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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Die Hemikorporektomie beim Narbenkarzinom im Decubitus als interdisziplinärer Maximaleingriff.

Poster

  • presenting/speaker Stefan Eggstein - Chirurgische Universitätsklinik Freiburg. Abt. Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Poliklinik
  • E. Dobschütz - Chirurgische Universitätsklinik Freiburg. Abt. Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Poliklinik
  • R. Horch - Chirurgische Universitätsklinik Erlangen. Abt. Pastische und Handchirurgie
  • S. Knöller - Chirurgische Universitätsklinik Freiburg. Abt. Orthopädie
  • W. Schultze-Seemann - Chirurgische Universitätsklinik Freiburg. Abt. Urologie
  • U.T. Hopt - Chirurgische Universitätsklinik Freiburg. Abt. Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Poliklinik

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch0723

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch525.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Eggstein et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Bei der Hemikorporektomie oder translumbaren Amputation wird die untere Körperhälfte mit dem knöchernen Becken, den Beckeneingeweiden, dem Genitale und den unteren Extremitäten nach Durchtrennung der Lendenwirbelsäule und des Spinalkanals entfernt. Seit Erstbeschreibung 1961 wurde über 44 Fälle in der Literatur berichtet. Inwieweit dieser radikale, verstümmelnde Eingriff gerechtfertigt ist, ist umstritten. Gegenstand der Arbeit ist die interdisziplinäre Planung und Durchführung der Hemikorporektomie und die postoperative Lebensqualität am Beispiel einer 46jährigen, paraplegischen Patientin mit einem Narbenkarzinom und chron. Beckenosteomyelitis in einem inkurablen Dekubitalulkus.

Material und Methoden

Die 46jährige Patientin war seit 1976 nach traumatischer Querschnittsläsion Th3/4 paraplegisch. Die Indikation zur Hemikorporektomie wurde gestellt, nachdem sich in einem ausgedehnten, chronischen Decubitus mit Beckenosteomyelitis ein hochdifferenziertes Plattenepithelkarzinom entwickelt hatte. Die Patientin, ihre Familie und die involvierten Klinikmitarbeiter/Innen wurden mit Hilfe von Literaturberichten und Bildern unter Einbeziehung des psychosomatischen Liaisondienstes auf die Operation und den zu erwartenden Folgezustand vorbereitet. Die Operation und postoperative Behandlung wurde in einem interdisziplinären Team mit Urologen, Orthopäden, plastischen Chirurgen und Anästhesisten unter Leitung der Allgemeinchirurgie geplant. Die Lebensqualität wurde mit Hilfe des Spitzer- und Bartel-Index erfasst.

Ergebnisse

Der Eingriff mit translumbarer Amputation in Höhe L4/5, Harn- bzw. Stuhlableitung über Ileumconduit bzw. Sigmoidostoma verlief unkompliziert. Die bekannten eingriffsspezifischen postoperativen Komplikationen, wie z.B. Lungenödem, ließen sich durch die vorausgehende Schulung vermeiden. Die Patientin wurde nach Anfertigung einer Bucket-Prothese mit abnehmbaren Beinteilen im Rollstuhl mobilisiert und 2 Monate postoperativ nach Hause entlassen. Sie wechselt ohne fremde Hilfe vom Bett in die Prothese und mit der Prothese in den Rollstuhl. Sie versorgt ihre Familie, verlässt täglich selbstständig die Wohnung zum Einkaufen und pflegt soziale Kontakte. Durch die Operation wurde eine höhere Lebensqualität als präoperativ mit den jauchig zerfallenden Decubitalulcera erreicht. Die Patientin ist jetzt ein Jahr postoperativ tumorfrei.

[Abb. 1]

Schlussfolgerung

Bei paraplegischen Patienten mit inkurablen Decubitalulcera und Narbenkarzinomen kann die Hemikorporektomie nicht nur Tumorfreiheit, sondern auch einen Zugewinn an Lebensqualität bedeuten. Durch interdisziplinäre Abstimmung in Planung, Durchführung und Rehabilitation ist der Eingriff erfolgreich durchführbar.