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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Postoperative milde Hypothermie induziert eine Hyperinflammation in septischen Ratten, die durch Prophylaxe mit dem Granulozyten- Kolonie stimulierendem Faktor (G-CSF) vermindert werden kann

Vortrag

  • presenting/speaker Artur Bauhofer - Institut für Theorestische Chirurgie, Marburg
  • S. Rühlmann - Institut für Theorestische Chirurgie, Marburg
  • W. Lorenz - Institut für Theorestische Chirurgie, Marburg
  • M. Middeke - Institut für Theorestische Chirurgie, Marburg
  • A. Torossian - Klinik für Anästhesie u. Intensivtherapie, Marburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch0766

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch289.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Bauhofer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Bei Patienten mit einer Peritonitis werden oft Maßnahmen wie Abdominalllavage und Reinterventionen zur Herdsanierung durchgeführt ohne auf eine Wärmeerhaltung zu achten. Wir untersuchten daher die Effekte einer postoperativen Hypothermie (32°C) auf den septischen Verlauf in Ratten und testeten in wieweit eine Prophylaxe mit G-CSF das Überleben, die Zytokinfreisetzung sowie die Phagozytoseaktivität von neutrophilen Granulozyten (PMN) verändert.

Material und Methoden

60 männliche Wistarratten wurden nach Anästhesie mit Fentanyl/DHB, i.v. Antibiotikaprophylaxe (Cefuroxim/Metronidazol 10/3,5 mg/kg), Laparotomie und peritonealer Kontamination und Infektion mit humanen Stuhlbakterien (PCI) randomisiert zu 1) Normothermie (38°C), 2)Hypothermie (32°C,1h, anschließend wiedererwärmt), oder 3) Hypothermie und G-CSF Prophylaxe (3x20 mg/kg Filgrastim). Primärer Endpunkt war die 120-Stunden-Überlebensrate, sekundäre Endpunkte waren die Plasma-zytokinspiegel von TNF-a, MIP-2 und IL-6 (ELISA) sowie die Phagozytosetätigkeit von PMNs (Flowzytometrie).

Ergebnisse

Mit Hypothermie überlebten nur 4/20 Tieren, hingegen mit Normothermie: 10/20 Tieren. Mit einer G-CSF Prophylaxe konnte die Überlebensrate auf 12/20 Ratten erhöht werden (p<0,05). Die postoperative TNF a- Freisetzung war nicht unterschiedlich. Hingegen waren die postoperativen MIP-2 Spiegel unterschiedlich mit 67±12 pg/ml in Normothermie, 240 ± 43 pg/ml in Hypothermie und 178 ± 21 pg/ml mit G-CSF (p<0,001). Die IL-6 Spiegel betrugen 100 ± 26 pg/ml in Normothermie, 511 ± 104 pg/ml in Hypothermie und 247 ± 52 pg/ml mit G-CSF (p<0,001). Die IL-6 Spiegel waren mit G-CSF signifikant niedriger als in Hypothermie allein (post hoc test, p<0,05). Die Leukozytenzahl stieg nach G-CSF Stimulation signifikant an (p<0,01). Die Phagozytoseaktivität der Granulozyten wurde durch G-CSF Prophylaxe nicht signifikant erhöht.

[Abb. 1]

Schlussfolgerung

Aufgrund der deletären, hyperinflammatorischen Effekte einer postoperativen Hypothermie sollten Patienten mit Peritonitis und abdominalchirurgischen Eingriffen perioperativ normotherm gehalten werden. Ist im Einzelfall eine Hypothermie unvermeidlich oder gar geplant, so ist die Gabe von G-CSF zur Verbesserung der Immunantwort ein vielversprechender Ansatz.