das eigenverantwortliche Arbeiten am Operationssitus zu vermitteln.

Ergebnisse: Die StudentInnen erlernen unter Anleitung von AssistenzärztInnen und jungen FachärztInnen Operationsschritte am lebenden, narkotisierten Schwein selbstständig durchzuführen. Um dieses zu gewährleisten ist der didaktische Aufbau des Kurses so gewählt, dass die KursteilnehmerInnen über einem Zeitraum von 16 Unterrichtseinheiten zunächst das chirurgische Knoten sowie die unterschiedlichen Nahttechniken am Modell und anschließend das Durchführen der Haut- und Darmnaht am Schweinefuß und Schweinedarm trainieren. Da quasi jeder Studierende „seine“ Operation am vitalen Schwein möglichst eigenständig durchführen möchte ist die Bereitschaft bei den „Trockenübungen“ ausgesprochen hoch.Am Operationstag können die StudentInnen zunächst selbstständig die Narkose (unter Anleitung erfahrender Anästhesisten) ausführen. Danach stehen jedem KursteilnehmerInnen vier Stunden zur Verfügung, in denen die vorbereiteten Operationen (zu denen die Cholezystektomie, Ileostomaanlage, Dünndarmresektion, offene Einlage von zentralen Kathetern und viele weitere gehören) in Zusammenarbeit mit seinem Tutor durchgeführt werden. Kommt es im Verlauf der Operation zu Komplikationen (z.B. Blutungen), ist zunächst der verantwortliche Assistenzarzt gefordert dieses Problem selbstständig zu lösen. Der immer anwesende und sowohl klinisch als auch tierexperimentell erfahrende Oberarzt ist daher eher als ein Begleiter für Fragen anzusehen und steht im Anschluss für die Manöverkritik zu Verfügung, greift aber normalerweise nicht ins Geschehen ein. Der Lerneffekt für die jungen ChirurgInnen ist dabei immens, da seine verantwortungsvolle Assistenz bei diesen Operationen ihn auf zukünftige Aufgaben im Operationsalltag vorbereitet.

Schlussfolgerung: Rückblickend auf die ersten sechs Semester kann eine positive Bilanz gezogen werden: Das Ziel die StudentInnen stärker für die Chirurgie zu interessieren wurde erreicht. Dies verdeutlichen sowohl die weit über die zur Verfügung stehenden Kursplätze hinausgehenden Anmeldungen, als auch die deutlich über dem Klinikumsdurchschnitt liegenden positiven Bewertungen dieses Kurses im Vergleich zu den chirurgischen sowie den anderen Wahlpflichtfächern. Zudem ergab die interne Befragung der TutorInnen ein deutlich erhöhtes Sicherheitsgefühl für selbstständiges Handeln im Operationsalltag.