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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Die sympathische Reflexdystrophie als seltene Folge einer stealbedingten Minderperfusion der Hand nach arterio-venösem Dialyseshunt

Poster

  • presenting/speaker Thomas Schmandra - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • C. Ploss - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • R. Ritter - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • M. Tenholt - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • T. Schmitz-Rixen - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch1143

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch593.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Schmandra et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die sympathische Reflexdystrophie RSD -auch als komplexes klinisches Schmerzsyndrom CRPS I bekannt- stellt eine, den Patienten erheblich einschränkende, neuropathische Entität meist einer Extremität dar, wobei eine eigentliche Nervenläsion nicht vorliegt. Unter den vielfältigen Ursachen einer RSD ist die traumatische Genese (hier zumeist eine knöcherne Verletzung im Bereich des Handgelenkes) am häufigsten, jedoch sind auch vaskuläre Ursachen beschrieben. Wir möchten hier über die seltene Entstehung einer RSD der Hand im Anschluß an die Anlage eines arterio-venösen (a-v.) Dialysezugangs berichten.

Material und Methoden

Bei einem 75 jährigen Diabetes (Typ IIb)-Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz wurde im Januar 2003 eine linksseitige Brachialisfistel als dauerhafter Dialysezugang angelegt. Im September 2003 wurde uns der Patient aufgrund intermittierend auftretender, brennender Schmerzsensationen der linken Hand vorgestellt. Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich eine ausgeprägte dorsalseitig betonte, ödematöse Schwellung der linken Hand mit trophischen Veränderungen der Haut. Neben sensorischen Störungen im Sinne einer Hyperästhesie, lag eine Hypohidrosis sowie eine mechanische Allodynie der Hand vor. Der physiologische Tremor der betroffenen Hand war deutlich verstärkt. Radiologisch zeigte sich eine diffus-fleckige Demineralisation aller Handknochen im Sinne einer RSD. In der fachärztlichen neurologischen Untersuchung wurde eine nervale Verletzung ausgeschlossen und ebenfalls die Diagnose einer RSD gestellt. Duplexsonographisch diagnostizierten wir ein signifikantes Stealphänomen am Shuntarm, welches sich auch in einer Funktions-i.a. DSA des Shuntarmes mit Shuntkompression nachweisen ließ.

Ergebnisse

Wir führten bei dem Patienten aufgrund des vorliegenden signifikanten Stealphänomens zunächst ein DRIL (Distale Revaskularisation und Intervall-Ligatur)-Manöver am Shuntarm durch. Dabei wurde die A. brachialis unmittelbar distal der arterio-venösen Fistel ligiert und der Unterarm mittels Vena saphena magna-Bypass in reverser Technik revaskularisiert. Im weiteren Verlauf kam es bei weiterhin erhaltener Shuntfunktion mit stabilem Shuntvolumen (1150 ml/min) zu einer kontinuierlichen Rückbildung des ausgeprägten Handödems sowie einer deutlichen Besserung der weiteren Symptome der RSD. Eine krankengymnastische Beübung wurde eingeleitet und bisher gut toleriert.

Schlussfolgerung

Die RSD stellt eine seltene Komplikation (zwei Fälle in der Literatur) nach Anlage eines a-v. Dialysezugangs dar. Im vorgestellten Fall zeigte sich das klinische Bild der RSD nach DRIL-Manöver rückläufig, was einen direkten Zusammenhang zwischen der RSD-Entwicklung und einer (hier: stealbedingten) Minderperfusion im Handbereich belegen könnte. Tritt nach a-v. Fistelanlage eine unerklärliche Handschwellung auf, sollte differentialdiagnostisch an ein RSD gedacht werden. Eine Untersuchung der Handperfusion ist obligat.