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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Anspruch und Wirklichkeit der Vakkumversiegelung: Indikationen, Therapieresultate und Wirkmechanismus

Vortrag

  • presenting/speaker Martin Koschnick - Klinik für Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt
  • G. Holle - Klinik für Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt
  • V. Shirvanian - Klinik für Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt
  • K. Exner - Klinik für Plastische Chirurgie, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Frankfurt

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch1145

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch268.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Koschnick et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Das Therapiekonzept von Vakuumverbänden beinhaltete als wesentliche Ziele die temporäre Bedeckung und Dekontamination einer Wunde. Besonders auffallend dabei ist die gute Granulation und Gefäßneubildung. Das Anwendungsspektrum der Verbandstechnik hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert und beinhaltet auch die Abdeckung von Transplantaten bis hin zur Lappenkonditionierung. Über die genauen physiologischen Mechanismen und die Perfusionsverbesserung, bzw. Neoangiogenese liegen keine Daten vor. Ziel der hier vorgestellten Untersuchungen ist es das Spektrum der Indikationen anhand eigener Anwendungsergebnisse aufzuzeigen und die Perfusionsveränderung von Extremitäten nach der Anwendung einer VAC-Theapie zu quantifizieren.

Material und Methoden

An 135 chronischen und frischen Wunden wurde eine Spalthauttransplantation durchgeführt und mit einem Vakuumverband bedeckt, wobei die chronischen Wunden vorab VAC unterstützt, zwischen 0-4 Wochen konditioniert und dekontaminiert wurden. 7 erweitert gehobene Trapeziuslappen wurden mit VAC konditionier und 3 Paraskapularlappen durch zusätzliche Haut und Knochentransplantation präfabriziert. Die Analyse der Perfusionverhältnise nach Vakuumverband erfolgte nach 3-tägiger VAC-Anwendung auf 10 chronische Wunden der Extremitäten unterschiedlicher Genese. Die Auswertung erfolgte nach Indocyanin-Grün-Injektion (0,5mg/kg/KG, λ 800nm) und Visualisierung durch ein IC-View System mit Ermittlung der maximalen ICG-Fluoreszenswerte.

Ergebnisse

Die Einheilungsrate von Spalthauttransplantaten nach Konditionierung von chronischen Wunden betrug 82%, die der akuten Wunden lag bei 94%. Insgesamt traten bei 8 Wunden (5,4%) Hypergranulationen auf. Der randomisiert vaskularisierte Anteil der erweitert gehobenen Trapeziuslappen konnte in allen Fällen erhalten werden. In die präfabrizierten Parascapularlappen heilten die Knochen und Hautanteile vollständig ein. Eine Randnekrose musste hier verzeichnet werden. Die Perfusionsanalyse zeigt eine deutliche Zunahme der regionalen Extremitätendurchblutung über die Wunde hinaus. Dabei erhöhte sich der vor der Therapie bestimmte maximale ICG-Fluoreszenzwert am Wundrand um 28% (5-60%) im Mittel. Patienten mit vorbestehender pAVK ein besonders gutes Ansprechen der VAC-Behandlung.

Schlussfolgerung

Neben der Wundkonditionierung und Dekontaminierung hat sich die Abdeckung von Spalthauttransplantaten, aber auch die Lappenkonditionierung und -Präformierung zu einem sicheren und Erfolg versprechendem Verfahren entwickelt. Die gute Neoangiogenese und die hier erstmals nachgewiesene regionale Perfusionserhöhung sind zwei Mechanismen, die bisher noch nicht in Ursache und Wirkung getrennt werden konnten. Diskutiert wird jedoch die Angiogeneseinduktion als Folge einer Erhöhung des O2 Gradienten mit folgender regionaler Perfusionsverbesserung.