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GMS Medizin — Bibliothek — Information.

Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen (AGMB)

ISSN 1865-066X

Medizinhistorische Buchbestände am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und ihre Entsäuerung

Historic collections of the Medical Library of the University Medical Center Hamburg-Eppendorf and their deacidification

Fachbeitrag

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  • corresponding author Melanie Kintzel - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Ärztliche Zentralbibliothek, Hamburg, Deutschland
  • Meike Knittel - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Ärztliche Zentralbibliothek, Hamburg, Deutschland
  • Tanja Krutky - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Ärztliche Zentralbibliothek, Hamburg, Deutschland

GMS Med Bibl Inf 2012;12(1-2):Doc08

DOI: 10.3205/mbi000244, URN: urn:nbn:de:0183-mbi0002446

Veröffentlicht: 6. September 2012

© 2012 Kintzel et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Zusammenfassung

Die Ärztliche Zentralbibliothek (ÄZB) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verfügt über bedeutende Spezialsammlungen. Der vorliegende Aufsatz informiert über die drei wichtigsten medizinhistorischen Spezialsammlungen und berichtet von den Aktivitäten im Bereich Bestandserhaltung, die die ÄZB in den vergangenen Jahren unternommen hat und aktuell durchführt, um die Bestände langfristig zu erhalten und die Zugänglichkeit zu verbessern.

Schlüsselwörter: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Ärztliche Zentralbibliothek, Spezialsammlung, Medizingeschichte, Bestandserhaltung, Buchentsäuerung

Abstract

The Medical Library of the University Medical Center Hamburg-Eppendorf holds considerable special collections. This article introduces the library’s three most significant collections of medical history and informs about recent activities in preservation aiming at preserving these collections in the long term as well as improving accessibility.

Keywords: University Medical Center, Medical Library, special collection, medical history, preservation, deacidification


Einleitung

Die Ärztliche Zentralbibliothek (ÄZB) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) stellt Ihren Nutzern ein umfangreiches Angebot elektronischer Publikationen bereit. Dies reicht von elektronischen Zeitschriften über Datenbanken und klinische Informationssysteme bis zu E-Books und Online-Prüfungstools. Dass in ihren Magazinräumen für die medizinische, insbesondere die medizinhistorische Wissenschaft und Forschung einmalige und wertvolle Spezialsammlungen bewahrt werden, rückt im digitalen Zeitalter eher selten ins Bewusstsein der Literatursuchenden. Nachfolgend werden zunächst die drei bedeutendsten Spezialsammlungen der ÄZB vorgestellt. Im Anschluss folgt ein Bericht über das Buchentsäuerungsprojekt der ÄZB im Rahmen eines hamburgweit angesiedelten Massenentsäuerungsprojektes, innerhalb dessen diese Sammlungen weitestgehend entsäuert wurden.


Spezialsammlungen der ÄZB

Der heute in der ÄZB befindliche historische Buchbestand entstammt größtenteils den 41 ehemaligen Klinik- und Institutsbibliotheken des früheren „Universitäts-Krankenhauses Eppendorf (UKE)“. Im Rahmen einer im Jahr 2000 durchgeführten Zentralisierung sämtlicher auf dem weitläufigen Gelände des Klinikums verstreuten Bibliotheken in einem eigens umgebauten Gebäude wurden viele medizinhistorisch bedeutsame Bücher an einem zentralen Ort zusammengeführt.

Medizingeschichte

Nach der Gründung in den 1960er Jahren begann Charles Lichtenthaeler, der erste Institutsleiter des Instituts für Geschichte der Medizin (IGM), mit Hilfe von Zuwendungen aus der Volkswagenstiftung medizinhistorische Quellen des 18. und 19. Jahrhunderts zu sammeln [1]. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf dem Gebiet der Hippokratischen Medizin, so dass heute in großem Umfang Schriften zu diesem Thema vorliegen. Aufgrund der Studien seiner Nachfolgerin Ursula Weisser zur Medizin im arabisch-islamischen Mittelalter erweiterten sich die Buchbestände um diesen Bereich. Der heutige Institutsleiter Heinz-Peter Schmiedebach richtet seine Forschung auf die Medizin des 18. bis 20. Jahrhunderts und den Bereich der medizinischen Ethik aus, so dass sich die Literaturerwerbung aktuell darauf konzentriert. Die Sammlung zur Medizingeschichte umfasst mehr als 11.000 Bände. Seit der Zentralisierung ist sie auf zwei Standorte im UKE verteilt. Das IGM, später aufgrund des erweiterten Forschungsschwerpunktes umbenannt in „Institut für Geschichte und Ethik der Medizin“ (IGEM), behielt als einziges Institut im UKE einen Teil seines ehemaligen Bestandes als Handapparat vor Ort.

Sexualforschung

Weitere bedeutsame medizinhistorische Monografien und z.T. seltene Zeitschriften stammen aus der ehemaligen Bibliothek des Instituts für Sexualforschung und Forensische Medizin. Neben dem Bibliotheksbestand des Instituts für Sexualwissenschaft in Frankfurt/Main, der heute in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Johann Wolfgang Goethe-Universität aufgestellt ist, bildet die in der ÄZB als Korpus erhaltene Sammlung (ca. 4.500 Bände) den größten Literaturbestand für die Sexualwissenschaft in Deutschland und zählt auch international zu den größten Sammlungen der Sexualwissenschaft. Der Bestand der ÄZB konzentriert sich auf die deutschsprachige Sexualwissenschaft am Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Psychiatrie

Der dritte sich in der ÄZB befindende bedeutsame Sonderbestand umfasst das Gebiet der Psychiatrie aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Den Grundstock dafür bildete der Bibliotheksbestand der Hamburger „Irrenanstalt Friedrichsberg“ (Abbildung 1 [Abb. 1]).

Diese Klinik war 1864 eröffnet worden und erfuhr ab 1908 unter dem ärztlichen Direktor Wilhelm Weygandt eine verstärkte wissenschaftliche Ausrichtung. Weygandt wurde 1919 als Erster auf das Ordinariat für Psychiatrie an der neu gegründeten Hamburger Universität berufen. 1934 beschloss der Hamburger Senat, die inzwischen in „Staatskrankenanstalt Friedrichsberg“ umbenannte Institution aus Kostengründen aufzugeben und die Psychiatrie auf das Gelände des 1889 gegründeten Eppendorfer Krankenhauses zu verlegen [2]. Der Bibliotheksbestand wurde von der Psychiatrischen Klinik des „Universitäts-Krankenhauses Eppendorf“ übernommen und systematisch ergänzt und erweitert. Im Rahmen der oben erwähnten Zentralisierung ging dieser wertvolle Psychiatrie-Bestand mit ca. 10.300 Bänden in den Besitz der ÄZB über und ist dort als Korpus – auch für die Bibliotheksbenutzer zugänglich – erhalten.

Neben den zu den klassischen Werken der Psychiatrie zählenden Monografien aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts enthält der Bestand fast alle relevanten deutschsprachigen und viele internationale Abhandlungen und Lehrbücher aus diesem Wissenschaftsgebiet. Hinzu kommen die wichtigen psychiatrischen Fachzeitschriften wie z.B. die „Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie“ (ab Gründung 1844) und das „Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten“ (ab Gründung 1868/69), die vollständig vorliegen. Außerdem sind in dieser historisch gewachsenen Bibliothek verschiedene, recht seltene Publikationen zur psychiatrisch-forensischen Gutachtertätigkeit aus dem 19. Jahrhundert vorhanden sowie frühe Arbeiten aus dem Wissenschaftsgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Korpusbestand repräsentiert eine in seiner Breite in Europa einzigartige psychiatriehistorische Bibliothek, die für Forschungsarbeiten zum Thema insbesondere deshalb unverzichtbar ist, weil sie einen Großteil der hierfür relevanten, aber sehr schwer zugänglichen oder nicht mehr beschaffbaren Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts enthält.


Das Entsäuerungsprojekt der ÄZB

Die drei Spezialsammlungen sind seit der Zentralisierung im Magazin der ÄZB aufgestellt, zwei von ihnen als Korpus, die Medizingeschichte zum Teil auch im Handapparat des IGEM. Da in der Zeit von 1840 bis 1990 im Buchdruck säurehaltiges Papier verwendet wurde, waren große Teile dieser Sammlungen gefährdet, zu zerfallen und unbrauchbar zu werden. Aufgrund der finanziellen und personellen Ausstattung der ÄZB erfahren die gedruckten Medien der ÄZB lediglich das präventive Standardprogramm hinsichtlich der Bestandserhaltung: neue Monografien und Lehrbücher werden entweder gebunden, verstärkt oder foliiert, Zeitschriften gebunden. Beschädigte Einbände älterer Bücher werden nach Möglichkeit selbst repariert oder neu eingebunden, wenn der Buchbindeetat dies zulässt. Bestandserhaltende Sonderaktionen wie Entsäuerung waren daher lange Zeit unvorstellbar. Nicht zuletzt fehlte es in der ÄZB auch an der entsprechenden Expertise. Jedoch bot sich der ÄZB Ende 2005 die Chance, sowohl fachlich als auch aktiv in die Thematik einzusteigen.

Auftakt und Schadenserhebung

Bis zum Jahr 2005 folgte in Hamburg allein die Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Hamburg dem Aufruf der Kultusministerkonferenz von 1993/95 und entsäuerte in ersten Aktionen 15.000 Bände ihrer Pflichtexemplare [3]. Der dazu zur Verfügung stehende Etat war aber zu gering, als dass sich der große Arbeitsaufwand von Seiten der Bibliothek im Verhältnis gesehen lohnte. Im Sommer 2005 berichtete die Hamburger Presse erneut über den Säurefrass in Bibliotheken.

Die Ärztliche Zentralbibliothek erreichte das Thema erstmalig im Rahmen einer Schriftlichen Kleinen Anfrage an den Hamburger Senat [4]. Zur Beantwortung der Anfrage sollten die Hamburger wissenschaftlichen Bibliotheken betroffene Bestände an die SUB, die als Landesbibliothek die Koordinierung übernahm, melden, um das Ausmaß der Schäden und eventuelle Kosten für die Entsäuerung abschätzen zu können. Nach einer eiligen Bestandssichtung meldete die ÄZB dringenden Handlungsbedarf bei den Spezialsammlungen zu Psychiatrie und Sexualwissenschaft. Über die Senatsantwort wurde in allen Hamburger Medien groß berichtetet und die SUB initiierte Werbe- und Spendenaktionen zur Massenentsäuerung. Das alles mündete in einem parteiübergreifenden Beschluss der Hamburger Bürgerschaft, „geeignete Maßnahmen zur Bestandserhaltung“ [5] zu ergreifen und eine genaue Gesamtanalyse der Säureschäden in Hamburger Bibliotheken zu beauftragen.

Im Oktober 2006 wurde die ÄZB von der SUB aufgefordert, sich stichprobenartig an der Erhebung der Schäden zu beteiligen. Für die Stichprobe mussten 500 Bände ausgewählt und auf ihren Säuregehalt untersucht werden. Dafür verlieh die SUB „pH-Tester“-Filzstifte, die das Papier entweder gelb (sauer) oder lila (alkalisch) färbten. Außerdem sollte die Brüchigkeit des Papiers mittels eines Falztestes überprüft werden. Die Auswahl der Bände sollte gemäß Stichprobendesign zwar einerseits nach dem Zufallsprinzip erfolgen, andererseits aber alle wichtigen Bestandsgruppen enthalten. Die Bestandsauswahl für die Stichprobe war dadurch sehr aufwändig und wurde deshalb vom Fachpersonal getroffen. Die eigentlichen Tests wurden jedoch von studentischen Hilfskräften durchgeführt.

Im nächsten Schritt mussten die zur Entsäuerung in Frage kommenden Segmente des Bestandes benannt und ihre Einmaligkeit für Hamburg und die Forschung beschrieben werden. Es sollte die genaue Bandanzahl ermittelt und die Bestandssegmente in drei Prioritätsstufen unterteilt werden. Die ÄZB bat ausgewählte Wissenschaftler und Institutsleiter des UKE, die mit dem entsprechenden Bestand arbeiteten und forschten, um Expertisen. Die Bestände der medizinhistorischen Sammlung wurden deshalb zusammen mit den Sammlungen der Sexualforschung und der Psychiatrie in Priorität 1 („besonders vordringlich“) eingestuft. Die Prioritätsstufe 2 („dringend“) erhielten Monografien aus den ehemaligen Institutsbibliotheken der Anatomie, der Frauenklinik und der Neurologie. Priorität 3 („wichtig, aber noch nicht sehr dringend“) erhielten schließlich Zeitschriftenbände, wieder insbesondere aus den Gebieten der Psychiatrie und Sexualforschung. Da der Großteil dieses ausgewählten Bestandes noch nicht elektronisch katalogisiert war und auch in den Jahren vor der Aktion keine Revision mehr durchgeführt worden war, war eine Schätzung der Bandanzahl erforderlich. Insgesamt meldete die ÄZB 30.000 Bände zur Entsäuerung bei der SUB an, davon 18.700 mit oberster Priorität.

Die Ergebnisse der gesamthamburgischen Schadensanalyse wurden in einer Bürgerschaftsdrucksache im Dezember 2007 veröffentlicht [6]. Im März 2009 bewilligte die Bürgerschaft schließlich erstmalig 1 Mio. Euro als Anschubfinanzierung der Massenentsäuerung in den Hamburger Bibliotheken und schrieb die Kontinuität der Aktivitäten in den folgenden Jahren vor. Die SUB wurde als Koordinatorin der Entsäuerungsmaßnahme bestimmt.

Die Projektphase in der ÄZB – ein Praxisbericht

Zum Einstieg in das Projekt wählte die SUB u.a. die Bände der Eppendorfer medizinhistorischen Sammlung aus, von denen zunächst 8.000 Bände entsäuert werden sollten. Um einen geeigneten Anbieter zur Durchführung der Entsäuerung der Hamburger Bibliotheksbestände zu finden, führte die SUB eine EU-weite Ausschreibung durch. Die ÄZB musste den Bewerberfirmen lediglich Bestandsbesichtigungen ermöglichen und die Frage möglicher Transportwege und Parkplätze klären. Den Zuschlag für den ausgeschriebenen Part der ÄZB („Los 6“) erhielt die Firma Preservation Academy GmbH Leipzig (PAL).

Die Auswahl der tatsächlich zu entsäuernden Bände hingegen war eine logistische Herausforderung, da die Sammlung an zwei Standorten im UKE untergebracht und nur ein kleiner Teil elektronisch erfasst war. Aufgrund des fehlenden elektronischen Nachweises großer Teile der zu entsäuernden Bestände verschickte die SUB ein Excel-Formular zur standardisierten Bestandserfassung an alle beteiligten Hamburger Bibliotheken. Diese Listen dienten als Arbeitsgrundlage für die Mitarbeiter der ausgewählten durchführenden Firma und sollten später zusammengeführt auch die Grundlage der geplanten „Bestandserhaltungs-Datenbank Hamburg“ bilden. Erfasst wurden die Daten von den studentischen Hilfskräften des IGEM per Notebook direkt an den Regalen. Parallel zur Erfassung mussten säurefreie Bände (Erscheinungsjahr vor 1840 oder nach 1970) ebenso wie mögliche Dubletten aussortiert werden.

Um die maximale Anzahl der zu entsäuernden Bände auszuschöpfen, sollte ein Überschuss von etwa 2.000 Bänden bereitgestellt werden. Nach den Vorerfahrungen der SUB können einzelne Bände, die die formalen Kriterien zwar erfüllen, aus physischen Gründen nicht behandelt werden (z.B. wegen Ausblutungs- oder Verklebungsgefahr, bei alkalischem Papier oder Kunstdrucken).

Um der Entsäuerungsfirma ein schnelles und reibungsloses Ausheben des Bestandes zu ermöglichen, wurden die aussortierten Bände gekennzeichnet, aus dem Bestand herausgenommen und verlagert. Im Dezember 2009 war der Bestand schließlich passend zur Erfassungsliste zusammengerückt und wurde vom Auftragnehmer innerhalb von drei Tagen in 202 Kisten verpackt und abtransportiert. Innerhalb der nächsten 3 Monate entsäuerte die Firma PAL die Bücher mit dem sogenannten CSC Book Saver® Verfahren [7]. Im März 2010 erhielt die ÄZB sämtliche Bände zurück, die gemäß der Ausschreibung selbst ausgepackt und in die Regale zurückgestellt wurden. Dies hatte den Vorteil, dass beim Auspacken gleichzeitig eine Eingangskontrolle erfolgen konnte. Nachteilig war, dass viele Magazingänge für einige Zeit nicht mit Bücherwagen zu befahren waren, da der Platzbedarf der 202 gelieferten Kisten beträchtlich war.

Das Folgeprojekt

Auch in den Folgejahren wurden Mittel für die Buchentsäuerung im Hamburger Landeshaushalt verankert, so dass die ÄZB ebenfalls ihre Sammlungen der Sexualforschung und der Psychiatrie behandeln lassen konnte. Die Abholung der Sammlungen erfolgte diesmal in zwei Chargen. Die Bestände der Sexualforschung und ein Teil des Psychiatriebestandes wurden im August 2010 abtransportiert. Im Dezember 2010 kehrten diese in die Bibliothek zurück. Zeitgleich nahm die Firma, auch diesmal PAL, den letzten Teil des Psychiatriebestandes mit Prioritätstufe 1 zur Entsäuerung mit. Im März 2011 wurden diese Bände entsäuert in die ÄZB zurück gebracht und wie beim ersten Mal vom Bibliothekspersonal an ihren Standort zurückgestellt.

Dublettenproblematik

Dubletten zu erkennen war den Hilfskräften bei der Bestandserfassung nur möglich, wenn diese aufgrund der Signaturvergabe unmittelbar nebeneinander standen. Eine abschließende Dublettenkontrolle anhand der Zettelkataloge war wegen des kurzen Zeitraums zwischen Auftragserteilung und geplanter Abholung der Bände nicht durchführbar. Da alle drei entsäuerten Sammlungen der ÄZB thematisch eng beieinander liegen, ist damit zu rechnen, dass die Vorgabe des Bürgerschaftsantrages, hamburgweit nur jeweils ein Exemplar eines Titels zu entsäuern, nicht in jedem Fall gewährleistet werden konnte.


Ausblick

Wie so oft zieht ein Projekt gleich das nächste nach sich. Alle entsäuerten Bände, die auf der letzten bedruckten Seite mit einem gestempelten Entsäuerungsvermerk versehen sind (Abbildung 2 [Abb. 2]), sollen in den nächsten Jahren vorrangig retrospektiv katalogisiert und im Verbundkatalog des GBV nachgewiesen werden. Dabei werden die Katalogisate in der entsprechenden Kategorie für die Bestandsschutzmaßnahmen und Langzeitarchivierung mit dem Entsäuerungsvermerk sowohl auf bibliografischer als auch auf Exemplarebene gekennzeichnet.

Bände, die aufgrund verschiedener Kriterien nicht entsäuert werden konnten und in der Liste entsprechend von der Firma kommentiert worden sind, erhalten im Katalog einen Vermerk „Nicht zur Entsäuerung geeignet“.

Ein Konzept zur Retrokatalogisierung der entsäuerten Bände wurde inzwischen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Medienbearbeitung entwickelt und als Qualitätsziel im Qualitätsentwicklungsplan der Bibliothek festgeschrieben. Sobald es der ÄZB gelingt, Projektmittel einzuwerben, kann der Retrokatalogisierungsprozess entscheidend beschleunigt werden und die Spezialsammlungen sind für Wissenschaft und Forschung am UKE, aber auch in Deutschland und anderswo sicht- und dadurch nutzbar.

Und damit nicht genug: Nach dem Papier sollen nun auch noch die Einbände der entsäuerten Bände gerettet werden, um die Sammlungen dauerhaft erhalten zu können. Viele der entsäuerten Bände waren in Leder eingebunden und sind aufgrund der gebrochenen Rücken und Buchblöcke nicht mehr uneingeschränkt nutzbar. Zur Rettung der Einbände hat sich die ÄZB 2011 um Fördermittel der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts beworben. Leider war der Antrag nicht erfolgreich. Bis es gelingt, die notwendigen Mittel einzuwerben, wird das Vorhaben, bestimmte Einbände erneuern zu lassen, zunächst nur in sehr kleinen Schritten umgesetzt.


Fazit

Das Entsäuerungsprojekt, das durch glückliche Umstände von außen an die ÄZB herangetragen worden ist, stellte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Betriebsorganisation in der ÄZB vor verschiedene Herausforderungen. Zum einen mussten sich die Projektgruppenmitglieder zunächst komplett in die Entsäuerungsthematik einarbeiten und Methoden entwickeln, die Vorgaben von außen umsetzen zu können. Bei laufendem Betrieb, schwieriger Katalogsituation, räumlichen und manchmal auch personellen Engpässen mussten vorgegebene Termine eingehalten werden. Die Auspackaktionen im Magazin unterstützten viele Freiwillige aus dem gesamten Bibliotheksteam mit überraschend viel Freude. Die anfängliche Sorge mancher Kolleginnen und Kollegen, nicht über ein ausreichendes Know-how für ein solches Projekt zu verfügen, hat sich als unbegründet erwiesen.

Aufgrund der Tatsache, dass anlässlich des Entsäuerungsprojekts die Bestände der drei entsäuerten Spezialsammlungen nun vorrangig retrokatalogisiert und sukzessive im Verbundkatalog nachgewiesen werden, ist tatsächlich bereits eine verstärkte Nutzung dieser Bestände zu beobachten. Damit kommt die Bibliothek in ihrem Vorhaben, auch ihre Altbestände interessierten Forschenden besser zugänglich zu machen, wieder einen Schritt voran.


Anmerkung

Interessenkonflikte

Die Autorinnen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


Literatur

1.
UKE, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin. Geschichte des Instituts [homepage on the internet]. Hamburg: UKE; c2010 [updated 2010 February 16; cited 2012 July 31]. Available from: http://www.uke.de/institute/geschichte-medizin/index_6822.php Externer Link
2.
UKE, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Geschichte der Klinik [homepage on the internet]. Hamburg: UKE; c2008 [updated 2008 July 8; cited 2012 July 31]. Available from: http://www.uke.de/kliniken/psychiatrie/index_15716.php Externer Link
3.
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky. Jahresbericht 2009. Hamburg; 2010.
4.
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Drucksache 18/3176. Hamburg; 18.11.2005. Available from: http://www.buergerschaft-hh.de/parldok/ Externer Link
5.
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Drucksache 18/4851. Hamburg; 21.08.2006. Available from: http://www.buergerschaft-hh.de/parldok/ Externer Link
6.
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Drucksache 18/7511. Hamburg; 04.12.2007. Available from: http://www.buergerschaft-hh.de/parldok/ Externer Link
7.
Preservation-Academy.com [homepage on the internet]. Leipzig: Preservation Academy; c2010 [cited 2012 July 31]. Available from: http://www.preservation-academy.com Externer Link